{"id":7222,"date":"2022-07-01T12:40:00","date_gmt":"2022-07-01T10:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dieter-jenz.de\/lc\/?p=7222"},"modified":"2022-07-28T10:56:16","modified_gmt":"2022-07-28T08:56:16","slug":"polytheismus-kontra-offenbarung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dieter-jenz.de\/lc\/polytheismus-kontra-offenbarung\/","title":{"rendered":"Polytheismus kontra Offenbarung"},"content":{"rendered":"<div class=\"yoast-breadcrumbs\"><span><span><a href=\"https:\/\/dieter-jenz.de\/lc\/\">Home<\/a><\/span> \u00bb <span><a href=\"https:\/\/dieter-jenz.de\/lc\/category\/lebensfragen\/\">Lebensfragen<\/a><\/span> \u00bb <span class=\"breadcrumb_last\" aria-current=\"page\"><strong>Polytheismus kontra Offenbarung<\/strong><\/span><\/span><\/div>\n\n\n<p>Wie konnte sich in verschiedenen Regionen der Erde ein Polytheismus entwickeln? W\u00e4re dies nach den Sch\u00f6pfungsnarrativen der Offenbarungsreligionen (Judentum, Christentum, Islam) nicht ein \u00fcberfl\u00fcssiger Irrweg gewesen? &nbsp;<\/p>\n\n\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile has-background-background-color has-background\" style=\"grid-template-columns:15% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><a href=\"https:\/\/dieter-jenz.de\/lc\/was-geschieht-mit-mir-wenn-ich-sterbe\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"800\" src=\"https:\/\/dieter-jenz.de\/lc\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Beitragsbild-Was-geschieht-mit-mir-wenn-ich-sterbe.jpeg\" alt=\"Was geschieht mit mir wenn ich sterbe - Gestaltung: privat\" class=\"wp-image-7029 size-full\" srcset=\"https:\/\/dieter-jenz.de\/lc\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Beitragsbild-Was-geschieht-mit-mir-wenn-ich-sterbe.jpeg 800w, https:\/\/dieter-jenz.de\/lc\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Beitragsbild-Was-geschieht-mit-mir-wenn-ich-sterbe-300x300.jpeg 300w, https:\/\/dieter-jenz.de\/lc\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Beitragsbild-Was-geschieht-mit-mir-wenn-ich-sterbe-150x150.jpeg 150w, https:\/\/dieter-jenz.de\/lc\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Beitragsbild-Was-geschieht-mit-mir-wenn-ich-sterbe-768x768.jpeg 768w, https:\/\/dieter-jenz.de\/lc\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Beitragsbild-Was-geschieht-mit-mir-wenn-ich-sterbe-540x540.jpeg 540w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-border-background-color has-background has-normal-font-size\">Dieser Beitrag ist Teil der Serie &#8222;<em>Was geschieht mit mir wenn ich sterbe?<\/em>&#8220; <br>Grobes <a href=\"https:\/\/dieter-jenz.de\/lc\/was-geschieht-mit-mir-wenn-ich-sterbe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Der Begriff \u201eOffenbarungsreligion\u201c deutet an, dass eine mit Autorit\u00e4t versehene Instanz etwas offenbart. Bei der Zielgruppe einer Offenbarung mag es sich um die gesamte Menschheit oder auch einen bestimmte Gruppe von Menschen handeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Von dem Aspekt der Entwicklungsgeschichte aus betrachtet stellt sich die Frage, wann im Verlauf der Menschheitsgeschichte eine solche Offenbarung erfolgte. Geschah die Offenbarung schon am Anfang der Menschheitsgeschichte oder geschah sie erst sp\u00e4ter? Wenn sie bereits am Anfang geschah, h\u00e4tten es beispielsweise primitive Gottesvorstellungen schwer gehabt, zumindest wenn die Offenbarung f\u00fcr die menschlichen Sinne eindr\u00fccklich erfolgt w\u00e4re. Anderenfalls h\u00e4tten sich beliebige Vorstellungen \u00fcber \u00fcbernat\u00fcrliche oder g\u00f6ttliche M\u00e4chte entwickeln k\u00f6nnen, die dann in einen Polytheismus, die religi\u00f6se Verehrung einer Vielzahl von G\u00f6ttinnen, G\u00f6ttern und sonstigen Gottheiten oder Naturgeistern, m\u00fcndeten<\/p>\n\n\n\n<p>Wie bereit erw\u00e4hnt, postulieren die Offenbarungsreligionen (Judentum, Christentum, Islam) einen au\u00dferhalb der Erde existenten souver\u00e4nen und sch\u00f6pfungspotenten Gott. Im Buch der Tora, in Genesis 1 und 2, aber auch im Koran, Sure 2, Vers 35, wird von einer h\u00f6rbaren Kommunikation zwischen Gott und Mensch berichtet. Unter diesem Vorzeichen, der Erschaffung der ersten Menschen auf der Erde, stellt sich die Frage, weshalb sich im Verlauf der Menschheitsgeschichte ein Polytheismus entwickeln konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re davon auszugehen, dass der Sch\u00f6pfer den ersten Menschen das Wissen \u00fcber sich direkt vermittelte, zumal eine Kommunikation zwischen Gott und Mensch m\u00f6glich war und auch erfolgte. Des Weiteren w\u00e4re davon auszugehen, dass den \u00dcberlebenden der sp\u00e4teren Sintflut (Noah und seine Frau, seine drei S\u00f6hne mit ihren Frauen) aufgrund ebenfalls verbaler Kommunikation ein \u201eGrundwissen\u201c \u00fcber Gott in ihr weiteres Leben mitgegeben wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Religion und Spiritualit\u00e4t scheinen dem Menschen gewisserma\u00dfen schon \u201ein die Wiege gelegt\u201c worden zu sein. Neurowissenschaftler konnten <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/religion-und-hirnforschung-spiritualitaet-ist-tief-in-der-100.html\">nachweisen<\/a>, dass Spiritualit\u00e4t und Religion im periaqu\u00e4duktalen Grau, einem ziemlich alten Teil des menschlichen Gehirns, verankert ist. Dieses Grau, auch als zentrales H\u00f6hlengrau bezeichnet, ist an ganz grundlegenden Gef\u00fchlen beteiligt, wie Schmerz, Angst und Fluchtreflexen. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Spiritualit\u00e4t und Religion tief in der menschlichen Natur verwurzelt sind. Sie stehen auch in Beziehung mit \u00c4ngsten, Krankheit und Gesundheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders als zu erwarten scheint um das Jahr 4000&nbsp;v.&nbsp;Chr. vielerorts ein Polytheismus verbreitet gewesen zu sein. Geschichte und Auspr\u00e4gungen des Polytheismus werden beispielhaft und verk\u00fcrzt im Hinblick auf zwei Religionen skizziert: die mesopotamische und die alt\u00e4gyptische Religion. W\u00e4hrend die mesopotamische Religion zeitlich schon vor der in der Tora beichteten Sch\u00f6pfung (vereinfacht auf das Jahr 4000&nbsp;v.&nbsp;Chr. datiert) entstand, entwickelte sich die alt\u00e4gyptische Religion zeitlich wohl etwas sp\u00e4ter. Die Frage stellt sich nun, ob Polytheismus und Sch\u00f6pfungsnarrative (Bibel, Koran) miteinander vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Mesopotamische Religion<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Mesopotamien gilt, zusammen mit Anatolien, der Levante im engeren Sinne und dem Industal als eines der wichtigen kulturellen Entwicklungszentren des Alten Orients. Am mittleren Euphrat, heute auf dem Staatsgebiet des Irak, lassen sich die \u00e4ltesten arch\u00e4ologischen Besiedlungsspuren f\u00fcr die Mitte des 11.&nbsp;Jahrtausends v.&nbsp;Chr. nachweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die damalige mesopotamische Religion unterschied sich fundamental von den heutigen gro\u00dfen Weltreligionen, nicht nur im Hinblick auf die gel\u00e4ufige Unterscheidung von Mono- und Polytheismus. Es gab keinen Religionsstifter und auch keine heiligen Schriften, die die wesentlichen Glaubensinhalte festlegen (siehe Barthel Hrouda, \u200eRene Pfeilschifter: \u201eMesopotamien: die antiken Kulturen zwischen Euphrat und Tigris\u201c, C.H.Beck, S. 101). Heilige Schriften konnten zu diesem Zeitpunkt noch nicht existieren, da es an einem einheitlichen Schriftsystem (z.&nbsp;B. Keilschrift) noch mangelte. Glaubensinhalte konnten nur m\u00fcndlich von Generation zu Generation weitergegeben werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die mesopotamische Religion nicht in einer bestimmten Lehre verankert war, sondern eher im Staunen \u00fcber Naturgewalten, scheinbar \u00fcbernat\u00fcrliche Ph\u00e4nomene und dem Bewusstsein der eigenen Machtlosigkeit.&nbsp; G\u00f6tter erschienen viel zu distanziert, \u00fcberm\u00e4chtig und erhaben. Es verwundert nicht, dass Furcht das Verh\u00e4ltnis zu den G\u00f6ttern bestimmte. Schlie\u00dflich ging alles, was auf der Erde geschah, von den G\u00f6ttern aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorstellung mehrerer g\u00f6ttlicher M\u00e4chte korrespondierte mit der Unterscheidung verschiedener Arten von Naturph\u00e4nomenen. G\u00f6ttliche M\u00e4chte wurden menschen\u00e4hnlich gedacht. Sie besa\u00dfen H\u00e4user, Kleidung und Schmuck (ebd., S. 102), ern\u00e4hrten sich und glichen in ihrem Sozialverhalten den Menschen. Im Wesentlichen waren es Unsterblichkeit und unbegrenzte Macht, die G\u00f6tter \u00fcber den Menschen erhoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00dcbertragung menschlicher Eigenschaften und Verhaltens auf G\u00f6tter weitete sich von der menschlichen auf die g\u00f6ttliche Gesellschaft aus. Machtumw\u00e4lzungen in der irdischen Gesellschaft hatten in der Konsequenz auch eine Auswirkung auf die g\u00f6ttliche Gesellschaft. G\u00f6tter konnten an Bedeutung gewinnen und sie auch einb\u00fc\u00dfen (ebd., S. 103). Einem geschlagenen Feind seine G\u00f6tter zu nehmen, kam einer gravierenden Dem\u00fctigung gleich.<\/p>\n\n\n\n<p>Urspr\u00fcnglich kannte die mesopotamische Religion wahrscheinlich mehr als 1&nbsp;000 Gottheiten. Etwa zu Beginn des 2.&nbsp;Jahrtausends v.&nbsp;Chr., am Anfang der Altbabylonischen Periode, nahm die Zahl der Gottheiten auf etwa 20 bis 30 stark ab. Wahrscheinlich ging diese Entwicklung mit der Erschaffung des ersten gro\u00dfen vorderasiatischen Reiches und der Vereinigung vieler Stadtstaaten einher. In der Altbabylonischen Periode (2000\u20131595 v.&nbsp;Chr.), gelangte die Stadt Babylon in den Mittelpunkt des Zeitgeschehens. Zwar \u00e4nderte sich die Zusammensetzung der mesopotamischen G\u00f6tterwelt, jedoch blieb das grunds\u00e4tzliche Verh\u00e4ltnis zwischen Gott und Mensch unver\u00e4ndert. Auch der Polytheismus wurde nicht infrage gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die mesopotamische Religion kannten zwar eine Unterwelt und nach Auffassung der Summerer und Akkader mit Nergal und seiner Gattin Ere\u0161kigal ein Herrscherpaar dieser Unterwelt. Jedoch wurde nicht zwischen Gut und B\u00f6se unterschieden und als Folge davon gab es auch keinen Anlass f\u00fcr ein Gericht \u00fcber die Toten. Ebensowenig gab es eine Vorstellung von einem Paradies.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Alt\u00e4gyptische Religion<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Vor dem Hintergrund des biblischen Sch\u00f6pfungsnarrativs erscheint es etwas sonderbar, dass sich schon im fr\u00fchen \u00c4gypten, in relativer geografischer N\u00e4he zu Israel, der Polytheismus behaupten konnte. Die alt\u00e4gyptische Religion gilt als eine der gro\u00dfen antiken polytheistischen Religionen des Mittelmeerraums. Ihre Urspr\u00fcnge lassen sich auf die Zeit der Herausbildung des pharaonischen Staates in der letzten H\u00e4lfte des 4. Jahrtausends v. Chr. zur\u00fcckverfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der \u00e4gyptischen Religion existieren keine geoffenbarten Schriften. Es gab eine Vielzahl von G\u00f6ttern, die vielfach Tiergestalt aufwiesen. Sie waren auch durch bestimmte Schriftzeichen, Pflanzen oder die Sonnenscheibe charakterisiert. Neben lokalen und regionalen wurden auch gewisserma\u00dfen nationale G\u00f6tter verehrt. Zu den bedeutenden \u201enationalen\u201c G\u00f6ttern z\u00e4hlten Re, Isis, Amun und Osiris. Im Zeitverlauf nahm die Bedeutung bestimmter G\u00f6tter zu oder auch ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Re war als Sonnen- und Sch\u00f6pfergott der m\u00e4chtigste Gott und wurde mit einer Sonne \u00fcber dem Kopf dargestellt. Amun war der Wind- und Fruchtbarkeitsgott. Amun mag beispielhaft f\u00fcr die zunehmende Bedeutung eines Gottes stehen. Zun\u00e4chst war er \u201eLokalgott\u201c von Theben, gewann jedoch sp\u00e4ter landesweite Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod stand in der \u00e4gyptischen Religion nicht infrage. Demzufolge verwundert nicht, dass es einen Gott des Jenseits (Totengott), der Wiedergeburt und des Nils gab, Osiris genannt. Er genoss gro\u00dfe Verehrung und galt als Herrscher und Richter im Jenseits. Verstorbene mussten in einem Gerichtssaal vor ihm erscheinen. Er entschied \u00fcber den Aufstieg ins himmlische Lichtreich oder den Abstieg in die lichtlose Unterwelt. Die G\u00f6ttin Isis war gleichzeitig seine Schwester und seine Frau. Sie galt als sogenannte \u201eGro\u00dfe Mutter\u201c, die ewig liebende Gemahlin, die Himmelsk\u00f6nigin und Besch\u00fctzerin der Familie.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Religion Israels<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das Internet-basierte wissenschaftliche Bibellexikon der Deutschen Bibelgesellschaft h\u00e4lt fest, dass in der Fr\u00fchgeschichte Israels (von seinen Anf\u00e4ngen etwa 1900 v. Chr. im Alten Orient) die <a href=\"https:\/\/www.bibelwissenschaft.de\/stichwort\/27997\/\">Religion Israels durchaus polytheistisch war<\/a>. So legen die Erzelternerz\u00e4hlungen (u.&nbsp;a. Gen 31,53: Gott Nahors neben dem Gott Jakobs) nahe, dass jeder Stamm bzw. jede Familie einen eigenen Schutzgott verehrte, der f\u00fcr die Belange der Familie verantwortlich gemacht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Da Mesopotamien in der zweiten H\u00e4lfte des 3. Jahrtausends v. Chr. besiedelt war, muss zumindest ein Teil von Noahs Familie oder der Nachkommen nach Mesopotamien gezogen sein. Der Polytheismus muss unter den Nachkommen schon sehr fr\u00fchzeitig Einzug gehalten haben, da sich im Mesopotamien jener Zeit entsprechende Zeugnisse finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im bereits erw\u00e4hnten Kap. 31 des Buches Genesis wird erz\u00e4hlt, dass Rahel, Jakobs Frau, die Teraphime ihres Vaters Laban stahl. Als Teraphim wird ein Bild oder eine leicht transportable Figur eines Familiengottes semitischer Nomaden bezeichnet. In Mesopotamien galt, wie bereits erw\u00e4hnt, derjenige als gedem\u00fctigt, dessen G\u00f6tter gestohlen wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Jakob lebte etwa im 18. Jahrhundert v. Chr. Seit der biblischen Sintflut (der Einfachheit halber auf das Jahr 2500 v.&nbsp;Chr. datiert) waren demnach rund 700 Jahre vergangen. Auf Anraten seiner Mutter Rebekka, einer Gro\u00dfnichte Abrahams, zog er zu Rebekkas Bruder Laban, um dort eine Frau zu finden. Er verliebte sich in Rahel, Labans Tochter und gleichzeitig auch Jakobs Cousine, und nahm sie zur Frau.<\/p>\n\n\n\n<p>Laban geh\u00f6rte zu dem Zweig der Familie, der in Mesopotamien blieb, als Abraham, der Stammvater Israels, nach Westen wanderte. Sein Vater Bethuel war ein Neffe Abrahams. An ihrem Wohnort waren sie den kulturellen Einfl\u00fcssen Mesopotamiens ausgesetzt. Vermutlich ist der Einfluss des Polytheismus dadurch erkl\u00e4rbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Jahrhunderte sp\u00e4ter begann in \u00c4gypten gewisserma\u00dfen in neues Zeitalter der Religion Israels. Die Offenbarung des JHWH-Namens an Mose im brennenden Dornbusch in \u00c4gypten markiert im Tanach, der hebr\u00e4ischen Bibel, den Beginn der besonderen Geschichte Israels mit seinem Gott JHWH (oft auch als Jahwe oder Jehova, Gott, bezeichnet). Jahwe machte sich im Verlauf der Geschichte seinem Volk bekannt und erw\u00e4hlte es zu seinem Bundespartner. Diese Geschichte begann noch vor dem Exodus, dem Auszug Israels aus \u00c4gypten. Dem Buch Deuteronomium (Kap. 34,7) zufolge starb Mose im Alter von 120 Jahren auf dem Berg Nebo im Ostjordanland. Diese Offenbarung erfolgte somit wahrscheinlich im Zeitraum zwischen 1500 und 1445&nbsp;v.&nbsp;Chr.<\/p>\n\n\n\n<p>Der St\u00e4mmebund (\u201eZw\u00f6lf St\u00e4mme Israels\u201c) tritt in den Erz\u00e4hlungen der Bibel seit dem Buch Exodus als Volk \u201eIsrael\u201c unter einheitlicher F\u00fchrung auf. Der biblischen Erz\u00e4hlung zufolge (Buch Exodus, Kap. 1\u201315), zogen die Israeliten, beg\u00fcnstigt durch die \u201eTeilung\u201c des Roten Meers, aus der Sklaverei des Pharaos \u00c4gyptens. Durch dieses g\u00f6ttliche Wunder konnten sich die Israeliten den Nachstellungen der \u00c4gypter, die nach dem Zusammenfluten des Roten Meers ums Leben kamen, entziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwa drei Monate nach dem Exodus (etwa 1445 v.&nbsp;Chr.) kamen die Israeliten in der W\u00fcste Sinai an. Dort vermittelte Gott \u00fcber Mose in verbaler Kommunikation die Zehn Gebote, mit denen er seinen Exklusivanspruch deutlich machte (Exodus 20,3-5): \u201eIch bin Jahwe, dein Gott, der dich aus \u00c4gypten gef\u00fchrt hat, aus dem Sklavenhaus. Du sollst neben mir keine anderen G\u00f6tter haben. Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde. Du sollst dich nicht vor anderen G\u00f6ttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer vierzigj\u00e4hrigen W\u00fcstenwanderung (ungef\u00e4hr 1445\u20131405 v.&nbsp;Chr.) konnten die Israeliten unter ihrem Anf\u00fchrer Josua in das Land Kanaan westlich des Flusses Jordan gelangen und dort sesshaft werden. Nachgewiesen ist die Ansiedlung israelitischer Volksst\u00e4mme in der Region des heutigen Pal\u00e4stina f\u00fcr die Zeit seit etwa 1250 v.&nbsp;Chr..<\/p>\n\n\n\n<p>Jahwe wurde seit Beginn der K\u00f6nigszeit (der Beginn der Regierungszeit Sauls, des ersten K\u00f6nigs, wird auf ungef\u00e4hr 1047 v.&nbsp;Chr. datiert) im Rahmen eines Staatskultes als Nationalgott verehrt. Dieser eine Gott stand wohl sp\u00e4testens seit Salomo (Regierungszeit ca. 969\u2013930 v.&nbsp;Chr.) in Jerusalem unter k\u00f6niglicher Protektion. Auch nach der Trennung in Nordreich (Israel) und S\u00fcdreich (Juda) genoss Jahwe die Anerkennung als Nationalgott.<\/p>\n\n\n\n<p>Die israelitischen Volksst\u00e4mme befanden sich aufgrund der geografischen Lage stets im Spannungsfeld zwischen \u00c4gypten und Mesopotamien. Die wechselvolle Geschichte der israelitischen Volksst\u00e4mme erz\u00e4hlt von wiederholten Bedrohungen durch Invasoren mit anschlie\u00dfenden Niederlagen, Unterdr\u00fcckung und Vassallenschaft, aber auch Erfolgen. Auch vom Abfall vom geoffenbarten Jahwe wird erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie konnte der Polytheismus entstehen?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Wenn Adam und Eva um das Jahr 4000&nbsp;v.&nbsp;Chr., wie vereinfacht angenommen, als die ersten Menschen auf der Erde lebten, w\u00e4re zu erwarten, dass beide ihr \u201eWissen aus erster Hand\u201c \u00fcber Gott an ihre Nachfahren und diese wiederum an ihre Nachfahren m\u00fcndlich weitergaben. Wie bereits erw\u00e4hnt, lebte Adam insgesamt 930 Jahre (Genesis 5,5). Damit lebte Adam noch zu Lebzeiten Lamechs, der 8. Generation nach ihm. Lamech wiederum starb, wie bereits erw\u00e4hnt, erst relativ kurz vor der biblischen Sintflut. Eine m\u00fcndliche Weitergabe des Wissens \u00fcber den Sch\u00f6pfergott von Generation zu Generation erscheint ohne weiteres m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Lauf der Geschichte kommunizierte Gott nach biblischer \u00dcberlieferung direkt. Zu seinen \u201eGespr\u00e4chspartnern\u201c z\u00e4hlten beispielsweise Adam und Noah vor der Sintflut sowie Abraham, Jakob und Mose nach der Sintflut. Das Wissen \u00fcber Gott schien trotz dieser Rahmenbedingungen relativ schnell verloren gegangen zu sein. So sah sich Gott schlie\u00dflich schon nach der 10. Generation dazu veranlasst, das moralisch und sittlich verkommene Menschengeschlecht mit der Sintflut auszul\u00f6schen. Diese Entscheidung Gottes reflektiert eine Erkenntnis, dass das Projekt \u201eMenschheit\u201c schon relativ fr\u00fchzeitig gescheitert war.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer \u201eSichtung\u201c der Menschheit fand nur Noah \u201eGnade in den Augen des Herrn\u201c (Genesis 6,8). Durch die berichtete Engf\u00fchrung der Sintflut geschah gewisserma\u00dfen ein Neuanfang der Menschheit mit Noah und seiner ebenfalls geretteten Familie, insgesamt acht Menschen. Im Buch Genesis (Kap. 8,23) hei\u00dft es dazu: \u201e[\u2026] der Herr sprach bei sich: Ich will die Erde wegen des Menschen nicht noch einmal verfluchen; denn das Trachten des Menschen ist b\u00f6se von Jugend an. Ich will k\u00fcnftig nicht mehr alles Lebendige vernichten, wie ich es getan habe.\u201c Das Grundproblem, die \u201eSchlechtigkeit des Menschen\u201c und dass \u201ealles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur b\u00f6se war\u201c (siehe Genesis 6,5), blieb jedoch bestehen. Die Auswirkungen zeigen sich auf der Linie dieses Narrativs im weiteren Verlauf der Weltgeschichte bis heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn eine Sintflut als geschichtliches Ereignis angenommen wird, stellt sich unweigerlich die Frage, wie in der Folgezeit ein Polytheismus entstehen konnte. Schlie\u00dflich hatte Gott stets die M\u00f6glichkeit, seine Exklusivit\u00e4t als Sch\u00f6pfer und Gott zu kommunizieren. Es w\u00e4re demnach zu erwarten gewesen, dass sich das Wissen \u00fcber den Sch\u00f6pfergott \u00fcber die wenigen Generationen hinweg erh\u00e4lt und einem Polytheismus keinen Raum zur Entfaltung bietet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tatsache, dass in Mesopotamien und in \u00c4gypten der Polytheismus verbreitet war, bildet einen Kontrapunkt. Unweigerlich stellt sich auch die Frage, welches Sintflut-Narrativ f\u00fcr plausibel erachtet wird. Fand das Gilgamesch-Epos Eingang in das biblische Sintflut-Narrativ? Da das Gilgamesch-Epos nach bisherigen Erkenntnissen einige Jahrhunderte fr\u00fcher entstand, w\u00e4re dies aufgrund der auff\u00e4lligen \u00c4hnlichkeiten in manchen Passagen naheliegend.<\/p>\n\n\n\n<p>Wird das Gilgamesch-Epos als Bezugsnarrativ angesehen, f\u00fcgt sich der Polytheismus gewisserma\u00dfen nahtlos in den Rahmen ein. Da in Mesopotamien der Polytheismus zur Zeit der Verschriftlichung des Gilgamesch-Epos bereits verbreitet war, verwundert nicht, dass der Polytheismus auch nach der Sintflut dominierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders verh\u00e4lt es sich jedoch, wenn das biblische Sintflut-Narrativ als Ausgangspunkt weiterer \u00dcberlegungen dient. Gott hatte nach der Sintflut direkt mit Noah und seinen S\u00f6hnen kommuniziert. Wie Adam und Eva hatten sie \u201ePrim\u00e4rwissen\u201c \u00fcber Gott. Deshalb w\u00e4re davon auszugehen, dass der \u00fcberlebenden achtk\u00f6pfigen Familie klar war, dass der zu ihnen sprechende Gott der alleinige Gott ist. Wie konnte es dann dazu kommen, dass schon zur Zeit Jakobs, des Enkels Abrahams, Anzeichen von Polytheismus zu erkennen waren?<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in \u00c4gypten h\u00e4tte ein Polytheismus nicht entstehen k\u00f6nnen, es sei denn die Nachfahren Noahs, die nach \u00c4gypten auswanderten, hatten im Lauf der Zeit alles Wissen \u00fcber Gott \u201evergessen\u201c oder ihn nicht ernst genommen. Insbesondere w\u00e4re zu erwarten gewesen, dass Abraham, der Stammvater Israels, sein Wissen \u00fcber Gott auf seiner Reise nach \u00c4gypten gewisserma\u00dfen dorthin exportierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tatsache, dass in Mesopotamien und \u00c4gypten (jedoch nicht nur dort) bereits zur Zeit der Sintflut ein Polytheismus existierte, stellt die Datierung der Sintflut infrage. Falls sie stattfand, m\u00fcsste sie wohl deutlich fr\u00fcher stattgefunden haben. Das Entstehen eines Polytheismus lie\u00dfe sich mit gr\u00f6\u00dferem zeitlichem Abstand besser erkl\u00e4ren, da das Wissen \u00fcber Gott im Zeitverlauf tendenziell immer mehr verflacht und sich bei m\u00fcndlicher \u00dcberlieferung \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume hinweg auch Ungenauigkeiten einschleichen. Die Sintflut war jedoch ein v\u00f6llig au\u00dfergew\u00f6hnliches Ereignis. Noah und seine Nachfahren hatten schlie\u00dflich viele Mitmenschen vor Augen, die bei der Sintflut umkamen. Es war eine existentielle Erfahrung. Von daher w\u00e4re eher zu erwarten gewesen, dass sich dieses Wissen \u00fcber l\u00e4ngere Zeit erh\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie konnte sich in verschiedenen Regionen der Erde ein Polytheismus entwickeln? 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