Was ist mein Glückskern?

„Bist du glücklich?“, so etwa lautete die Frage an einen etwa 14jährigen Jungen, die ihm in einem Fernsehbeitrag gestellt wurde. Die knappe Antwort lautete: „Ja!“. Verwunderlich? Nein, wenn es sich um einen völlig „normalen“ Jungen gehandelt hätte. Der Junge war aber nicht „normal“, sondern, saß in einem elektrischen Rollstuhl. Er litt an einer unheilbaren Erkrankung, die ihn zu einer verkrümmten Körperhaltung zwang und die seine Lebenserwartung begrenzte. Immerhin konnte er den Rollstuhl mit Fingerbewegungen steuern. Was war sein Glückskern?

Ein todgeweihter Junge, der auf die Frage, ob er glücklich sei, glaubhaft mit „Ja“ antworten kann. Wie kann das gehen? Kann es auch dann noch Glück geben, wenn alles fehlt und man lediglich noch existiert? Leider kann man ihm dazu keine Fragen mehr stellen.

Was ist Glück? Vieles wurde schon darüber geschrieben? Wer im internet nach „Glück“ sucht, findet dazu um die 100 Mio. Ergebnisse, und täglich werden es mehr. An dieser Stelle soll es aber nicht um Allgemeinplätze gehen, sondern um die Frage: Was bedeutet Glück für mich persönlich? Es geht um meinen Glückskern.

Was macht Glück aus? Hat es mit Reichtum zu tun? Wohl eher nicht, denn viele der Länder mit hohen Selbstmordraten zählen zu den lebenswertesten der Welt. Warum liegt etwa in der verhältnismäßig wohlhabenden Schweiz die Selbstmordrate weit über dem internationalen Durchschnitt?

Hat Glück mit Gesundheit zu tun? Natürlich auch, aber nicht nur. Sonst könnten ja Menschen mit schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht glücklich sein. Zumindest manche sind es aber.

Es gibt viele weitere Kriterien als Kandidaten für Glück: beruflicher Erfolg, erfüllende partnerschaftliche Beziehung und Anerkennung sind nur einige davon. Aber was passiert, wenn etwas plötzlich wegbricht, wenn z.B. meine Arbeitsstelle plötzlich wegfällt, wenn meine Partnerin oder mein Partner plötzlich verstirbt, wenn die Anerkennung plötzlich entzogen wird?

Ich brauche etwas, das mich dauerhaft glücklich macht, das nicht von Umständen abhängig ist. Kann ich das finden? Wenn ja, dann wäre dies mein persönlicher Glückskern.

Meinen Glückskern werde ich kaum per Zufall finden. Vielmehr werde ich intensiv arbeiten müssen, um ihn zu finden und ihn mir bewusst zu machen. Das wird auch Zeit brauchen, möglicherweise viel Zeit.

Das Bild des Trichters gefällt mir sehr gut. Oben wird alles Mögliche hineingeschüttet. Ich stelle mir bildlich vor,  was alles in den Trichter hineinfällt: meine Gesundheit, mein Wissen, meine Fähigkeiten, meine Vorlieben, meine Neigungen, meine sozialen Beziehungen und, und, und. Dann beobachte ich, wie alles in eine Presse fällt und unter hohem Druck verdichtet wird. Am Ende bleibt der reine Diamant, mein Glückskern.

Der Diamant mag klein sein, ja er wird sogar klein sein, aber weniger ist mehr! Er steht für das, was mich wirklich glücklich macht. Das schließt nicht aus, dass mein Glückskern, der Diamant, beschmutzt wird, dass an ihm gekratzt wird, aber es bleibt der Diamant.

 

Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.