Empathisches Zuhören – Balsam für die Seele mit heilender Kraft

Gehört und ernst genommen zu werden, das wünschen sich viele Menschen: aussprechen können, was mich am meisten beschäftigt, Aufmerksamkeit beim Zuhörer, ehrliches, geduldiges und empathisches Zuhören, ein freundlicher Blick, ein mitfühlendes Lächeln.

Etwas aussprechen (können), was mich umtreibt, was mich vielleicht nachts nicht schlafen lässt, hat eine positiv verändernde Wirkung. Der Schriftsteller Hermann Hesse kleidete es in folgende Worte: „Es wird immer alles gleich ein wenig anders, wenn man es ausspricht.“.

Empathisches Zuhören - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Es hilft schon, wenn jemand nur versucht, mich zu verstehen. Und es ist wichtig, dass der Zuhörer mit allen Sinnen versteht und vermitteln kann: „Was immer du sagst oder nicht sagst – ich verurteile dich nicht!“ Und außerdem: „Du kannst mir sehr viel, unendlich viel, anvertrauen, und ich behalte es strikt für mich!“

Wenn es darum geht, etwas zu verstehen, dann geht es um ein liebendes Verstehen. Der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers drückte es so aus: „Auch das gesteigertste psychologische Verstehen ist kein liebendes Verstehen.“ Zwischen psychologischem Verstehen und liebendem Verstehen besteht ein großer Unterschied.

So bedeutet Zuhören letztlich: man versetzt sich bewusst und ohne Vorbehalte in den anderen hinein, mit ganzer Seele. Man lässt sich darauf ein, die Welt aus der Sicht des Redenden zu sehen. Der Redende gewinnt Raum. Er kann offen sein, muss keine Rolle spielen und sich nicht selbst zensieren. Ein professionelles Abstandhalten, wie oft im Arzt-Patienten-Verhältnis, gibt es nicht mehr.

Ein empathischer Zuhörer ist als Person präsent, mit seiner ganzen Aufmerksamkeit. Konzentration und Disziplin sind notwendig, um den Gesprächspartner gedanklich nicht zu überholen, d.h. in Gedanken schon einen Schritt weiter zu sein. Dann besteht die Gefahr, an eine ähnliche Situation zu denken und vielleicht schon eine Antwort zu formulieren.

Pausen müssen ausgehalten werden. Manchmal sind sie einfach notwendig, damit der Gesprächspartner überlegen und seine Gedanken weiterführen kann.

Einfach da sein dürfen

Beim empathischen Zuhören geht es nicht darum, den Zustand des Gesprächspartners zu verändern. Wenn sie oder er sich Sorgen macht, Angst empfindet oder über einen Verlust trauert, dann nimmt der Zuhörer die Gefühle und Empfindungen wahr und lässt sie präsent sein. Der Zuhörer lenkt nicht ab und unternimmt auch keine Versuche, diese Gefühle und Empfindungen auszureden.

Nicht vergessen werden darf, dass empathisches Zuhören genügend Zeit braucht. Hektik und Zeitmangel sind eindeutig kontraproduktiv. Auch Unterbrechungen des Gesprächs müssen vermieden werden.

Empathisches Zuhören entfaltet eine heilsame Kraft, weil es das tiefe menschliche Bedürfnis befriedigt, wahrgenommen, gehört und verstanden zu werden.