Abgrenzen: Ich bin nicht dazu da …

Abgrenzen, sich abgrenzen – was bedeutet das? Und weshalb sollte ich mich abgrenzen?

Die weshalb-Frage kann ich beantworten: Ich möchte ein selbstbestimmtes Leben führen, und ich möchte glücklich sein. Mein Leben soll nicht fremdbestimmt sein und immer nur die Erwartungen anderer erfüllen, wobei ich selbst auf der Strecke bleibe.

Von allen Seiten werden die verschiedensten Erwartungen an mich gestellt. Menschen haben Vorstellungen von mir, Pläne und Absichten mit mir, ob sie mich nun kennen oder nicht.

Behörden, Organisationen, Unternehmen, Freunde, Verwandte, Bekannte, Ehe- oder Lebenspartner/in, Eltern, Kinder, Enkel, sie alle haben Erwartungen an mich. Manche Erwartungen muss ich erfüllen, z.B. dass ich Steuern bezahle, meine Krankenkassenbeiträge entrichte oder vertraglich vereinbarte Leistungen erbringe.

Es gibt aber auch eine andere Kategorie von Erwartungen, die mir eine Wahlmöglichkeit lassen. Mit ihnen kann ich mich auseinandersetzen, kann abwägen, kann „ja“ oder „nein“ sagen. Kurz: ich kann Grenzen bestimmen, kann mich abgrenzen.

Abgrenzen ist ein mächtiger Begriff mit mehreren Bedeutungsebenen. An dieser Stelle geht es nicht darum, in die Tiefe zu gehen und den Begriff vollinhaltlich zu beleuchten. Es sei nur ein Aspekt herausgegriffen: Abgrenzen von dem was mir nicht gut tut.

Um mir zu helfen, das besser zu erfassen, kann ich für mich eine Art Leitlinie formulieren: Ich bin nicht auf der Welt um so zu sein wie du mich gerne hättest. Dann kann ich das mit Inhalt füllen. Konkret kann das dann beispielsweise bedeuten: Ich bin nicht dazu da,

  • damit andere ihre Pläne besser erfüllen, ihre Ziele besser erreichen können. Konkretes Beispiel: Weshalb sollte ich Geld für ein hochpreisiges Produkt ausgeben und dem Hersteller zu unverhältnismäßig mehr Gewinn verhelfen?
  • um die Vorstellungen anderer zu erfüllen. Konkretes Beispiel: Sollte ein teures Auto nur deshalb vor meiner Garage stehen weil ich meine Nachbarn beeindrucken möchte?
  • um die Erwartungen anderer zu erfüllen. Konkretes Beispiel: Sollte ich auch am Wochenende erreichbar sein, weil mein Vorgesetzter es von mir erwartet, ich aber keine wirkliche Notwendigkeit erkenne?

Weshalb sollten Vorstellungen und Erwartungen anderer Vorrang in meinem Leben haben? Weshalb sollte ich mich beispielsweise in das Hamsterrad des Konsums stürzen, um mir Dinge zu leisten, die ich nicht wirklich benötige, die mich nicht wirklich glücklicher machen? Nur weil irgendjemand von mir erwartet, dass ich bestimmte Dinge bestimmter Marken besitze?

Wenn ich mich nicht gut abgrenzen kann, könnte das ein Hinweis auf mangelndes Selbstbewusstsein, auf mangelndes Selbstwertbewusstsein, sein?

Abgrenzen stärkt mein Selbstbewusstsein. Ich bin wertvoll genug, zunächst einmal wertvoll genug vor mir selbst, auch wenn ich die Erwartungen anderer nicht erfülle. Es schadet nicht, wenn ich hin und wieder einmal „nein“ sage, dafür aber mich selbst nicht unter Druck setze.

Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.