Dankbarkeit ist das Gefühl des Staunens und der Feier …Lesezeit: 9 Min.

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„Dankbarkeit ist das Gefühl des Staunens und der Feier des Lebens.“

Robert Emmons
Dankbarkeit ist das Gefühl des Staunens , R. Emmons - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Robert Emmons (geb. 1958) ist ein US-amerikanischer Psychologe und Professor. Er forscht auf den Gebieten der Persönlichkeitspsychologie, Emotionspsychologie und Religionspsychologie. Ein Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit ist der Erforschung der Dankbarkeit und der Fragestellung gewidmet, in welcher psychologischen Beziehung sie zu Glück, Gesundheit und Persönlichkeitsbildung steht.

Die Hummel – ein Tier zum Staunen

Eigentlich sollten Hummeln nicht fliegen können. Zu diesem Schluss kam der Physiker Ludwig Prandtl Anfang der 1930-er Jahre. Es wird berichtet, dass der Aerodynamiker auf einer Serviette das Gewicht und die Flügelfläche der Hummel berechnet und festgestellt habe, dass der Auftrieb zum Fliegen nicht ausreicht.

Hummeln können jedoch fliegen, und dies sogar sehr hoch. Am Mount Everest wurden fliegende Hummeln in einer Höhe von 5.600 Metern beobachtet. Unter Laborbedingungen konnten Hummeln auch bei Luftdruckverhältnissen, wie sie in 9.000 Metern Höhe herrschen, fliegen. Somit könnten sie sogar den Gipfel des Mount Everest überfliegen (was jedoch in der Praxis aufgrund von Nahrungsmangel nie geschehen wird).

Selbst die Kälte am Gipfel des Mount Everest würde einer Hummel wahrscheinlich keine Probleme bereiten. Auf dem Gipfel dieses Berges liegen die Temperaturen das gesamte Jahr über im Minusbereich. Im wärmsten Monat, dem Juli, werden im Durchschnitt −19 °C gemessen. Dass einer Hummel während des Flugs auch tiefe Temperaturen keine Probleme bereiten liegt daran, dass sie mit schnellen Muskelbewegungen ihre Körpertemperatur auf über 30 °C bringt. Dadurch entsteht auch das Brummgeräusch.

Ludwig Prandtl hätte Recht behalten, wenn seine Prämisse, dass die Flügel der Hummel starr sind, zugetroffen hätte. Ihre Flügel sind jedoch nicht starr wie die Tragflächen eines Flugzeugs. Sie bestehen vielmehr aus dem langkettigen Protein Resilin, das oft in der Natur vorkommt. Dank seiner gummiartigen elastischen Eigenschaften lässt sich das Eiweißmolekül auf die dreifache Länge ausziehen, ohne zu brechen.

Hummeln können mit einer kleinen Flügelgrundfläche von nur etwa 0,7 cm² eine relativ große Luftmasse bewegen. Dies geschieht durch kreisförmige Rotationsbewegungen, etwa 200-mal pro Sekunde! Durch den an der Kante der Flügel entstehenden Wirbel können Hummeln genügend Auftriebskräfte zum Abheben entwickeln. In der Luft sind Hummeln äußerst beweglich. Sie können nicht nur vorwärts oder seitwärts, sondern auch rückwärts fliegen.

Darüber hinaus besitzen Hummeln in ihren Flügeln ein spezielles Gelenk, das andere Insektenarten nicht aufweisen. Dank dieses Gelenks können sie beim Fliegen ihren Flügel abknicken und ihre aeronautischen Fähigkeiten noch verbessern. Sie können sogar problemlos das Doppelte ihres Körpergewichts an Blütenpollen durch die Luft bewegen.

Neben Honigbienen und Fliegen gehören Hummeln zu den wichtigsten Bestäuberinsekten. Täglich fliegen sie in bis zu 18 Stunden bis zu 1000 Blüten an, um Nahrung zu suchen. Im Gegensatz zu Bienen fliegen Hummeln Blüten auch bei schlechtem Wetter an. Bedingt durch ihre Temperaturunempfindlichkeit können Hummeln weitaus länger als andere Bienen auf Nahrungssuche sein. Dies ist vor allem für Pflanzen wichtig, die besonders früh oder besonders spät im Jahr blühen, wenn es noch bzw. schon kühl ist. Auch in regnerischeren Sommern mit niedrigen Durchschnittstemperaturen sind Hummeln wichtige Helfer vieler Pflanzenarten, darunter viele Obst- und Gemüsearten.

Das Ohr – ein Organ zum Staunen

Das Ohr, eigentlich ein Hörsystem, ist das wichtigste Kommunikationsorgan des Menschen und gleichzeitig Hochleistungs-Präzisionsinstrument. Es ist ein Wunderwerk der Natur und sogar 10-mal komplexer aufgebaut als das Auge. Außerdem enthält es auch ein Gleichgewichtsorgan, das zum Innenohr gehört. Würde dieses fehlen, wäre es nicht möglich, das Gleichgewicht zu halten, zu stehen, zu rennen oder zu tanzen.

Das Gleichgewichtsorgan registriert alle Arten von Beschleunigungen und Lageveränderungen. Es besteht aus zwei senkrecht aufeinander stehenden kleinen Säckchen zwischen der Hörschnecke und den Bogengängen. Die Säckchen enthalten jeweils feine Haarzellen, die von einer dünnen Schicht bedeckt sind. Auf dieser Schicht befinden sich zusätzlich oben aufliegend noch zarte Kristalle. Wird der Kopf vor- oder zurückbewegt, schwappt diese Schicht mit und knickt auf diese Weise die Haare an den Sinneszellen leicht ab. Dadurch wird es möglich, horizontale (z. B. Aufprall auf ein Hindernis, Abbremsen beim Radfahren) und vertikale (z. B. Sturz in die Tiefe, Sprung in die Höhe, Fahren im Aufzug) Beschleunigungen wahrzunehmen.

Eine weitere Komponente des Gleichgewichtsorgans ist der Drehsinn, der dem Gehirn Informationen über die Lage des Kopfes liefert. Im Innenohr befinden sich, dem dreidimensionalen Raum entsprechend, drei jeweils im rechten Winkel aufeinander stehende Bogengänge. Diese Bogengänge ähneln in ihrem Aussehen den Fühlern einer Schnecke. Jeder besitzt eine sogenannte Sinnesleiste, auf der die Sinneszellen liegen. Die feinen Härchen der Sinneszellen ragen in einen gallertartigen Hut hinein. Wird beispielsweise der Kopf gedreht, werden die Sinneshaare abgebogen. Der dadurch ausgelöste Reiz stimuliert die Sinneszellen.

Wenn Sinneszellen stimuliert werden, leiten diese die empfangenen Signale an das Kleinhirn weiter. Dieses kann dann auf unterschiedliche Art und Weise reagieren, beispielsweise durch schnelle Bewegungen der Augen.

Zitat des Tages

Nicht der Wille ist der Antrieb unseres Handelns, E. Coue - Gestaltung: privat
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Staunen – eine starke Emotion

Staunen drückt eine subjektiv empfundene große Verwunderung über etwas Unerwartetes aus. Deshalb ist Staunen nicht vorgeplant – es lässt sich überhaupt nicht einplanen -, sondern immer eine spontane Emotion.

Wenn Staunen mit etwas Unerwartetem, Überraschendem verknüpft ist, kann man dann auch über etwas Alltägliches, Gewohntes staunen? Die Hummel und das Ohr sind nur zwei Beispiele, die für vermeintlich Gewohntes stehen. Doch wenn man genauer hinschaut, gerät man unwillkürlich ins Staunen. Kommt es dann nicht gerade darauf an, genauer auf etwas zu schauen, um das Staunen erfahren zu können?

Was wäre beispielsweise, wenn die Flügel der Hummel starr wären, so wie die Tragflächen eines Flugzeugs? Dann könnte die Hummel nicht fliegen und sie könnte kein Bestäuberinsekt sein. Oder was wäre, wenn die Sinneshärchen im menschlichen Innenohr nur geringfügig kürzer oder länger wären? Dann könnten wir nicht so hören, wie wir hören können, oder vielleicht sogar überhaupt nicht.

Wenn man genauer hinschaut, wird einem bewusst, dass man vielleicht schon tausende Male etwas beobachtet, aber es noch nie wirklich wahrgenommen und noch nie wirklich darüber nachgedacht hat. Dann kann man auch über das staunen, was man noch nicht wusste. Denn: Wenn man schon alles weiß, kann man nicht mehr staunen. Staunen kann man darüber hinaus auch nur dann, wenn man offen für (noch) Unbekanntes ist.

Dinge in einem neuen Licht sehen – das ist eine natürliche Folge des Staunens. Man wird neugierig, will mehr darüber erfahren, was einen gerade zum Staunen bringt. Vielleicht setzt man innerlich ein Stoppzeichen, will innehalten und sich ergreifen lassen. Was einen zum Staunen bringt, beeindruckt einen schließlich auch tief.

Vielleicht gerät man sogar ins Staunen darüber, dass man überhaupt staunen kann. Dies wäre dann eine Art „Meta-Staunen“. Dass Menschen eine solche Emotion empfinden können ist schließlich nicht selbstverständlich.

Mit dem Staunen beschenkt man sich selbst bzw. lässt sich beschenken. Oskar Kokoschka, österreichischer Maler, Grafiker und Schriftsteller, kleidete diese Erkenntnis in folgende Worte: „Wer noch staunen kann, wird auf Schritt und Tritt beschenkt.“.

Ginge man andererseits gewissermaßen blind durch das Leben, wenn man nicht bzw. über nichts staunen könnte? Bestimmt! Das Leben wäre arm!

Dankbarkeit – auch ein Gefühl des Staunens!

Wie empfindet man Dankbarkeit? Ist man erfüllt von Dankbarkeit, wenn man daran denkt, was einem alles geschenkt ist? Kann man darüber staunen, was einem alles geschenkt ist? Schließlich ist im Grunde nichts im Leben selbstverständlich. Das Dach über dem Kopf ist es nicht, das Frischwasser aus dem Wasserhahn ist es nicht … – die Reihe ließe sich beliebig lange fortführen.

Die Hummeln arbeiten gewissermaßen für die Menschen – unentgeltlich. Ohne sie wäre die Vielfalt an Früchten der Natur, die man genießen kann, eingeschränkt. Die Arbeit der Hummeln ist für uns Menschen ein Geschenk – wie auch die Arbeit vieler anderer Tiere. Für dieses Geschenk kann man, ja muss man sogar dankbar sein.

Auch die Fähigkeiten des menschlichen Ohrs sind ein Geschenk. Ohne dieses Geschenk wäre unsere Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt.

Vor diesem Hintergrund betrachtet ist auch Dankbarkeit ein Gefühl des Staunens über all das, was einem geschenkt ist. Vielleicht hat man sogar das schwer beschreibbare Gefühl, an etwas teilzuhaben, das größer ist als man selbst.

Gutes und Sinnvolles tun – ganz praktisch

Geschenk mit Text - Gestaltung: privat
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Dankbarkeit – das Leben feiern

Der unter Depressionen leidende Volker (Name geändert) hatte schon mehrere Suizidversuche unternommen. Er sah Selbstmord als Ausweg, um seinem aus seiner Sicht nicht (mehr) lebenswertes Dasein ein Ende zu setzen. Doch alle Versuche scheiterten.

Die Frage, wofür man gerade dankbar sein kann, erweist sich in vielen Situationen als eine sehr hilfreiche Intervention, um aus einer negativen Gedankenspirale auszubrechen. Mit gewissem zeitlichem Abstand konnte Volker für sich erkennen, dass er für das Leben dankbar ist.

Volkers Aussage war in gewisser Weise verblüffend. Er wollte sein Leben beenden, nicht nur einmal, konnte jetzt aber dafür dankbar sein, dass er am Leben blieb. Ihm wurde der Wert des Lebens bewusst und dass das Leben auch für ihn Geschenke bereithielt. In der Konsequenz war Volker nicht nur für das Leben dankbar, sondern unausgesprochen auch dafür, dass seine Selbstmordversuche scheiterten.

Vielen Menschen ist, wenn sie an ihr Leben denken, gerade nicht nach Feiern zumute. Da gibt es die verschiedensten Verpflichtungen, vielleicht sogar Zwänge. Bei weitem nicht alles läuft nach Plan oder so, wie man sich das einmal vorgestellt hat. Man ist mit dem Leben unzufrieden.

Was geschieht, wenn man genauer hinschaut? Wird dann bei all dem, was auf der Negativseite steht, nicht auch bewusst, wie viel und was einem geschenkt ist? Auf der Positivseite steht auch vieles. Bedeutet dann Dankbarkeit nicht auch, dass man das Leben feiern kann?

Dankbarkeit ist eine bewusste Entscheidung. Man kann Dankbarkeit praktisch in jedem Moment des Lebens hervorrufen. Mit der Zeit bildet sich ein Automatismus heraus. Als Folge davon wird auch das Gehirn in gewisser Weise, bildlich ausgedrückt, teilweise neu „verdrahtet“. Dankbarkeit ist somit ein Schlüssel zu größerem Wohlbefinden und besseren sozialen Beziehungen. Sie öffnet immer wieder die Augen für die schönen Seiten des Lebens.

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.