Blühe, wo du gepflanzt bist!

„Blühe, wo du gepflanzt bist!“

Franz von Sales
Blühe wo du gepflanzt bist, F. v. Sales - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Franz von Sales (1567-1622) war Fürstbischof von Genf, Ordensgründer, Mystiker und Kirchenlehrer. In zahlreichen Schriften betonte er die Verbindung von Religiosität und weltlicher Kultur, von Humanismus und Christentum.

Blühen – der Pflanzort ist wichtig

Wenn man eine Pflanze kauft, befindet sich meistens ein Hinweis zum empfohlenen Pflanzort und zur Pflege im Topf. Natürlich beachtet man diese Hinweise, denn man wünscht sich ja, dass sich die Pflanze optimal entwickelt. Eine Pflanze, die einen sonnigen Standort bevorzugt, wird man nicht in einem schattigen Bereich einpflanzen. Und selbstverständlich ist man auch bereit, die Pflanze mit allem zu versorgen, was sie zum Wachstum benötigt. Wenn die Pflanze Dünger benötigt, bekommt sie ihn in ausreichender Menge.

Pflanzen sucht man üblicherweise pflanzortbezogen aus. Im Garten oder im Raum befindet sich eine Stelle, die mit einer Pflanze aufgewertet und verschönert werden soll. Man sucht sich dafür eine geeignete Pflanze, die einem auch gefällt, pflanzt sie ein, und dann soll sie sich dort entwickeln und Blüten hervorbringen (so sie denn überhaupt Blüten hervorbringen kann).

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Blühen wo man gepflanzt ist?

Franz von Sales setzt das Pflanzen bzw. gepflanzt sein in Beziehung zu Menschen. Für ihn ist es letztendlich Gott, der einpflanzt, gewissermaßen einen „Pflanzort“ für Menschen bestimmt. Aber was können Menschen, für die Gott nicht zu ihrer Lebenswelt gehört, mit diesem nachdenkenswerten Zitat anfangen?

Wer „pflanzt“ einen Menschen? Zunächst sind es die Eltern bzw. die Familie, die den „Pflanzort“ eines Kindes darstellen. Dies ist das Umfeld, in dem sich das Kind entwickeln kann.

Eltern, denen ihr Kind wichtig ist, setzen alles daran, dass es sich gut entwickeln kann. Sie überlegen sich intensiv, wie sie die Entwicklung fördern können. Das Kind soll es schließlich einmal gut im Leben haben und – im übertragenen Sinn – reich blühen.

Menschen sind jedoch keine Pflanzen. Sie entwickeln sich nicht unbedingt vorhersehbar. Sie haben einen eigenen Willen, der sie dazu bringen kann, sich dem Wachstum – beispielsweise im Hinblick auf Bildung und Sozialverhalten – zu verschließen. Sie können auch einen Weg gehen, auf dem das, was schon entwickelt ist, wieder verkümmert. Und Menschen können ihren „Pflanzort“ verändern, sich selbst „umpflanzen“.

Dennoch leben die meisten Menschen – Kosmopoliten mit ständig wechselnden Wohnorten ausgenommen – an einem Ort, den sie als ihren Wohnort bezeichnen. Die Analogie greift wieder: dorthin, an den Wohnort, ist man gepflanzt bzw. hat sich selbst dorthin gepflanzt.

Was könnte dann „Blühe, wo du gepflanzt bist!“ bedeuten?

Das Blühen an dem Ort, wo man lebt, kann auf äußerst vielfältige Art und Weise geschehen. Möglichkeiten sind unter anderem:

  • Die eigenen Begabungen und Fähigkeiten, wie beispielsweise handwerkliche Begabungen und Fähigkeiten, einsetzen und weiterentwickeln,
  • Die sozialen Kompetenzen, wie beispielsweise Empathievermögen, Teamfähigkeit und Anpassungsfähigkeit, in das soziale Umfeld einbringen,
  • Vorhaben, die nach eigener Überzeugung unterstützenswert sind, finanziell und/oder durch eigene Beteiligung fördern.

Wenn man sich vornimmt, unverkrampft dort zu blühen, wohin man gepflanzt ist, fällt es leichter, dem Leben Struktur zu geben. Was das persönliche Wachstum und das Blühen hindert, kann erkannt und aus dem Leben „ausgeschieden“ werden. Und was das persönliche Wachstum und das Blühen fördert, kann als „Dünger“ in das Leben „aufgenommen“ werden.

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.