Wenn uns auf Erden etwas mit Zins und Zinseszinsen …

„Wenn uns auf Erden etwas mit Zins und Zinseszinsen zurückbezahlt wird, so ist es unsere Menschenliebe. Ungeliebt durchs Leben gehen, ist mehr als Missgeschick, es ist Schuld.“ Marie von Ebner-Eschenbach

Wenn uns auf Erden etwas, M. v. Ebner-Eschenbach - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Marie Freifrau Ebner von Eschenbach (1830-1916) war eine mährisch-österreichische Schriftstellerin. Mit ihren psychologischen Erzählungen gilt sie als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Erzählerinnen des 19. Jahrhunderts.

Von „Menschenliebezinsen“ leben

Franz (nicht sein richtiger Name) war sehr beliebt. Er hatte eine freundliche, aufgeschlossene Art. Seine Menschenfreundlichkeit und sein Respekt anderen Menschen gegenüber waren spürbar. Man konnte wahrnehmen, dass er seine Mitmenschen liebte und ernstnahm.

Welche Anerkennung er genoss und wie viele Menschen sich ihm in irgendeiner Weise verbunden wusste, wurde bei seiner Beisetzung sichtbar. Viele Menschen waren gekommen, um sich von ihm zu verabschieden.

Franz erntete während seines Lebens für seine Menschenliebe Zins und Zinseszinsen. Er erfuhr Zuneigung in seiner Familie, in seinem Freundes- und Bekanntenkreis. Man hörte ihm gerne zu und genoss seine Gegenwart. Er wurde nicht als Last, sondern als Bereicherung empfunden.

Menschenverächter, auch als Misanthrophen bezeichnet, werden hingegen, was die Zuneigung anderer Menschen anbelangt, ziemlich leer ausgehen. Sie werden (gerne) benutzt, um bei Bedarf irgendwelche Vorteile oder Vergünstigungen zu erlangen. Aber von Herzen geliebt werden sie nicht. Sie gehen ziemlich ungeliebt durchs Leben.

Von dem Philosophen Arthur Schopenhauer ist seine Einstellung „Die Menschen sind wesentlich böse, wesentlich unglücklich, wesentlich dumm“ überliefert. Wie können mit einer solchen Einstellung bereichernde Beziehungen entstehen?

Mit unserer Einstellung ändern wir andere Menschen nicht. Anderen Menschen, zumindest außerhalb der Familie, ist unsere Einstellung oft sogar ziemlich gleichgültig. Man leidet nur selbst, wenn es an Menschenliebe fehlt.

Wir haben es selbst in der Hand, es ist eine individuelle Entscheidung, wie wir unsere Mitmenschen sehen. Wenn wir ihnen mit Menschenliebe begegnen, fällt es uns viel leichter, Beziehungen zu knüpfen. Dann wird man nicht ungeliebt durchs Leben gehen. Und man wird auch nicht gewissermaßen an sich selbst schuldig werden, weil man wertvolle Begegnungschancen verpasst hat.

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Dieter Jenz
Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.