Rationale Lebensentscheidungen treffen – aber wie?

Rationale Lebensentscheidungen treffen – aber wie? Immer wieder stehe ich vor Lebensentscheidungen. Dabei geht es beileibe nicht nur um so wichtige Entscheidungen wie beispielsweise die Berufswahl oder die Frage, ob ich mich beruflich verändern sollte, oder die Partnerwahl. Sehr stark geht es auch um meine Einstellung zum Leben. Es geht darum, wie ich meine Umwelt, aber auch mich selbst, meine Einstellungen und mein Handeln, sehe.

Ich nehme wahr, dass viele Lebensfragen keine eindeutige Antwort zulassen. Es mag zudem sein, dass es zwar einen gesellschaftlichen Konsens gibt, dem ich selbst aber instinktiv, aus dem Bauch heraus, nicht zustimmen will oder kann. Da ist beispielsweise die Frage, ob bei einer ungewollten Schwangerschaft ein Kind im Mutterleib getötet werden darf. Hierzu gibt es gesetzliche Vorgaben und Regelungen. Es ist, sofern diese befolgt werden, keine Straftat, ein Kind abzutreiben. Dennoch mag es sein, dass eine Frau für sich entscheidet, ein Kind nicht abzutreiben, selbst wenn der Partner entsprechenden Druck ausübt.

FrageWie gewinne ich bei schwierigen Lebensfragen mehr Klarheit? Oft stellt sich zusätzlich noch eine andere Frage: Wie kann ich meinen eigenen Standpunkt entwickeln und Ansichten, Meinungen, Behauptungen und Standpunkte anderer Menschen, die mich in meinen Entscheidungen beeinflussen (wollen), sachlich bewerten?

Carola (nicht der richtige Name) ist sich unsicher geworden, ob sie ihren Lebenspartner heiraten soll. Sie liebt ihn, aber ihr ist bewusst, dass er sie wiederholt belügt, dass er seine finanziellen Angelegenheiten nicht im Griff hat und immer wieder in finanziellen Problemen steckt, und dass er bestimmte Lebensbereiche vor ihr verschließt (das gehe sie nichts an).

Ihr ist bewusst, dass sie ihren Lebenspartner nicht ändern kann. Dies kann nur er selbst. Um klarer zu sehen, könnte Carola in einem ersten Klärungsschritt drei Hauptprobleme der Beziehung bestimmen und zu jedem Problemkreis einige Aussagen festhalten. Eine dieser Aussagen könnte beispielsweise so lauten: „Er kann seine finanziellen Probleme lösen und dauerhaft in den Griff bekommen“.

Die Vier-Werte-Logik

Wie kann Carola zu einer derartigen Aussage ihre Einschätzung formulieren? Die Vier-Werte-Logik erweist sich hier als hilfreich. Jeder Aussage ordne ich nach bestem Wissen und Gewissen genau einen Wahrheitswert aus genau einer der vier Kategorien zu. Die vier Kategorien haben die folgenden Bedeutungen:

  • „wahr“ bzw. „trifft zu“: Eine Aussage ist uneingeschränkt, d.h. zu 100 Prozent, wahr. Ein Sachverhalt lässt sich objektiv beobachten und (wissenschaftlich) begründen. Vorgänge sind mit immer demselben Ergebnis wiederholbar. Ein Beispiel: Ein in der Hand gehaltener Gegenstand fällt zu Boden, wenn ich ihn loslasse.
  • „falsch“ bzw. „trifft nicht zu“: Eine Aussage ist zu 100% falsch, wobei dieselben Kriterien wie oben gelten. Ein Beispiel: „Was ich nicht sehe, gibt es nicht“ (es gibt sehr viele Dinge, die ich nicht sehe, die es aber sehr wohl gibt, z.B. den elektrischen Strom).
  • „unsicher“ bzw. „weiß ich nicht“: Ich habe keine Sicherheit, ob eine Aussage zutrifft oder nicht. Sie lässt sich nicht (wissenschaftlich) eindeutig beweisen oder widerlegen. Ein Beispiel: „Gott gibt es nicht“.
  • „irrelevant“ oder „unzutreffend“: Die Aussage hat für mich keinerlei Bedeutung. Ein Beispiel: „Vegetarier leben gesünder“ (wenn ich selbst kein Vegetarier bin).

Wenn ich so vorgehe, komme ich vielen Tatsachenbehauptungen auf die Spur und entlarve behauptete Tatsachen als unfundierte Meinungen. Ich erkenne Fehleinschätzungen und gewinne Sicherheit, mir meine eigene Meinung zu bilden und diese auch zu vertreten. Darüber hinaus habe ich eine „Zweitmeinung“ zu einer emotionalen Einschätzung. Vielleicht bestätigt meine rationale Einschätzung meine emotionale, vielleicht widerspricht sie ihr auch. Dann muss ich abwägen.

Immer wieder wird mir deutlich bewusst, wie wenig ich eigentlich sicher weiß. Sehr häufig kann ich einer Aussage nur ein „unsicher“ oder „weiß ich nicht“ zuordnen. Dann bleibt mir nichts anderes übrig als mit Wahrscheinlichkeiten zu arbeiten. Ich bestimme einen Prozentwert, der angibt, wie stark ich damit rechne, dass etwas zutrifft bzw. nicht zutrifft.

Um weitere Sicherheit in ihrer rationalen Einschätzung zu gewinnen, könnte Carola die Problemkreise weiter auffächern und sich weitere Aussagen überlegen, die sich an ihren persönlichen Werten (z.B. Treue, Aufrichtigkeit usw.) orientieren. So würde sich insgesamt ein vollständigeres Bild ergeben und ihr würde noch klarer bewusst, wie das Eheleben voraussichtlich aussehen würde.

Carola mag auf der einen Seite ihre Liebe zu ihrem Lebenspartner zu der emotionalen Einschätzung führen, dass der Weg in die Ehe der Richtige sei. Auf der anderen Seite könnte sie über die rationale Einschätzung zu dem Schluss kommen, dass die aktuellen Probleme ein derart großes Konfliktpotenzial darstellen, dass die Ehe definitiv nicht in Frage kommt. Die konkrete Entscheidung bleibt ihr nicht erspart, aber sie weiß, worauf sie sich gründet.

Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.