Passt die Lebensaufgabe? Wie überprüfe ich?

Dieser Beitrag ist Teil 6 von 8 der Reihe Lebensaufgabe finden und umsetzen

Ich habe mir intensive Gedanken zu meiner Lebensaufgabe gemacht – und ich habe meine Lebensaufgabe gefunden. So meine ich zumindest. Aber passt die Lebensaufgabe?

Vielleicht kam eine plötzliche Erkenntnis, die mich überwältigt. Vielleicht bin ich so davon fasziniert, dass ich sogar ernsthaft darüber nachdenke, als nächstes gleich meine Arbeitsstelle zu kündigen. Mit „fliegenden Fahnen“ möchte ich mich auf neues Territorium begeben.

Ja, vielleicht steht die Lebensaufgabe jetzt so glasklar vor mir. Andererseits ist vielleicht längst nicht alles klar. Die Lebensaufgabe erscheint noch mehr oder weniger verschwommen. Und wie ich sie verwirklichen kann und ob überhaupt – davon habe ich noch keine Vorstellung.

Ein Überprüfungsschritt lohnt sich

Wie auch immer, ob schon alles glasklar scheint oder ich mich noch sehr unsicher fühle: ein Überprüfungsschritt lohnt sich. Er wird mir mehr Sicherheit vermitteln und meine Zweifel, wenn sie noch bestehen, ausräumen.

Selbst wenn ich überzeugt bin, dass ja eigentlich alles klar ist und eine Überprüfung überflüssig ist, sollte ich den Überprüfungsschritt dennoch nicht einfach auslassen. Dafür steht zu viel auf dem Spiel!

Meine Lebenszeit ist ein großes „Kapital“. Es lohnt sich, intensiv darüber nachzudenken, wie es eingesetzt werden kann. Ich stehe gewissermaßen vor einer „Investitionsentscheidung“. Nur geht es hier nicht um Geld, sondern um meine Lebenszeit.

Investitionsentscheidungen werden in aller Regel nicht spontan getroffen, sondern sie werden sorgfältig überprüft. Die Entscheidung wird abgesichert. Beispielsweise werden bei Investitionsentscheidungen in Unternehmen, etwa wenn ein neues Werk errichtet werden soll, dazu oft Beratungsunternehmen eingeschaltet, die externe Erfahrung einbringen.

Wer kann unterstützen?

Wen kann ich einschalten, wenn es um eine Entscheidung zur Ausrichtung meines Lebens geht? An erster Stelle stehen sicherlich der Partner bzw. die Partnerin, Familienmitglieder und enge Freunde bzw. Freundinnen. Sie kennen mich am besten und oft auch schon länger, wissen, wie ich „gestrickt“ bin. Sie können mir Rückmeldung geben, wie sie mich wahrnehmen und erleben. Sie können mir auch ihren Eindruck vermitteln, ob meine Lebensaufgabe aus ihrer Sicht für mich passt.

Darüber hinaus kann es auch hilfreich sein, eine Person hinzuzuziehen, die mich und meine Geschichte noch nicht kennen. Eine solche Person wird mich anders und ohne Vorprägungen wahrnehmen. Und sie wird sehr wahrscheinlich Aspekte mit einbringen, an welche die mir vertrauten Menschen nicht denken.

Wenn mir mehr als eine Person ihre persönliche Einschätzung geben kann, ist dies vorteilhaft. So kann ich besser erkennen, wie mich unterschiedliche Menschen wahrnehmen. Es mag sein, dass ich mich unnerlich wehre, andere um ihre Meinung zu fragen. Schließlich ist es nur natürlich, dass ich die Bestätigung meines Wegs suche. Eine wie auch immer geartete Befürchtung, andere könnten meine Pläne durchkreuzen wollen, kann stets mitschwingen.

Auch Tests können sehr hilfreich sein. Damit sind allerdings weniger die oft oberflächllichen Tests in der „Regenbogenpresse“ gemeint. Vielmehr sind es die Persönlichkeitstests, die unter anderem auch bei der Personalauswahl eingesetzt werden, die mir helfen können, mich besser einzuschätzen. Viele dieser Tests basieren auf dem breit anerkannten Big-Five-Persönlichkeitsmodell. So kann ich ein besseres Gespür dafür entwickeln, ob meine Persönlichkeit zu meiner Lebensaufgabe passt.

Eine weitere Möglichkeit zur Überprüfung ist es, erste kleine Schritte auf dem Weg der Lebensaufgabe zu gehen. In dieser Phase sollte noch kein Risiko eingegangen werden. Wenn sich ein gewisses Risiko dennoch nicht vermeiden lässt, sollte es zeitlich wie finanziell so gering wie möglich gehalten werden. Vielleicht gibt es die Möglichkeit zu einer Art Praktikum. In der praktischen Arbeit erspüre ich dann, ob mich das, womit ich mich beschäftige, wirklich erfüllt.

Je mehr Möglichkeiten ich miteinander kombinieren kann, desto klarer wird für mich, ob ich in die richtige Richung gehe. Wenn ich mich bei meinen ersten konkreten Schritten wohl fühle, wenn ich Anerkennung und Bestätigung von anderen bekomme, darf ich davon ausgehen, dass der Kurs stimmt.

Und wenn ich die Dinge anders sehe?

Es mag jedoch sein, dass sich Eigen- und Fremdwahrnehmung nicht decken. Wie gehe ich dann vor? Sicherlich sollte ich die Bedenken Dritter ernst nehmen. Ich kann davon ausgehen, dass sie es gut mit mir meinen und nicht möchten, dass ich „ins Verderben renne“.

Was geschieht jedoch, wenn ich Bedenken anderer nicht annehmen kann? Was geschieht, wenn vielleicht nur ich selbst überzeugt bin, den richtigen Weg zu gehen? Diese Situation kann eintreten. Die Mehrheit hat nicht immer recht. Wahrscheinlich werde ich unsicher und deshalb nochmals intensiv nachdenken. Letzten Endes liegt die Verantwortung vollständig bei mir selbst. Schließlich ist es meine Lebenszeit, über die ich entscheide.

Und wenn sich dann später trotzdem herausstellen sollte, dass ich mich in mir selbst getäuscht habe und mich meine Lebensaufgabe doch nicht so erfüllt, wie ich es mir erhofft habe? Dann kann ich meinen Kurs immer noch ändern. Wenn ich behutsam vorgehe, wird ein möglicher Schaden durch eine falsche Entscheidung niemals groß ausfallen.

Nicht unter Druck setzen

Wieviel Zeit sollte ich mir für die Überprüfung zugestehen? Eine Regel gibt es dafür nicht. Manchmal ist innerhalb von Tagen, ja sogar Minuten alles klar. Und manchmal kann es einige Monate dauern. Wichtig ist jedoch, dass ich mich nicht selbst unter Druck setze oder mich von anderen unter Druck setzen lasse. Die Entscheidung muss reifen und schließlich gut überlegt sein.

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.