Abgrenzen – Grenzen setzen – Grenzen respektieren

Dieser Beitrag ist Teil 9 von 9 der Reihe Vorbeugung für die Seele

Grenzen setzen, mich abgrenzen,  mein Territorium bestimmen – für mich selbst sorgen. Wie passen Abgrenzen und Vorbeugung für die Seele zusammen?

Heike (nicht ihr richtiger Name) war so etwas wie die gute Seele in ihrem Arbeitsbereich. Sie war bereit, Kolleginnen und Kollegen während deren Urlaubszeit zu vertreten. Auch sonst, wenn sie gebeten wurde, eine Aufgabe zusätzlich zu übernehmen, für jemand einzuspringen, lehnte sie meist nicht ab. Mit der Zeit wuchs ihr Aufgabenbereich immer mehr an und es kam durchaus vor, dass sie manchmal sogar zwei Kolleginnen und/oder Kollegen gleichzeitig vertrat. Ihr eigener Aufgabenbereich war durchaus komplex und verlangte ihre volle Aufmerksamkeit und Konzentration.

Grenzenlosigkeit kann überlasten

Im Lauf der Zeit ging Heike, was ihr Arbeitsvolumen anbelangte, über ihre Grenzen. Im privaten Bereich kamen unerwartet weitere Probleme hinzu und auch im Arbeitsbereich entstand ein Konflikt. Für Heike wurde es zuviel. Sie litt unter Schlafstörungen und unter depressiven Verstimmungen. Lebensfreude wurde für sie mehr oder weniger zum Fremdwort.

Für Heike konnte es so nicht mehr weitergehen. Es folgte eine mehrwöchige Auszeit. Heute ist sie wieder voll in das Berufsleben eingebunden. Während ihrer Auszeit wurde ihr bewusst, dass es für sie wichtig ist, sich abzugrenzen. Nach ihrem Wiedereinstieg in den Berufsalltag begann sie, sich konkret abzugrenzen. Jetzt ist ihr Aufgabenbereich wieder kleiner, und sie kann das Arbeitsvolumen bewältigen. Sie kann jetzt „nein“ sagen, wenn sie um etwas gebeten wird, das ihre Kräfte übersteigen würde. Jetzt geht sie nicht mehr über ihre Grenzen, zumindest nur noch in wenigen Ausnahmefällen.

Und siehe da: in ihrem Arbeitsbereich „ging die Welt nicht unter“. Es brauchte etwas Zeit, bis sich ihre Kolleginnen und Kollegen auf die „neue“, veränderte Heike eingestellt hatten. Auch wenn sie jetzt öfters „nein“ sagt, wird sie nicht weniger geschätzt als zuvor.

Grenzen setzen

Wenn ich mich bewusst abgrenze – wobei Abgrenzung in keiner Weise ein Synonym für Faulheit oder Drückebergerei ist – sorge ich für meine seelische Gesundheit. Ich betreibe Vorbeugung für meine Seele. Ständige Überbeanspruchung belastet schließlich nicht nur die Seele, sondern beeinträchtigt auch Körper und Geist.

Abgrenzung ist nicht nur im Berufsleben ein „heißes“ Thema, sondern auch in privaten Beziehungen. Da mag es Menschen geben, die mich gewissermaßen „aussaugen“, die mich für sich einspannen möchten. Dann darf ich Grenzen setzen. Wenn ich die Beziehung erhalten möchte, kann ich beispielsweise die Anzahl der Treffen begrenzen, vielleicht auf ein Treffen pro Woche. Und ich kann die Zeit begrenzen, vielleicht auf 20 Minuten pro Telefongespräch oder welcher Zeitrahmen mir angemessen erscheint.

Abgrenzen bedeutet: ich sorge für mich selbst vor. Ich lasse mich nicht treiben oder mitreißen, sondern setze meine Grenzen selbst. Das Recht dazu habe ich.

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.