Was sind Sterbevisionen? Erlauben sie einen Blick ins Jenseits?

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Was sind Sterbevisionen und wie werden sie erlebt? Erlauben sie einen Blick hinter den Vorhang des Diesseits, in das Jenseits?

Was geschieht mit mir wenn ich sterbe - Gestaltung: privat

Dieser Beitrag ist Teil der Serie „Was geschieht mit mir wenn ich sterbe?
Grobes Inhaltsverzeichnis

Sterbevisionen, oft auch als Sterbebettvisionen bezeichnet, sind Erfahrungen von Sterbenden, die relativ kurz (Minuten, Stunden oder auch wenige Tage) vor dem endgültigen Überschreiten der Schwelle des biologischen Todes geschehen. Etwa 90 % der Menschen, die eine Sterbebettvision erleben, sterben innerhalb einer Stunde. Insofern besteht ein fundamentaler Unterschied zu den schon erwähnten Nahtoderfahrungen, nach deren Erleben Menschen wieder, bildlich ausgedrückt, ins Leben zurückkehren.

Wenn Sterbevisionen berichtet werden, bedeutet dies, dass sie in Gegenwart von einem oder mehreren Zeugen (Angehörige, Seelsorger, Klinikpersonal usw.) geschehen. Sterbevisionen von Menschen, die alleine sterben, müssen naturgemäß unbeobachtet bleiben, es sei denn eine Kamera würde die Zeugenfunktion übernehmen.

Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits verschwimmen

Manche Sterbende nehmen während des Sterbevorgangs ein oder mehrere Wesen wahr, die den Sinnen Anwesender verborgen bleiben. Diese Begegnungen mit jenen Wesen werden nicht traumhaft, sondern real erlebt. Das wahrgenommene Wesen oder gar „Begrüßungskomitee“ im bzw. aus dem Jenseits hat offenkundig Kenntnis vom bevorstehenden Tod dieses Menschen und kommt gewissermaßen an die Grenze zwischen den Existenzräumen, zwischen Diesseits und Jenseits, um den Sterbenden zu empfangen.

Auffällig ist, dass zu den wahrgenommenen Wesen zu Lebzeiten des Betroffenen stets eine emotionale Nähe bestand. Meist sind es Familienangehörige, nahe Freunde in Vergangenheit und/oder Gegenwart, sowie Bekannte, zu denen eine enge und positive Beziehung unterhalten wurde bzw. wird. Zuweilen werden aber auch Geistwesen gesehen.

Anwesende berichten auch davon, dass der Sterbende in manchen Momenten seinen Blick auf ein bestimmtes Ziel richtet. Dies mag beispielsweise eine obere Zimmerecke sein. Ebenfalls wird davon berichtet, dass der Sterbende eine unsichtbare Person im Raum sieht und ihren Bewegungen mit seinen Augen folgt. 

Die Wahrnehmungsfähigkeit für übersinnliche Phänomene scheint beim Sterbenden deutlich verstärkt zu sein. Bereits früher verstorbene Menschen, insbesondere Angehörige und Freunde, werden vom Sterbenden wiedererkannt und in manchen Fällen verbal begrüßt. Wenn es sich um ein freudiges Wiedersehen handelt, wird dies auch mit Mimik, Gestik und Namensnennung ausgedrückt.

Sterbende scheinen während einer Sterbevision zumindest teilweise bereits in einer anderen Welt, im Jenseits, zu leben. Entsprechend äußern sie sich, sofern ihnen dies möglich ist. Es ist nachvollziehbar, dass Anwesende in der Beobachterrolle verunsichert sind und nach einer naheliegenden Erklärung suchen. Die Vermutung, dass beim Sterbenden ein Delir (eine Bewusstseinsstörung, die unter anderem durch zeitliche und räumliche Desorientiertheit, Verwirrtheit und Halluzinationen gekennzeichnet ist) vorliegt, liegt nahe. Diese Vermutung ist jedoch in den allermeisten Fällen mit dem medizinischen Zustand des Sterbenden nicht zu begründen. Die Sterbenden erscheinen vielmehr geistig klar zu sein oder zumindest scheint das Bewusstsein kaum getrübt zu sein.

Sterbevisionen werden völlig unabhängig von den persönlichen Einstellungen und Überzeugungen erlebt. Ein Mensch, der davon überzeugt ist, dass es eine Weiterexistenz nach dem physischen Tod nicht gibt, kann ebenso ein Sterbevision erleben wie ein Mensch, der sich selbst als tief gläubig bezeichnen würde.

Kulturelle Einflüsse

Erlundur Haraldsson und Karlis Osis führten von 1961-1964 in den USA und von 1972-1973 Erhebungen per Fragebogen unter Ärzten und Krankenschwestern durch. Die Auswertung förderte u. a. die Erkenntnis zutage, dass sich die kulturellen Unterschiede zwischen den USA und Indien auch in den Wahrnehmungen der „Begleiter“ in das Jenseits niederschlugen. In den USA wurden in den Sterbevisionen am häufigsten bereits verstorbene Verwandte und Freunde gesehen (70 %). Religiöse Figuren (Engel, Jesus Christus, Jungfrau Maria usw.) waren unterrepräsentiert (13 %). In Indien waren es hingegen hauptsächlich religiöse Figuren, wie beispielsweise Yamdoot, der vom Gott des Todes (Yama) gesandte Bote, die gesehen wurden (50 %). Dies ist für eine Gesellschaft nachvollziehbar, die an die Abholung durch den Todesboten glaubt. Verstorbene Verwandte oder Freunde spielten eine geringere Rolle (29 %).

Die Ergebnisse dieser Erhebungen stießen jedoch auch auf Kritik. Als besonderer Schwachpunkt wurde gesehen, dass die Antworten nicht direkt von den Sterbenden stammten, welche die Sterbevision hatten, sondern von Ärzten und Krankenschwestern. Insofern handelte es sich um Antworten aus zweiter Hand. Andererseits wäre es völlig unangemessen, Menschen während ihres Sterbeprozesses mit einem Fragebogen zu konfrontieren. Ergebnisse derartiger Untersuchungen müssen deshalb stets mit einer gewissen Zurückhaltung interpretiert werden.

Möglicherweise wurden die Antworten auch durch die Einstellung und die Beziehung zu Göttlichem in den USA und Indien „gefärbt“. Es bedeutet schließlich einen Unterschied, ob Göttliches eher als konkret oder als abstrakt betrachtet wird. Ansichten mögen auch dadurch beeinflusst sein, wo eine Erhebung durchgeführt wurde, ob etwa eher in einer Metropolregion oder in einem ländlich geprägten Gebiet.

Berichte und Erzählungen in der Bibel

Im Neuen Testament der Bibel wird von Stephanus, einem Diakon der Jerusalemer Urgemeinde erzählt. In seinem Amt sollte er sich um Arme, insbesondere Witwen und Waisen kümmern. Von ihm wird auch berichtet, dass er Wunder und „große Zeichen“ vollbracht habe (Apg. 6,8). Sein Wirken und offenbar das Problem damaliger Theologen, ihm in theologischen Fragen nicht gewachsen zu sein, führten zu einer Falschanklage und schließlich zu einer Gerichtsverhandlung vor dem Hohen Rat, dem Sanhedrin.

Stephanus‘ Rede vor dem Hohen Rat erzürnte dessen Mitglieder mit folgendem Höhepunkt: „Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.“ (Apg. 7,55-56). Sein Leben endete durch Steinigung. Stephanus gilt als erster Märtyrer des Christentums.

 Es stellt sich die Frage ob diese Erzählung als Sterbevision betrachtet werden kann. Schließlich deutete nichts auf den Tod des Stephanus aufgrund von körperlichen Leiden hin. Er sah Jesus Christus auch nicht als Abholer oder Wegbegleiter in das Jenseits. Doch auch wenn unklar bleibt, ob es sich um eine Sterbevision handelt, sei diese Erzählung erwähnt. Sie steht zudem gewissermaßen prototypisch für visuelle Wahrnehmungen eines Menschen, die anderen verborgen bleiben.

Berichte in der Literatur

Berichte über Sterbebettvisionen finden sich sehr zahlreich in der Literatur. Über die vergangenen Jahrhunderte hinweg wurden Sterbevisionen in ganz unterschiedlichen Ausprägungen geschildert. Einige wenige sind an dieser Stelle exemplarisch wiedergegeben, decken jedoch die Bandbreite der Sterbevisionen nicht vollständig ab.

Begegnung mit dem Vater

In seinem Buch „Das Schönste kommt noch“ gibt Fritz Rienecker das Sterbeerlebnis eines Kindes wieder (S. 96): „Ein fünfjähriges Mädchen verlor seinen Vater. Er starb jung an Zuckerkrankheit. Als das kleine Mädchen zehn Jahre alt war, brach die Zuckerkrankheit auch bei ihr aus, und es ging schnell bergab. Als ihre Mutter eines Tages an ihrem Bett saß und glaubte, ihr Kind wäre tot, richtete die Kleine sich plötzlich im Bett hoch streckte die Arme aus und rief laut mit jubelnder Freude: »Nun komme ich, mein lieber Vater!« Als sie das gesagt hatte, hauchte sie ihr Leben aus. Die Mutter zweifelte nicht daran, dass das Kind seinen Vater gesehen und wiedererkannt hatte.“.

Begegnung mit der zuvor verstorbenen Ehefrau

Eine von Prof. Dr. Jacopo Comin bezeugte Sterbevision wird in dem Buch „Botschaft von drüben?“ geschildert (S. 125).  Dort heißt es: „Am 21. Oktober 1966 verstarb meine Mutter mit 86 Jahren in einer Klinik. Am nächsten Tag, dem 22. Oktober, befand sich mein Vater in einem unmittelbar darüber gelegenen Zimmer in der Agonie – während meine Mutter noch auf dem Sterbebett aufgebahrt lag. Mein Vater hatte keine Ahnung, dass bei meiner Mutter der Tod eingetreten war. Gegen 17 Uhr am 22. kam mein Vater jedoch noch einmal für einen Augenblick zum Bewusstsein zurück, breitete plötzlich mit einer rührenden Geste beide Arme aus, auf seinem Gesicht zeigte sich ein heiteres Lächeln und unter leicht zustimmendem Kopfnicken murmelte er zweimal nacheinander die Worte »Hier bin ich, Therese! Hier bin ich, ThereseEin anwesender Pfarrer fragte den Sterbenden tief erschüttert, was er denn sähe – bekam aber keine Antwort mehr. Er sank wieder ins Koma zurück und entschlief in der folgenden Nacht.“

Dieses Ereignis mag auch als Beispiel für terminale Geistesklarheit gelten, auch wenn diese Phase der Klarheit sehr kurz gewesen zu sein schien.

Sterbevision bei terminaler Geistesklarheit

Eine weitere Schilderung, die in einem Forumsbeitrag im „Pflegenetz Forum“ in der Rubrik „Sterbebettvisionen und andere Phänomene“ zu finden ist, fokussiert nicht nur die Sterbevision an sich, sondern wiederum auch den Aspekt der terminalen Geistesklarheit bzw. Luzidität.

Der Forumsteilnehmer schrieb am 30. Okt. 2017: „Ein Fall ist mir ganz besonders im Gedächtnis geblieben, wo eine schwer demenzkranke Frau um die 90 schon seit mehreren Monaten selbst die engsten Angehörigen nicht mehr erkannt hat. Nahrungsaufnahme, waschen und alles andere funktionierte nur noch mit intensiver Betreuung. Gesprochen hat sie zum Schluss auch nicht mehr. Bis auf wenige Minuten vor ihrem Ableben. Zufällig war ich vor Ort, als sie sich etwa 10 Minuten vor ihrem Tod plötzlich aufgerichtet hat. Dann bedankte sie sich für die langjährige Pflege und verabschiedete sich in einer Klarheit, die mal gar nicht zu ihrem Krankheitsbild passte. Und das Verblüffendste passierte als sie sagte, dass ihre Eltern (sie nannte die Namen) sowie ihre jüngere Schwester sie bereits abholen kommen. Sie strahlte über das ganze Gesicht und verließ in einem unglaublichen Frieden diese Welt. Weil ich mit ihrer Schwester einige Wochen vorher noch ein Gespräch geführt habe (sie war geistig noch völlig gesund) erklärte ich mir das als Einbildung, weil sie ja noch leben musste und noch nicht in dieser ‚anderen Welt‘ sein konnte. Falsch gedacht, ihre Enkelin klärte mich kurze Zeit später auf, dass sie etwa zwei Wochen vorher ebenfalls verstorben ist. Die demenzkranke Frau selbst hatte man über diesen Vorfall allerdings nicht unterrichtet, weil sie ohnehin in ihrer Wahrnehmung offensichtlich sehr eingeschränkt war.“

Sterbevision trifft auf bisherige Überzeugung

Im Buch „Die Kunst des Sterbens“ schildern die Autoren, Peter und Elizabeth Fenwick, die Sterbevision einer Frau, die nicht von einer Weiterexistenz nach dem Tod ausging. Das Erlebnis wurde von einer Freundin geschildert (S. 47): „Ich pflegte meine Freundin, die die klare Meinung hatte, dass es ein Leben nach dem Tod nicht gibt. In ihren letzten Stunden wurde sie sehr ruhig; von Zeit zu Zeit tauchte sie aus ihrer Bewusstlosigkeit auf und sagte klar und zufrieden Sätze wie ‚Bald werde ich es wissen‘, ‚Los jetzt, macht schon, ich bin jetzt so weit‘, und ‚Es ist so wunderschön‘. Nach diesen Sätzen fiel sie sofort wieder in die Bewusstlosigkeit zurück. Ganz offenbar war sie zufrieden, glücklich und mit sich im Reinen. Für ihren Partner und mich war es eine wunderbare Erfahrung.“

Sterbevision eines erblindeten Menschen

An anderer Stelle (S. 50 f.) schildern die Autoren die Sterbevision eines Menschen, der sich seit einem Schlaganfall in einem halb bewusstlosen Zustand befand. Seine rechte Körperhälfte war gelähmt und er konnte weder sehen noch sprechen. Neben dem linken Arm und dem linken Bein konnte er lediglich den Kopf und die Augen bewegen.

Von den letzten Lebenstagen wird Folgendes berichtet: „Ungefähr vier oder fünf Tage vor seinem Tod fanden eindeutig so etwas wie letzte Bewegungen statt. Am Ende schüttelte er systematisch jedem die Hand; es gab zumindest drei [wahrgenommene Personen]. Als er der letzten Person die Hand schütteln wollte, kam er sehr nahe an mich heran. Ich saß seitlich auf dem Bett. Ich bewegte meine Hand nach oben, er ergriff sie, als wolle er sie schütteln, merkte dann, dass es nicht die richtige war, schob meine Hand ziemlich energisch weg, warf mir einen Blick zu, der besagte ‚Wie kannst du es wagen?‘, und schüttelte dann die Hand, die er hatte schütteln wollen, wem auch immer sie gehören mochte

Am [folgenden] Tag sagte er sein letztes Lebewohl; es war sehr bewegend. Irgendwie schaffte er es, meinen Kopf nach unten zu ziehen, sodass er zwischen seinem Kopf und seiner Schulter lag, und umarmte und küsste mich so wundervoll wie nie. Bei einem Mann, der körperlich so beeinträchtigt war und weder ‚sehen‘ noch sprechen konnte, machte mich das sprachlos und ich war tief gerührt.

Drei Tage später fiel er ins Koma … Beim letzten Ausatmen drehte er den Kopf zum Fenster und öffnete langsam die Augen, die von einem so stechend leuchtenden Blau waren, wie ich es noch nie gesehen hatte. Nach ein paar Sekunden wurde die Farbe wieder blasser, normal, und er schloss die Augen wieder.“

Sterbevision mit Höllenwahrnehmung

Nicht immer wird eine Sterbevision als positive Erfahrung geschildert. In seinem Buch „Jenseits der Todeslinie“ schildert der Arzt Dr. Maurice Rawlings eine Erfahrung anlässlich einer Wiederbelebung eines Patienten (S. 17): „Der Patient begann zu sich zu kommen [] Aber jedes Mal, wenn ich nach einem Instrument greifen musste, hörte er auf zu atmen und sank einmal mehr in den klinischen Tod. Jedes Mal, wenn sein Herz und seine Atmung wieder einsetzten, schrie er: »Ich bin in der Hölle!«“ Er war völlig verängstigt und flehte mich an, ihm zu helfen. Ich war zu Tode erschrocken.“

Die geschilderte Erfahrung weist eine gewisse Nähe zu einer Nahtoderfahrung auf. Der Patient war bei Bewusstsein und konnte sich artikulieren. Dennoch erscheint es als berechtigt, von einer Sterbevision auszugehen. Als untypisch fällt jedoch auf, dass kein bzw. keine „Abholer“ präsent waren.

Folgerungen

Die diversen Schilderungen legen nahe – mit Ausnahme der kurz geschilderten Höllenwahrnehmung -, dass ein Sterbender an der Schwelle des Todes nicht alleine ist. Diesseits und Jenseits überlappen sich, scheinen nahtlos ineinander über zu gehen. Beides wird gleichzeitig erlebt.

Die Literaturrecherche zeigt, dass kein Sterbender davon spricht, dass er tot sein werde. Dies erscheint auffällig. Vielmehr wird von „abholen“, „weggehen“ oder „verreisen“ gesprochen. In der Konsequenz bedeutet dies, dass der Tod nicht als endgültig gesehen wird.

Gleichzeitige Wahrnehmung zweier „Welten“

Sterbende scheinen ihre Sterbevisionen mit den „Augen der Seele“ zu erleben. Sie nehmen Personen visuell wahr, die von weiteren Anwesenden nicht gesehen werden. Erblindete Menschen sind sogar gänzlich auf „Augen der Seele“ angewiesen. Parallelen zu Menschen, die eine Nahtoderfahrung erleben, sind auffällig. Im Zustand der Bewusstlosigkeit können diese ebenfalls lediglich mit den „Augen der Seele“ sehen. Sie können sich beispielsweise von oben „sehen“ (von der Decke aus, über einem Unfallort o. ä.), sich und ggf. auch andere Personen oder Dinge erkennen und später das Gesehene wirklichkeitsgetreu wiedergeben.

Personen, die noch über ihre Sehkraft verfügen, scheinen zwischen ihren leiblichen Augen und ihren „Augen der Seele“ umschalten zu können. Sie kommunizieren mit Anwesenden, gleichzeitig aber auch verbal oder nonverbal mit Personen oder Wesen, die von Anwesenden nicht wahrgenommen werden können.

In manchen Fällen ereignen sich die Sterbevisionen mehrere Tage vor dem physischen Tod. Nach der Vision fällt der Sterbende (wieder) in Bewusstlosigkeit, aus der er bis zum Tod nicht mehr erwacht.

Zudem kann bei Menschen, die unter schwerwiegenden Beeinträchtigungen, wie beispielsweise Demenz, leiden, eine Phase der Geistesklarheit einsetzen. Diese plötzliche Geistesklarheit bzw. Luzidität ist rational umso weniger erklärbar, je länger dieser Beeinträchtigungszustand bereits andauert.

„Technische“ Betrachtung

Es erscheint alles andere als zufällig, dass sich die jeweilige Sterbevision rechtzeitig und zum geeigneten Zeitpunkt ereignete. Wie konnte dies geschehen? Um einer Antwort auf diese Frage näherzukommen ist ein Blick auf die „technische“ Ebene hilfreich. Dabei stellen sich weitere Fragen, insbesondere: „Wie wird eine Sterbevision ausgelöst?“, „Wie wird der ‚richtige‘ Zeitpunkt für das Auslösen einer Sterbevision bestimmt?“, und natürlich auch „Wer löst eine Sterbevision aus?“.

Eine Kommunikation erfordert einen Sender und einen Empfänger. Beide, Sender und Empfänger, müssen sich auf eine Syntax und ein Protokoll verständigen. Das Prinzip sei kurz und beispielhaft anhand einer Live-Verkehrsdurchsage im Radio verdeutlicht. Sprecher und Empfänger müssen eine Sprache sprechen, die beide verstehen. Nicht nur die Sätze müssen verstehbar sein (Syntax und außerdem auch Semantik), es muss auch ein Übertragungsverfahren definiert sein. Im Beispiel der Radiosendung wird die Sprache des Sprechers in digitale Signale umgewandelt, auf der Frequenz des Radiosenders an das Empfängergerät übertragen und von digitalen Signalen wieder in Sprache gewandelt (Protokoll). Das Protokoll kann auch weitere Funktionen umfassen, beispielsweise ein Erhöhen der Lautstärke beim Radioempfänger.

Die Frage, wie eine Sterbevision ausgelöst wird, führt zunächst zur Frage „Was ist der Auslöser?“ Bei einer Verkehrsmeldung wird in der Regel eine bestimmte kurze Erkennungsmelodie gesendet, manuell und bewusst ausgelöst von einem Radiomoderator. Der Auslöser einer Sterbevision bleibt hingegen unbestimmt. In keiner der bekannten Sterbevisionen findet sich ein konkreter Hinweis auf eine Person oder ein Wesen, die bzw. das eine derartige Vision auslöst.

Radiohörer lernen gewissermaßen durch Erfahrung, wie eine Verkehrsdurchsage bei einem bestimmten Sender ausgelöst wird. Wird eine bestimmte Erkennungsmelodie oder ‑signal gehört, folgt darauf eine Verkehrsdurchsage. Bereits nach wenigen Malen stellt sich beim Hörer eine Mustererkennung und ein Erinnerungseffekt ein. Doch wie verhält es sich bei einer Sterbevision? Wie wird das Signal erkannt, das eine Sterbevision auslöst? Da es sich in aller Regel um ein Signal handelt, das – wenn überhaupt – nur ein einziges Mal im Leben empfangen wird, besteht keine Möglichkeit, es durch wiederholte Erfahrung zu erkennen.

Wenn sich das Signal nicht erlernen lässt, hat dies in der Konsequenz zur Folge, dass Syntax und Protokoll im Menschen bereits vor der Geburt „implementiert“ sein müssen. An dieser Stelle zeigen sich auch Parallelen im Hinblick auf die Frage, ob sich die Seele im Augenblick des physischen Todes vom Körper löst.

Schließlich fällt auf, dass sich Sterbevisionen rechtzeitig, oft zum letztmöglichen Zeitpunkt geistiger Klarheit, ereignen. Manche Sterbevisionen werden Tage vor dem physischen Tod erlebt, wobei der Sterbende nach der Vision in eine Bewusstlosigkeit fällt und eine Vision nicht mehr mit den Sinnen erleben und auch artikulieren kann. Wer kann den spätestmöglichen Zeitpunkt erkennen, um eine Sterbevision auszulösen?

Zunächst bleiben viele Fragen unbeantwortet. Im Teil „Queranalyse“ wird der Versuch unternommen, in einer Gesamtschau Antworten zu finden.

Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.