Als ich aus der Zelle durch die Tür in Richtung Freiheit ging …

„Als ich aus der Zelle durch die Tür in Richtung Freiheit ging, wusste ich, dass ich meine Verbitterung und meinen Hass zurücklassen musste, oder ich würde mein Leben lang gefangen bleiben.“ Nelson Mandela

Als ich aus der Zelle, N. Mandela - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Nelson Mandela (1918-2013) war ein führender südafrikanischer Aktivist und Politiker im Jahrzehnte langen Widerstand gegen die Apartheid. Von 1994 bis 1999 war er der erste schwarze Präsident seines Landes. Er gilt als herausragender Vertreter im Freiheitskampf gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit in Südafrika und war wichtigster Wegbereiter des versöhnlichen Übergangs von der Apartheid zu einem gleichheitsorientierten, demokratischen Staatswesen. 1993 wurde ihm deshalb der Friedensnobelpreis verliehen. Schon zu Lebzeiten wurde er weltweit für viele Menschen zum politischen wie auch moralischen Vorbild.

Einen Gefangenen freilassen – sich selbst

Nelson Mandela engagierte sich seit 1944 für den African National Congress (ANC) und wandte ich gegen die Apartheidpolitik. Wegen seiner politischen Aktivitäten musste er von 1963 bis 1990 insgesamt 27 Jahre als politischer Gefangener in Haft verbringen.

Wenige Tage nach seiner am 11. Februar 1990 erfolgten Freilassung leitete Nelson Mandela in einer Rede öffentlich seine Politik der Versöhnung ein, indem er alle Menschen, die sich von der Apartheid gelöst hatten, zur Mitarbeit an einem „nichtrassischen, geeinten und demokratischen Südafrika mit allgemeinen, freien Wahlen und Stimmrecht für alle“ einlud.

Auch wenn man ein Gefängnis verlässt, aber Verbitterung und Hass mitnimmt, bleibt man dennoch ein Gefangener, so die bemerkenswerte Erkenntnis Mandelas. Die uneingeschränkte physische Bewegungsfreiheit ist wiedergewonnen, die psychische jedoch nicht. Bindungen bestehen weiterhin und können wohl nur durch bewusstes Loslassen gelöst werden.

Auch in anderen Zusammenhängen lösen sich Menschen, beispielsweise aus gescheiterten Beziehungen, die auch wie ein Gefängnis anmuten können. Was bedeutet es dann, Verbitterung und Hass nicht mitzunehmen? Reicht ein Zurücklassen, oder ist mehr notwendig? Verzeihen oder gar vergeben?

Heißt Zurücklassen einfach nicht mehr daran denken? Dies ist oft leichter gesagt als getan. Wie wäre es, vielleicht nach einer gewissen Zeit, die man einfach benötigt, den einseitigen Schritt des Verzeihens oder gar des Vergebens zu machen? Würde man sich dann selbst als Gefangenen freilassen?

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Dieter Jenz
Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.