Löst sich die Seele im Augenblick des Todes vom Körper?

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Die großen Weltreligionen gehen davon aus, dass es eine Weiterexistenz nach dem Tod gibt. Gleichwohl unterscheiden sich die Vorstellungen hinsichtlich der Weiterexistenz des Selbst fundamental. Da der Körper unbestreitbar in der bisherigen Form nicht weiterexistieren kann – nach dem Tod ist er der Verwesung ausgesetzt – bleibt die Seele, das Selbst, als mögliches unsterbliches Objekt.

Inhalte:

Dieser Beitrag basiert auf der Prämisse, dass der Seele, dem individuellen Selbst, eine Substanzialität zugesprochen wird. In weiterer Konsequenz ist die Seele nicht an den Lebenszyklus des Körpers gebunden, sondern kann unabhängig von ihm existieren. Wird diese Prämisse abgelehnt, sind die Aussagen dieses Beitrags irrelevant.

Wenn die Seele über den Tod hinaus weiterexistieren können soll, muss sie sich vom Körper lösen können. Damit dies möglich ist, muss sie eigenständig sein und über Intelligenz verfügen. Schließlich muss sie den richtigen Zeitpunkt für die Loslösung vom Körper erkennen können. Würde sie sich zu früh lösen, wäre der Körper noch vor dem Tod unbeseelt.

Was geschieht mit mir wenn ich sterbe - Gestaltung: privat

Dieser Beitrag ist Teil der Serie „Was geschieht mit mir wenn ich sterbe?
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Loslösung der Seele vom Körper

Darüber, wie und wann sich die Seele „technisch“ gesehen vom Körper lösen könnte, lassen sich Gedankenspiele anstellen. Eine erste theoretische Möglichkeit besteht darin, dass sich die Seele, das Selbst, im Augenblick des Todes eigeninitiativ vom physischen Körper löst und sich gewissermaßen selbst evakuiert. Eine zweite theoretische Möglichkeit gründet auf der Hypothese, dass ein Spiegelbild der Seele bereits in einem extrauniversalen Existenzraum, in einem Jenseits, existiert und mit der Seele im Diesseits „verschränkt“ ist.

Intiierte Evakuierung

Das Konzept der Evakuierung der Seele entpricht im Wesentlichen der Lehre der großen Weltreligionen. Die Seele, das Selbst, verlässt den mit dem Tod der Verwesung preisgegebenen Körper.

Einige der Menschen mit einer Nahtoderfahrung berichteten von einem Rückkehrerlebnis der Seele in den Körper, nachdem sie sich für einige Zeit außerhalb ihres Körpers erlebt hatten. Während dieses Zeitraums konnten sie sehen und hören, wobei sich die Augen des Körpers und die der Seele – und sinngemäß auch die Ohren – an unterschiedlichen Orten befanden. Somit konnten sie später zutreffend davon berichten, wie das medizinische Fachpersonal während der Wiederbelebungsmaßnahmen gehandelt hatte und was besprochen wurde. Die Seele darf sich also nicht zu früh vom Körper lösen.

Die Vermutung liegt nahe, dass die Seele den Zeitpunkt kennt, wann der Tod endgültig eintritt und sie sich vom Körper lösen muss. Ihr Wirt, das Gehirn, wird absterben. Dies erzwingt, bildlich gesprochen, die Evakuierung. Würde sich die Seele weiterhin im intrauniversalen Existenzraum, im Diesseits, aufhalten, wäre der Mensch körperlos.

Angenommen, die Seele löst sich aus eigener Initiative vom Körper. Das Konzept der Wiedergeburt (Reinkarnation), wie von Hinduismus und Buddhismus propagiert, ist ohne eigeninitiierte Loslösung der Seele, des Selbst, nicht vorstellbar. Die Seele muss nicht nur den geeigneten Zitpunkt für die Loslösung kennen, sondern sie muss auch wissen, wohin sie sich bewegen soll. Bildlich ausgedrückt: ein Ziel muss in die Seele bereits „einprogrammiert“ sein. Ansonsten würde sie sich mehr oder weniger orientierungslos in einem Existenzraum bewegen.

Alternativ wäre denkbar, dass die Seele die Evakuierungsanweisung von einer bestimmten Instanz (z. B. Gott) erhält. Dieses Konzept der „Abberufung“ findet sich auch in monotheistischen Religionen wieder. Das Christentum vertritt die Überzeugung, dass Gott einen Menschen abberuft. In manchen Traueranzeigen wird dies beispielsweise so ausgedrückt: „Gott der Herr hat … aus diesem Leben in seine Ewigkeit abberufen“. Im Islam, in dem der Tod als Abberufung bezeichnet wird, ist es der „Engel des Todes“ (Izra‘il), der im Auftrag Allahs diese Abberufung, die Trennung von Körper und Seele, zu vollziehen hat.

Die Seele würde, technisch betrachtet, auf einer bekannten Frequenz eine Abberufungsanweisung empfangen. Die Instanz sendet eine Anweisung an die Seele über eine definierte Schnittstelle und ein definiertes Protokoll. Die Schnittstelle repräsentiert Syntax (definiert, wie in einer Sprache Buchstaben und Zeichen zu Worten sowie Wörter zu Wortgruppen (Phrasen) und schließlich zu einem ganzen Satz zusammengesetzt werden). Das Protokoll repräsentiert Semantik (Bedeutung eines bestimmten Wortes, Satzes oder Textes).

Beispielsweise folgt der Satz „Bitte bringe mir ein Glas Wasser“ den bekannten Regeln der Satzlehre. Sender und Empfänger müssen ein gemeinsames Verständnis von Syntax und auch Semantik haben. Beide müssen beispielsweise unter „Wasser“ dasselbe verstehen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, wird die Bitte vom Empfänger problemlos verstanden.

Selbst „Wasser bitte Glas ein mir bringe“ kann noch verstanden werden, da das menschliche Gehirn in der Lage ist, auch mit gravierenden Fehlern im Satzbau umzugehen, solange die Semantik der Wörter bekannt ist. Das Gehirn kann den Satz in die syntaktisch korrekte Form transformieren, zumindest bei einfachen Sätzen. Gleichwohl wird das Gehirn zur Interpretation der Bitte etwas mehr Zeit benötigen.

Wenn die Seele in der Lage sein soll, eine Anweisung zu empfangen und sie auch zu verstehen, müssen Schnittstelle und Protokoll in der Seele bereits „implementiert“ sein. Wie diese Implementierung beschaffen sein könnte, ist nicht bekannt. Auf der körperlichen Ebene, im menschlichen Genom, lassen sich Schnittstelle und Protokoll bisher jedenfalls nicht nachweisen. Dies ist jedoch bei einer Funktion der Seele auch nicht erforderlich.

Ein Kind erlernt die verbale Kommunikation mittels Sprache in einem Zeitraum von mehreren Jahren. Wie diverse Untersuchungen zeigen konnten, beginnt es damit sogar schon im Mutterleib. Wenn es auf der Welt ist, weitet es seine sprachlichen Kompetenzen immer weiter aus. Auch wenn aus einem Kind längst ein Erwachsener geworden ist, ist der Erweiterung der sprachlichen Kompetenzen keine Grenze gesetzt. Eine an die Seele gerichtete Abberufungsanweisung kann jedoch nicht erlernt werden, da niemand Syntax und Semantik kennt. Was nicht bekannt ist, kann auch nicht an die nächste Generation weitergegeben werden.

In der Konsequenz muss der Seele die Abberufungsanweisung zumindest schon im Mutterleib bekannt, aber nicht unbedingt bewusst sein. Im späteren Leben ist die Abberufungsanweisung keinem Menschen bewusst. Wäre sie bewusst, könnte man sich theoretisch selbst abberufen.

Als weitere Anforderung muss die Seele stets empfangsbereit sein. Sie muss kontinuierlich „hören“. Schließlich ist unbekannt, wann die Anweisung erfolgt. Sie könnte jederzeit gesendet werden.

Lösung der „Verschränkung“

Wenn ein Spiegelbild der Seele bereits in einem extrauniversalen Existenzraum existiert, stellt sich die Frage, wie die Verschränkung gelöst wird. Die Intitiative dazu kann theoretisch entweder von der Seele im Diesseits oder von der Seele im Jenseits ausgehen.

Wird die Verschränkung gelöst, existiert die Seele fortan nur noch im Jenseits. Hinsichtlich der Art und Weise, wie die Anforderung zum Lösen der Verschränkung kommuniziert wird, gilt sinngemäß das bereits oben Ausgeführte. Einer der beiden Verschränkungspartner muss initiativ werden, entweder eigenmotiviert oder auf Veranlassung einer Instanz. Schnittstelle und Protokoll unterscheiden sich, nicht jedoch das allgemeine Prinzip.

Wahrnehmungen der Loslösung

Eine Loslösung der Seele vom Körper kann sowohl vom Sterbenden selbst als auch von Anwesenden wahrgenommen werden. Ein Sterbender kann seine Wahrnehmungen jedoch nur bis zur „Grenze“, bis zum Eintritt des Todes mehr oder weniger gut und verständlich mitteilen. Anwesende können hingegen das „Vorher“, das „Jetzt“, und auch das „Nachher“ wahrnehmen.

Wahrnehmungen des Sterbenden selbst

Bei Bewusstsein kann sich der Sterbende noch verständlich machen und verbal, nonverbal und paraverbal kommunizieren. Er kann jedoch die Loslösung der Seele nur als unmittelbar bevorstehendes Ereignis kommunizieren, da im Augenblick der Loslösung der Seele keine Verständigung mehr möglich ist. Rein technisch betrachtet, kann der Sterbende keine Botschaften mehr senden. Anderenfalls könnte ein seelenloser Körper kommunizieren.

Der Sterbende selbst nimmt vermutlich die Loslösung der Seele durchaus wahr, wobei jedoch implizit vorausgesetzt wird, dass der Seele eine eigenständige Substanzialität zugesprochen wird. Während keine Hirnströme messbar sind, kann die Seele durchaus ihre Umwelt wahrnehmen (sehen, hören, riechen), wie viele Nahtoderfahrungen nahelegen.

In ihrem Buch „7 Botschaften des Himmels“ beschreibt die US-amerikanische orthopädische Chirurgin Mary C. Neal die Loslösung der Seele vom Körper während ihrer Nahtoderfahrung so: „Jener Plopp, den ich spürte, als mein geistiges Selbst schließlich den Körper abschüttelte, war wie das Geräusch des Wassers, in das ein Stein gefallen ist.“ (S. 44). Aus dieser individuellen Erfahrung lassen sich keine allgemeingültigen Schlüsse ziehen; dennoch geben sie einen Hinweis.

Es kann nur vermutet werden, was ein Sterbender an der Grenze des diesseitigen Lebens wahrnimmt. Wenn das Selbst nicht stirbt, mag er den Übergang in eine andere Existenzform, bildlich gesprochen, wie das Ablegen von Kleidung empfinden. Der Körper als Hülle wird abgelegt. Dieses Ablegen der Hülle mag als befreiend empfunden werden, insbesondere dann, wenn zu Lebzeiten alters- oder krankheitsbedingte Einschränkungen belasteten. Würde jedoch auch das Selbst sterben, wären keine Wahrnehmungen mehr möglich.

Wahrnehmungen von Anwesenden

Wie erleben anwesende Menschen einen Sterbenden im Augenblick des Todes? Ist in irgendeiner Weise wahrnehmbar, dass die Seele, das Selbst, den Körper verlässt?

Wenn ein Mensch stirbt, befinden sich der Sterbende und der bzw. die Anwesenden in einer Grenzsituation. Die meisten Menschen erleben während ihres gesamten Lebens nie das Sterben eines Menschen mit. Es verwundert nicht, dass Unsicherheit herrscht, wenn rational nicht erklärbare Sterbebettphänomene wahrnehmbar sind. Und es verwundert ebenso wenig, wenn eine naheliegende Erklärung gesucht wird. So läge es beispielsweise nahe, beim Sterbenden ein Delir (eine Bewusstseinsstörung, die unter anderem durch zeitliche und räumliche Desorientiertheit, Verwirrtheit und Halluzinationen gekennzeichnet ist) zu vermuten, wenn er zu verstehen gibt, dass er bekannte Personen (z. B. den bereits verstorbenen Vater, ein bereits verstorbenes Kind) sieht, welche die anwesenden Personen nicht sehen können.

Unter diesem Vorzeichen gibt es nur relativ wenige publizierte Berichte zu Wahrnehmungen während des Sterbens eines Menschen. Es ist verständlich, wenn Wahrnehmungen relativ selten öffentlich mitgeteilt werden, in der nachvollziehbaren Sorge, möglicherweise als esoterisch oder anderweitig „sonderbar“ abgestempelt zu werden.

Sterbeammen bzw. Sterbegefährten, die sich als eine Art Geburtshelfer ins Jenseits verstehen, begleiten im Lauf der Zeit mehrere Sterbende. Sie können wohl am ehesten etwas darüber aussagen, was Sterbende in der Zeit vor und während des Sterbens wahrnehmen. Und sie können auch darüber berichten, was sie selbst während dieser Zeit wahrnehmen. So spürt beispielsweise Karin Simon, die als Sterbeamme nach eigenen Angaben schon viele Menschen beim Sterben begleitete, einen Ruck, wenn die Seele den Körper verlässt. Ihrer Wahrnehmung nach sehen Sterbende etwas scheinbar Wunderschönes, schauen nach oben.

Vereinzelt berichten auch Angehörige und Freunde von Phänomenen, die beim Eintreten des Todes wahrgenommen werden. Wenn beispielsweise die Hand eines Sterbenden gehalten wird, wird gespürt, dass die Seele den Körper verlässt. Manchmal besteht auch der Eindruck, dass dem bereits Verstorbenen dabei geholfen werden sollte, dass die Seele den Körper verlassen kann.

Zuweilen wird auch das Durchtrennen eines Verbindungsbandes, oft als „Silberschnur“ bezeichnet, wahrgenommen. Die „Silberschnur“ verbindet Körper und Seele. Nach dem Durchtrennen löst sich die Seele vom Körper.

Sogar Wahrnehmungen eines Astral- bzw. Fluidalleibs werden berichtet. Ein Fluidalleib ist als feinstofflicher Körper des Selbst zu verstehen. Er wird als vollständiges Abbild des physischen Körpers verstanden. Allerdings scheint er geschlechtslos und unbekleidet zu sein.

Sie begleiten etwas, das gerade entsteht. Ich trage Informationen zusammen und ordne sie in einen Kontext ein. Was ich zusammentrage, wächst immer mehr an. Dann kann es nicht ausbleiben, dass immer wieder neue Erkenntnisse bereits Geschriebenes infrage stellen. Und dann steht eine Überarbeitung an.

Bei einem herkömmlichen Buchprojekt arbeitet der Autor bzw. die Autorin lange Zeit gewissermaßen im Verborgenen. In Zusammenarbeit mit einem Verlag wird das Werk vorangetrieben und solange immer wieder verbessert, bis es einen verkaufsfähigen Stand erreicht hat. Nicht selten vergeht zwischen dem Schreiben der ersten Textzeile und dem Verkaufsstart weit mehr als ein Jahr.

Naturgemäß sind im herkömmlichen Buchprojektablauf nach der Ablieferung des Manuskripts kaum mehr umfangreiche Änderungen möglich. Neue Aspekte können nur dann noch aufgegriffen und eingearbeitet werden, wenn der Verkaufsstart zeitlich verschoben wird. Ansonsten ist das Buch schon bei Erscheinen nicht mehr (ganz) aktuell.

Dieses Projekt geht einen völlig anderen Weg. Gerade bei einem phänomenologischen Ansatz können sich Erkenntnisgewinne ergeben, die auf das gesamte Projekt ausstrahlen. Dann wird es notwendig, Vorhandenes zu überprüfen und es zu überarbeiten. Ständig ist an mehreren Stellen etwas zu tun. Mit anderen Worten: Willkommen in der „Projektwerkstatt“.

Auch dieser Beitrag ist in den Prüf- und Überarbeitungsprozess eingebunden. Deshalb kann sich der Inhalt dieses Beitrags mehr oder weniger häufig ändern.

Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.