Mit der Welle schwimmen

Der Film „The Best Exotic Marigold Hotel“ erzählt von einer Gruppe britischer Senioren, die aus den unterschiedlichsten Gründen nach Indien reisen. Sie erhoffen sich ein angenehmes, ja sogar luxuriöses Leben bei geringen Kosten. Allerdings finden die Senioren nur einen Schatten des blumig beschriebenen Zustands vor. Sie landen in einem heruntergekommenen Hotel, in dem so gut wie nichts richtig funktioniert.

Aber die Briten lassen sich mit einer Ausnahme auf das Abenteuer ein und erleben ganz neue Seiten des Lebens. Eine Seniorin bringt ihre „Weisheit“ auf den Punkt: stelle dich der Welle nicht entgegen, sondern versuche, mit ihr zu schwimmen.

Rudi machte sich Anfang November Gedanken zum bevorstehenden Weihnachtsfest. Bisher hatte sich die Familie an Weihnachten immer im elterlichen Haus versammelt. Aber schon vor dem letzten Weihnachtsfest zeichnete sich ab, dass das Fest für Rudi und seine Familie schwierig werden würde. Es wurde absehbar, dass Rudi durch unglückliche Finanzgeschäfte einen massiven finanziellen Verlust erleiden würde. So geschah es gegen Jahresende auch. Rudi und seine Frau gerieten in eine schwere Krise.

Im Lauf des folgenden Jahres durchlebte die Beziehung ein Auf und Ab. Als das folgende Weihnachtsfest näher rückte, wollte Rudi an den Weihnachtstagen niemand außer seiner Frau um sich haben. Auch seine Frau war nicht sonderlich an Gesellschaft interessiert.

Eines Tages schauten sich die beiden den Film an. Plötzlich durchzuckte es Rudi. „Stelle dich der Welle nicht entgegen, sondern versuche, mit ihr zu schwimmen“ wurde für ihn zu einer Antwort. Für ihn hätte der gewollte Rückzug in die Zweisamkeit bedeutet, sich der Welle entgegen zu stellen. Er hätte nicht wirklich etwas gewonnen, aber in jedem Fall verloren.

Mit der Welle zu schwimmen bedeutete für Rudi, die Familie wie immer einzuladen und die Gemeinschaft zu genießen. Schließlich hätte er durch seinen Rückzug nicht das Geringste wiedergutmachen können. Er hatte sich für das Leben im Jetzt und gegen das Festhalten der Vergangenheit entschieden.

Was bedeutet das „mit der Welle schwimmen“ für mich? Ich konzentriere mich ganz auf die Gegenwart, auf das, was gerade geschieht. Das, was ich ohnehin nicht mehr ändern kann, lasse ich zurück. Ich müsste die Vergangenheit umschreiben, aber das kann ich nicht. Meine Erinnerung lässt sich nicht umschreiben. Wohl verblassen die negativen Erinnerungen im Lauf der Zeit, aber sie werden nie verschwinden. Weshalb sollte ich mich also auf einen Kampf einlassen, den ich nicht gewinnen kann? In der Vergangenheit kann ich nicht mehr glücklich werden, wohl aber in der Gegenwart und der Zukunft.

Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.