Seit unserer Heirat hat meine Frau mit mindestens …

„Seit unserer Heirat hat meine Frau mit mindestens fünf verschiedenen Männern zusammengelebt – und jeder dieser fünf war ich.“ Lewis Benedictus Smedes

Seit unserer Heirat hat meine Frau, L. Smedes - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Lewis Benedictus Smedes (1921-2002) war ein Ethiker, Theologe und Autor christlicher Bücher. Er war 25 Jahre lang Professor für Theologie und Ethik.

Man bleibt nicht wie man ist

Auf humorvolle Weise skizziert Lewis Smedes die Veränderungen im Verlauf des Beziehungslebens. Wenn sich zwei Menschen kennenlernen und schließlich beschließen, zu heiraten, haben sie noch keine Vorstellung davon, wie sie sich im Lauf ihres individuellen Lebens verändern werden. Tatsache ist: Jeder wird sich für sich verändern, garantiert. Das Leben ist nicht statisch.

Man hat sich nicht selbst geheiratet. Die Lebenspartnerin bzw. der Lebenspartner hat eigene Wünsche, Träume, Vorstellungen, Ideale, Ziele. Manches wird im Leben Realität, manches nicht. Man wächst an Herausforderungen und vielleicht scheitert man manchmal daran. In jedem Fall wird man in zehn Jahren nicht mehr mit derselben Person verheiratet sein. Der Personalausweis ist vielleicht noch derselbe, aber die Persönlichkeit wird sich verändert haben.

Jule Specht, Professorin für Persönlichkeitspsychologie und Autorin des Buchs „Charakterfrage. Wer wir sind und wie wir uns verändern“, konnte zeigen, dass sich die Persönlichkeit im Alter genauso stark verändern kann wie in den Teenagerjahren. Selbst nach dem 60. Geburtstag verändert sich etwa jeder Fünfte noch einmal stark. Die Persönlichkeitsentwicklung ist definitiv nie abgeschlossen.

Im Lauf des Lebens treten prägende Ereignisse auf. Die Rollen wechseln. Wenn beispielsweise ein Kind auf die Welt kommt, übernimmt die Frau die Mutter- und der Vater die Vaterrolle. Später kommt vielleicht die Großmutter- bzw. Großvaterrolle hinzu. Die Rolle der bzw. des Berufstätigen wird irgendwann aufgegeben und man wechselt in die Rolle des Ruheständlers. Eine Lebensphase folgt auf die andere, und in einer Lebensphase kann man mehrere Rollen übernehmen.

Wundert es dann, wenn der Mensch, in den man sich vor zehn Jahren verliebt hat, jetzt nicht mehr derselbe ist? In der Vorwärtsbetrachtung wird das Paradoxe deutlich: in zehn Jahren wird man einen Fremden lieben! Die Partnerin bzw. der Partner wird dann eine Persönlichkeit sein, die man jetzt noch gar nicht kennen kann. Man lernt sie erst im Lauf der Zeit kennen.

Und wie kann man unter diesen Voraussetzungen überhaupt ein Leben lang zusammenbleiben? Für Smedes bildet das Versprechen, das ganze Leben miteinander zu teilen, die Klammer. Das Versprechen, bei der Trauung einander gegeben, ist es, das durch die Beziehung hindurchträgt.

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