Lebensaufgabe und epigenetische Wirkungen

Lebensaufgabe und epigenetische Wirkungen – gibt es einen Zusammenhang?

Kann es sein, dass die Lebensgeschichte meiner Vorfahren mit darüber bestimmt, ob ich gesund und glücklich durch das Leben gehe? Falls dies zuträfe, hätte auch ich Einfluss auf die Lebensgeschichte meiner Kinder. Ist dies eine abenteuerliche Vorstellung?

Mitnichten, es ist keine abenteuerliche Vorstellung! Wissenschaftler konnten aufzeigen, dass Erlebnisse im Erbgut weitergegeben werden. Beispielsweise wurde festgestellt, dass Überlebende der verheerenden Bombenangriffe auf deutsche Städte während des Zweiten Weltkriegs ihre seelischen Verletzungen an ihre Kinder weitergaben, selbst wenn diese erst nach dem Krieg geboren wurden. Spuren seelischer Verletzungen lassen sich sogar noch im Erbgut ihrer Enkel finden. Wie genau diese Übertragung geschieht, ist eine spannende Frage, der sich die Forschung widmet.

Wenn sich psychische Belastungen auf mehrere Folgegenerationen auswirken können, bedeutet dies wahrscheinlich im Umkehrschluss: positive Erlebnisse müssten ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Ein sinnerfülltes und zufriedenes Leben müsste eine Wirkung haben, in erster Linie natürlich für mich selbst, aber auch für meine Nachkommen.

Diese so interessanten wie komplexen Zusammenhänge sind Forschungsgegenstand der Epigenetik, das als Forschungsgebiet seit den 1990er Jahren an Bedeutung gewinnt. Der Begriff ‚Epigenetik‘ ist zusammengesetzt aus den Wörtern ‚Genetik‘ und ‚Epigenese‘, also der Entwicklung eines Lebewesens. Die Epigenetik ist ein Fachgebiet, ein aufstrebender Forschungszweig der Biologie. Sie befasst sich mit der Frage, welche Faktoren die Aktivität eines Gens und damit die Entwicklung der Zelle zeitweilig festlegen und ob bestimmte Festlegungen an die Folgegeneration vererbt werden.

Epigenetische Veränderungen spielen in Pflanzen, im Tier und im Menschen eine sehr wichtige Rolle für die Steuerung von Veränderungsprozessen. Epigenetik gilt als das Bindeglied zwischen Umwelteinflüssen und Genen. Sie bietet konzeptionell neue Ansätze für das Verständnis genetischer Steuerung von Entwicklungs- und Erkrankungsprozessen.

Die menschliche Ernährung, Umwelteinflüsse sowie psychische und physische Reaktionen (z.B. Stress) können sich über epigenetische Veränderungen oder andere Mechanismen auf die Körperzusammensetzung und die Neigung zu Gesundheit oder Erkrankung auswirken. So kommt beispielsweise ein Forschungsbericht des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie zu dem Ergebnis, dass frühkindlicher Stress tiefe Spuren auf unseren Genen hinterlässt und zeitlebens das Risiko für Depressionen programmiert[1].

Die mittlerweile gewonnenen Erkenntnisse können konsequent zur Steigerung der Lebensqualität eingesetzt werden. So wird etwa Sport als Therapie bei Krebserkrankungen eingesetzt. Körperliches Training bewirkt nachweislich Veränderungen auf genetischer Ebene. Die körperliche Aktivität und die Veränderung des Lebensstils geben Patienten die Möglichkeit, selbst gegen die Krankheit und die therapiebedingten Nebenwirkungen aktiv zu werden und die eigene Lebensqualität zu verbessern. Körperliches Training gewinnt den Charakter eines Medikaments.

Wenn schon epigenetische Wirkungen bei der Therapie von Krankheiten bewusst mit in Betracht gezogen werden, liegt die Vermutung sehr nahe, dass ich mein Leben ganz allgemein „programmieren“ kann. „Programmieren“ bedeutet dann, dass ich alles dafür unternehme, mein Leben positiv zu gestalten, meine Lebensqualität zu steigern. Lebensqualität geht mit Lebensfreude, mit Gefühlen des Erfülltseins, des Wohlbefindens, der Zufriedenheit, einher.

Wenn ich meine Lebensaufgabe entdecke und sie lebe, steigere ich über die Zufriedenheit, die ich dann empfinde, meine Lebensqualität. Lebensfreude stellt sich ein. Und so erhöhe ich die Wahrscheinlichkeit, dass ich über epigenetische Wirkungen meinen Nachkommen keine „Hypothek“, sondern ein gehöriges „Startkapital“ mitgebe.

[1] Gene lernen aus Stress, Dr. Dietmar Spengler, Forschungsbericht 2010 – Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München

Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.

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