Kraftgedanken: Wertschätzung – ich bin wertvoll!

Kraftgedanken: Wertschätzung für mich selbst – weil ich etwas Besonderes bin! Ich bin wertvoll!

Gold - Foto: Pixabay
Gold – Foto: Pixabay

Als wertvoll wird nur dann etwas eingeschätzt, wenn es wirklich werthaltig ist, wenn es einen materiellen oder ideellen Wert verkörpert. Niemand stellt sich beispielsweise die Frage, ob Gold wertvoll ist. Gold kommt nur in begrenzter Menge vor, ist deshalb ein knappes Gut und hat einen verhältnismäßig hohen Preis. Auch immaterielle Dinge, wie etwa eine Weltreise oder ein exklusives Treffen mit einer besonders prominenten Persönlichkeit können für einen Menschen sehr wertvoll sein.

Wie steht es aber um den Wert eines Menschen selbst? Jeder Mensch hat seine ganz besonderen Fähigkeiten und Kompetenzen und ist schon deshalb etwas Besonderes. Aber machen Fähigkeiten und Kompetenzen den Wert eines Menschen aus? Und wie wäre dieser Wert dann zu messen? Am dank der Fähigkeiten und Kompetenzen erzielten Einkommen, an der Auflage von Büchern o.ä., an der Anzahl aufgestellter Rekorde …?

Schnell wird deutlich, dass äußere Maßstäbe nicht taugen. Sie wären zu sehr an Funktionen orientiert, würden versuchen, den Wert nach einem wie auch immer definierten ökonomischen Nutzwert zu bestimmen. Dieser Wert wäre darüber hinaus sehr wahrscheinlich zeitgebunden. Schließlich gibt es für vieles ein Zeitfenster, etwa für sportliche Höchstleistungen oder für die Tätigkeit in einem Unternehmen an verantwortlicher Stelle.

Wer weist dann dauerhaft einen Wert zu, den ich schätzen kann? Wer gibt mir dauerhafte Wertschätzung?

Ich selbst kann mir Wert zuweisen. Dies bedeutet: meinen Wert bestimme ausschließlich ich selbst. Ich lasse es nicht zu, dass andere über mich urteilen und meinen Wert bestimmen, ihn möglicherweise schmälern. Dies gilt auch in Zeiten des Scheiterns oder der Niederlage, wenn ich etwa meine Arbeitsstelle verliere. Und es gilt auch dann, wenn mein Körper durch Krankheit oder Unfall geschädigt wird. Und es gilt auch, wenn meine geistigen Fähigkeiten beeinträchtigt sind.

Zugewandt und freundlich - Foto: Pixabay
Zugewandt und freundlich – Foto: Pixabay

Ich bin wertvoll, auch schon alleine deshalb, weil ich anderen etwas geben kann! Dabei bin ich noch nicht einmal auf  meine individuellen Fähigkeiten und Kompetenzen angewiesen. Es reicht schon, wenn ich anderen Menschen zugewandt und freundlich begegne. Vielleicht kann ich einem anderen Menschen ein freundliches Lächeln schenken, und vielleicht ist gerade dieses freundliche Lächeln die einzige Aufmerksamkeit, die dieser Mensch an diesem Tag erfährt. So wäre ich schon alleine dadurch für einen anderen Menschen wertvoll.

Wenn ich etwas geben kann, werde ich auch wahrgenommen! Was ich gebe hinterlässt Spuren. Und wenn ich etwas gebe, hinterlasse ich Spuren. Ich habe es selbst in der Hand, welche Spuren ich hinterlasse.

Mein Wert ist dann nicht mehr an meine Fähigkeiten und Kompetenzen gebunden. Darauf gründende Leistungen und Erfolge sind für meine Selbstwertschätzung nicht entscheidend. Ich würde mich selbst dann wertschätzen, wenn ich keine einzige Fähigkeit, keine einzige Kompetenz hätte.

Ich habe Stärken und Schwächen. Sicherlich habe ich keine Probleme damit, meine Stärken anzunehmen. Ich bin froh und dankbar, dass ich sie habe. Aber auch meine Schwächen nehme ich an. Ich kann an ihnen arbeiten. Sie halten mich keineswegs davon ab, mich selbst wertzuschätzen.

Wenn ich mich selbst wertschätze, liebe ich mich selbst. Dagegen ist nichts einzuwenden! Mit Narzissmus hat dies nichts zu tun, denn ich erhebe mich ja nicht über meine Mitmenschen. Schließlich vergleiche ich mich nicht mit anderen Menschen und sehe mich selbst nicht als wichtiger oder wertvoller an.

Christen haben es im Hinblick auf Wertschätzung übrigens leichter. Sie müssen sich ihren Wert nicht selbst zuweisen. Der Bibel entsprechend ist es Gott selbst, der jedem Menschen individuelle Würde, Wertigkeit und Bedeutung zuspricht. Diese Würde, Wertigkeit und Bedeutung sind unabhängig von Können, Leistung oder sozialem Status.

Kraftgedanken: Wertschätzung

Gebe ich mir (schon) selbst Wertschätzung? Ich kann für mich einen „Kraftgedanken: Wertschätzung“ entwickeln, der mich begleitet. Er kann vielleicht so lauten:

„Ich bin wertvoll. Und ich bin dafür dankbar, dass ich mich selbst wertschätzen darf. Ich nehme mich bedingungslos mit meinen Begabungen und Fähigkeiten, mit meinen Stärken und Schwächen an. Ich lasse es nicht zu, dass jemand anderes meinen Wert in Zweifel zieht oder schmälert.“

Eine gesunde Selbstwertschätzung ist ein wichtiger Schutzmechanismus der Seele. Sie wirkt gewissermaßen als „Airbag der Psyche“.

Empfinde ich, dass meine Wertschätzung für mich selbst gestärkt werden sollte? Dann lohnt es sich ungemein, sich auf den Weg zur gesunden Selbstwertschätzung zu machen!

Und wenn es nicht „funktioniert“?

Aber es mag sein, dass ich mir diesen „Kraftgedanken: Wertschätzung“ nicht zu eigen machen kann. Und so mag es mir auch mit anderen Affirmationen gehen, die mir in meinem Leben Rückhalt geben sollen. Irgendwie ist da eine Blockade. Auf der einen Seite bejahe ich mit dem Verstand, dass ich mich selbst wertschätzen darf. Auf der anderen Seite fehlt dafür gefühlsmäßig die innere feste Überzeugung. Der Verstand sagt das eine, das Gefühl etwas anderes. Was dann?

Es lohnt sich überaus, dieser Blockade auf die Spur zu kommen. Ein Gefühl der Wertlosigkeit hat Auswirkungen und belastet nicht nur die Seele, sondern auch den Körper. Die Wechselbeziehungen von Körper und Seele sind schon lange bekannt. So überrascht beispielsweise eine Erkenntnis der Psychoneuroimmunologie nicht, dass Gefühle im menschlichen Immunsystem eine Schlüsselrolle spielen.

Wie könnte ich vorgehen, um meine Blockade aufzuspüren?

Selbstreflexion

In einem ersten Schritt könnte ich mir Zeit nehmen, mich an einen ungestörten Ort zurückziehen oder mich in der Natur bewegen. Wenn ich ganz für mich bin, ganz ungestört bin, versuche ich, herauszufinden, wodurch die Blockade verursacht wird. Einige Fragen können mich dabei leiten:

  • Wo könnte sie ihren Ursprung haben?
  • Wann habe ich zum ersten Mal das Gefühl gehabt, mich nicht wertschätzen zu dürfen?
  • Gibt es ein Ereignis, an dem ich dieses Gefühl festmachen kann?

Vielleicht stoße ich auf einen Glaubenssatz, der mich unbewusst noch immer steuert. Und vielleicht sind es sogar mehrere Glaubenssätze, die mich unbewusst prägen. Glaubenssätze werden typischerweise in der frühen Kindheit von nahen Bezugspersonen ohne eigenes Nachdenken übernommen. Ein solcher Glaubenssatz könnte beispielsweise lauten: „Ich werde nur geliebt und wertgeschätzt, wenn ich tue, was man mir sagt“.

Wenn ich nicht tue, was man mir sagt, werde ich folglich also nicht geliebt und auch nicht wertgeschätzt. So könnte verkürzt daraus entstehen: „Ich verdiene es nicht, wertgeschätzt zu werden“ und verfestigt sich als Gefühl. Möglicherweise ist so die Blockade entstanden.

Bin ich auf einen oder mehrere Glaubenssätze gestoßen, die mich daran hindern, zu mir selbst mit tiefster Überzeugung zu sagen „Ich bin wertvoll“? Falls ja, ist dies Anlass, hinderlichen Glaubenssätze auf die Spur zu kommen und Glaubenssätze auszumisten.

Möglicherweise erkenne ich, dass ich meine Wertschätzung von anderen Menschen abhängig mache. Mir ist wichtig, was andere über mich denken. Indirekt bedeutet dies: ich bin nur dann wertvoll, wenn dies andere Menschen bestätigen. Wenn die Bestätigung ausbleibt, bekomme ich keine Wertschätzung und gebe mir in der Konsequenz selbst keine Wertschätzung.

Es mag durchaus sein, dass ich meiner Blockade nicht auf die Spur komme. Ich kann sie einfach selbst nicht erkennen. Oder ich habe eine Ahnung, will aber nicht weiter nachspüren, weil für mich damit ein Schmerz verbunden ist. Dann ist es besser, den Weg nicht alleine weiter zu gehen.

Gespräch mit einer Vertrauensperson

Im Gespräch - Foto: Priscilla Du Preez, Unsplash
Im Gespräch – Foto: Priscilla Du Preez, Unsplash

Ein nächster Schritt kann darin bestehen, sich an eine Vertrauensperson zu wenden. Wie die Bezeichnung schon andeutet, muss es sich um eine Person handeln, zu der ich uneingeschränktes Vertrauen habe, und bei der ich sicher sein kann, dass alles Besprochene vollkommen vertraulich behandelt wird. Schließlich mache ich mich verletzlich und gebe vielleicht sehr intime Dinge preis. Eine enge Freundin oder ein enger Freund, die bzw. der mich schon länger kennt, könnte beispielsweise eine derartige Vertrauensperson sein.

Die Vertrauensperson kann vielleicht gute Hinweise geben, die mir weiterhelfen. Es ist keineswegs notwendig, dass die Vertrauensperson psychologisch geschult ist. Empathie genügt.

Wenn mich die Vertrauensperson schon länger kennt, kann sie mir spiegeln, wie sie mich wahrnimmt. Dies verlangt Offenheit auf beiden Seiten. Kann die Vertrauensperson sicher sein, dass ihre Offenheit die Beziehung nicht zerstört? Kann ich umgekehrt sicher sein, dass meine Offenheit ausgehalten wird?

Im Gespräch mit der Vertrauensperson können sich durch ihre Wahrnehmung meiner Person direkte Hinweise auf meine Blockade ergeben. Ich kann einen Bezug herstellen zwischen dem, was die Vertrauensperson empfindet, und dem, was ich selbst empfinde. Vielleicht werde ich auf etwas gestoßen, das ich bisher selbst noch nicht erkannt habe oder vielleicht selbst nicht erkennen wollte.

Möglicherweise kann ich zusammen mit der Vertrauensperson einen neuen Kraftgedanken für mich entwickeln, der genau für mich passt. Bei späteren Begegnungen kann mich meine Vertrauensperson immer wieder daran erinnern.

Gefährdet das Gespräch mit der Vertrauensperson die Beziehung auf Augenhöhe? Wird die Vertrauensperson dadurch zum Therapeuten? Nein, sicherlich nicht. Es ist schließlich ein Kernmerkmal von Freundschaft, dass auch über „Eingemachtes“ gesprochen werden kann. Und es mag sein, dass auch die Vertrauensperson einmal Unterstützung wünscht.

Gespräch mit einer Person von außen

Wenn ein Gespräch mit einer Vertrauensperson nicht möglich ist, bietet es sich an, eine externe Person einzubeziehen. Wenn die Blockade nicht mit einer mittelschweren oder gar schweren Depression in Zusammenhang steht, kann ein externer Begleiter unterstützen. Zwischen Begleiter und Klient besteht eine asymmetrische Beziehung. Der Begleiter gibt von sich selbst nichts preis. Schließlich geht es um den Klienten. Der Begleiter versucht, den Klienten behutsam zur Lösung seiner Blockade zu führen.

Bei einer mittelschweren oder schweren Depression sollte in jedem Fall professionelle Unterstützung (z. B. Psychologe, Psychotherapeut) in Anspruch genommen werden. Menschen, die unter einer Depression leiden, haben fast immer Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle. Sie nehmen gewissermaßen alles nur noch unter einem Schleier wahr. Dieser Schleier aus Pessimismus, Trauer, Hoffnungslosigkeit und ähnlichem, die häufig vollkommen pessimistisch verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit, lassen sich nicht durch einfaches „Umlegen eines Schalters“ auflösen.

Es lohnt sich

Es lohnt sich, sich auf den Weg zur gesunden Selbstwertschätzung zu machen – mit „Kraftgedanken: Wertschätzung“! Die Lebensqualität verändert sich spürbar positiv. Und es lohnt sich, nicht gleich aufzugeben, wenn noch eine Blockade verhindert, dass Sie zu sich selbst mit voller Überzeugung sagen können: „Ich bin wertvoll!“.

Wie Sie Ihr Selbstwertgefühl stärken können, erfahren Sie im vertiefenden Beitrag „Das Selbstwertgefühl stärken – eine kleine Anleitung“. Dort können Sie auch das eBook kostenlos herunterladen.

Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.