Die Hoffnung ist wie eine Kletterpflanze. Sie braucht etwas, woran …

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„Die Hoffnung ist wie eine Kletterpflanze. Sie braucht etwas, woran sie sich festhalten kann.“

Dieter Jenz
Die Hoffnung ist wie eine Kletterpflanze, D. Jenz - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Woran kann sich die Hoffnung festhalten?

Hoffnung bezeichnet eine von Zuversicht bestimmte innerliche Ausrichtung, die mit einer positiven Erwartungshaltung einhergeht. Ob sich Zuversicht und Erwartung tatsächlich erfüllen, darüber kann keine Gewissheit bestehen. Hoffnung ist keine Gewissheit.

Die Hoffnung formt sich oft in eine bildliche Vorstellung. Wenn jemand beispielsweise auf eine Karriere als Schriftsteller hofft, hat er ein bestimmtes Bild oder eine bestimmte Szene vor Augen. Vielleicht sieht er sich in einer Buchhandlung vor einer Bestseller-Liste stehen. Sein Buch hat es auf Platz 1 geschafft und voller innerem Stolz liest er seinen Buchtitel und seinen Namen. Oder er sieht sich bei einer Lesung. Der Saal ist voller Menschen. Beifall brandet auf, als er seine Lesung beendet.

Das innere Bild, die innere Szene, sind das Etwas, an dem sich die Hoffnung wie eine Kletterpflanze festhalten kann. Kletterpflanzen benötigen je nach Art eine Fassade, eine Mauer, ein Rankgerüst oder einen Baum, an dem sie sich festhalten und wachsen können. Sinngemäß benötigt die Hoffnung das innere Bild, die innere Szene, zum Festhalten.

Hoffnung stärkt das Durchhaltevermögen

Hoffnung, getragen von einem positiven Selbstbild, stärkt die Motivation, auf ein bestimmtes Ziel zuzusteuern und es zu erreichen. Und sie stärkt das Durchhaltevermögen. Meist erfüllt sich die Hoffnung nicht sofort, sondern es müssen zuerst Hindernisse überwunden werden. Dann sind Durchhaltevermögen und ein langer Atem gefragt.

Ein Buch muss drei Mal umgeschrieben werden

Ein Szenario: Ein angehender Autor hat das Manuskript seines Erstlingswerks fertiggestellt. Es wurde bereits an verschiedene Verlage geschickt. Jetzt wartet er gespannt auf die Reaktion. Die Reaktion kommt auch. Man teilt ihm mehr oder weniger höflich mit, dass man leider keine Möglichkeit sehe, sein Werk zu veröffentlichen.

Wie würde sich ein angehender Autor fühlen, wenn sein Manuskript von allen Verlagen abgelehnt wird? Wäre seine Enttäuschung so stark, dass er sprichwörtlich gleich alles „in die Tonne tritt“ und seine Karriere als Buchautor für beendet erklärt, bevor sie überhaupt begonnen hat? Oder würde er auf seine Fähigkeiten und Kompetenzen vertrauen und zu sich selbst sagen: „Ich kann schreiben. Dann frage ich eben nach, was ich verbessern könnte, damit es eine Chance hat. Wenn es mit Umschreiben geht, dann schreibe ich es eben um.“? Die Pflanze der Hoffnung würde sich dann weiterhin am inneren Bild, es erfolgreich geschafft zu haben, festhalten. Und sie würde Durchhaltevermögen entwickeln, zumindest für einen weiteren Versuch.

Durchhaltevermögen wird belohnt

Sebastian Fitzek, der erfolgreichste deutsche Thriller-Autor, benötigte dieses Durchhaltevermögen. Sein Erstlingswerk „Die Therapie“ (2006) wurde von 13 Verlagen abgelehnt. Es musste drei Mal umgeschrieben werden, bis sich ein Verlag fand, der das Manuskript annahm und das Buch verlegten wollte. Die Ausdauer wurde belohnt, denn „Die Therapie“ wurde als bestes Krimi-Debüt für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert und entwickelte sich zum Bestseller. Im Juli 2021 wurde vermeldet, dass das Buch verfilmt und als Mini-Serie gezeigt werde.

Wenn sich die Hoffnung festhalten kann, fällt es auch leichter, mit Widerständen und Rückschlägen umzugehen. Für einen Schriftsteller sind es beispielsweise die Kritiker in den Redaktionen der Medien. Deren Urteil mag die Hoffnung auf eine steile Karriere oder, wenn man schon etabliert ist, auf deren Fortsetzung dämpfen. Wie geht man damit um, wenn man vernichtende Kritik erfährt? Ist dann die Hoffnung schon dahin? Oder kann man es aushalten?

Widerstände und Rückschläge bedeuten nicht das Ende

Auch Sebastian Fitzek begegnete vernichtender Kritik. Beispielsweise fand der Kritiker im ARD-Beitrag „Druckfrisch“ (27. November 2015), in dem der Pädophilie-Krimi „Das Joshua-Profil“ besprochen wurde, keine schmeichelhaften Worte. Zu diesem Zeitpunkt war Sebastian Fitzek bereits als Bestseller-Autor etabliert. Fitzek sei ein „talentloser, klischeeverhafteter und – mit Verlaub – dummer Autor“, der „die Nulllinie der deutschen Gegenwartsliteratur“ markiere. Dieser vernichtenden Kritik standen jedoch auf der anderen Seite auch viele wohlwollende Kritiken gegenüber.

Seinem Erstlingswerk folgte eine Anzahl weiterer Psychothriller, die durchwegs zu Bestsellern wurden. Heute gilt Sebastian Fitzek als etablierter Buchautor, dessen jeweils neuestes Buch oft schon von Vornherein mit Vorschusslorbeeren bedacht wird. Aber sein Start als Autor von Psychothrillern war alles andere als einfach.

Eine Hoffnungsvision hilft beim Durchhalten

Am Ostersonntag, dem 23. April 2000, erregte eine Entführung weltweites Aufsehen. Mitglieder der islamistischen Terrororganisation Abu Sajaf drangen schwerbewaffnet in einen auf Tauchurlaube spezialisierten Hotelbetrieb auf der malaysischen Insel Sipadan vor der Ostküste Borneos ein. Sie brachten 21 Touristen und Hotelangestellte in ihre Gewalt. Die 21 Menschen wurden unter Erschießungsdrohung auf Schnellbooten über die Sulusee auf die philippinische Insel Jolo verschleppt. Die Fahrt in zwei heillos überfüllten Booten dauerte rund 20 Stunden.

Unter den Verschleppten befanden sich auch das Ehepaar Renate und Werner Wallert und ihr gemeinsamer Sohn Marc Wallert. In seinem Buch „Stark durch Krisen: Von der Kunst, nicht den Kopf zu verlieren“ berichtete Marc Wallert später über die Zeit von der Gefangennahme bis zur Freilassung. Auch auf seiner Website gibt er Einblicke in Erlebnisse und Eindrücke.

Nach der Ankunft auf der Insel Jolo wurden die Geiseln in ein Lager mitten im Dschungel gebracht. Der Fußmarsch dorthin dauerte etwa 10 Stunden. Nach wenigen Tagen unternahm die philippinische Armee einen gewaltsamen Befreiungsversuch, der jedoch scheiterte. Als Reaktion darauf wurde der Aufenthaltsort der Bewacher und ihrer Geiseln mehrmals verlegt.

(Über)leben unter primitivsten Bedingungen

Die Lebensbedingungen an den verschiedenen Aufenthaltsorten waren sehr primitiv. Die Geiseln mussten je nach Aufenthaltsort ihre biwakähnlichen Schlafstellen aus Bambusstützen, Bananenblättern und einer Plastikplane als Regenschutz selbst bauen. Sanitäre Anlagen, fließendes Wasser und Strom gab es nicht. Auch die Verpflegung war, zumindest während der ersten Wochen, äußerst einfach und nicht ausreichend.

Auch psychisch waren die Geiseln starken Belastungen ausgesetzt. Gewalt- und Todesdrohungen, so auch die Drohung der Enthauptung, aber auch der ständige Schusswaffengebrauch der Entführer mussten ausgehalten werden.

Aufgrund ihres schlechten psychischen Gesundheitszustandes kam Renate Wallert Mitte Juli 2000 als erste Geisel der Familie frei. Am 27. August 2000 wurde Werner Wallert nach 137 Tagen Geiselhaft freigelassen. Am 9. September 2000 kam schließlich auch Marc Wallert nach 140 Tagen Geiselhaft frei.

Auch noch am Tag der Freilassung musste Marc Wallert um sein Leben fürchten. Als die Überbringer des Lösegelds eintrafen, wurden diese beschossen. Dabei gab es Tote und Verletzte. Von insgesamt vier Geiseln sollten drei freigelassen werden. Marc Wallert sollte als einziger und letzter der insgesamt 21 westlichen Geiseln dabehalten werden, vermutlich als letztes Faustpfand. Schließlich gab es dann doch noch eine Übereinkunft und alle vier Geiseln kamen frei.

Positive Zukunftsbilder stärken den Optimismus

Während der Geiselhaft stärkte der damals 27-jährige Marc Wallert seinen Optimismus durch positive Zukunftsbilder. Immer wieder malte er sich aus, wie es wäre, wenn er nach seiner Freilassung wieder nach Deutschland zurückkehren würde. Er stellte sich vor, wie er seinen älteren Bruder wiedersehen und mit ihm mit einem kühlen Bier auf seine Freiheit anstoßen würde. Und er würde ihm alles erzählen, was er während seiner Gefangenschaft erlebt hatte.

Seine Hoffnung hielt sich während der in physischer wie psychischer Hinsicht kräftezehrenden Geiselhaft an etwas fest und stärkte auf diese Weise auch seinen Optimismus. Die Hoffnungsvision erfüllte sich schließlich, wenn auch nicht exakt so, wie Marc Wallert sich dies ausgemalt hatte. Statt eines kalten Biers tranken die beiden umständehalber ein warmes Bier.

Im Rückblick, mit der zeitlichen Distanz mehrerer Jahre, drückte Marc Wallert aus, dass er eine derartige Erfahrung wirklich niemanden wünsche, auch seinem ärgsten Feind nicht. Dennoch wolle er sie in seinem Leben nicht missen. Sein Leben wäre ohne diese Erfahrung ärmer. Er habe daraus viel gelernt, über sich selbst, über Menschen, und sei an den Erfahrungen gewachsen. Es sei eine schwierige Erfahrung gewesen, am Ende aber auch eine Positive.

Dünger für die Pflanze der Hoffnung

Pflanzen können Dünger gut gebrauchen. Dünger verbessert die Ernährung von Pflanzen und wirkt wachstumsfördernd. In der Analogie und bildlich gesprochen kann auch die Pflanze der Hoffnung durch einen geeigneten Dünger in ihrem Wachstum gefördert und unterstützt werden. Doch welcher Dünger ist für die Pflanze der Hoffnung gut geeignet?

Es sind Positives Denken und Optimismus, die als Dünger für die Pflanze der Hoffnung sehr gut wirken. In einem Interview erzählte Marc Wallert von einer Mitgeisel aus Südafrika. Dieser Mann praktizierte jeden Abend als Abendritual ein Dankgebet. Er dankte für alles, was an diesem Tag, wie schlimm er auch gewesen sein mochte, irgendwie gut war. War der Sonnenuntergang zu sehen, dankte er für den schönen Sonnenuntergang. Regnete es, dankte er für den Regen und dafür, dass sich die Geiseln waschen konnten. Diese Abendgebete erwiesen sich als hilfreich.

Wenn sich Gedanken immer nur um Ängste drehen, um die Angst, erschossen zu werden, zu verhungern, zu verdursten usw., wird Energie gebunden. Kann man jedoch positiv auf das blicken, was (noch) da ist, reagiert das Gehirn und verbindet positive Bilder mit positiven Emotionen.

Den Dünger des Positiven Denkens und des Optimismus kann man sogar selbst herstellen. Positives Denken ist erlernbar. Dabei ist Positives Denken jedoch nicht mit Wunschdenken oder Schönfärberei zu verwechseln. Und es hat auch nichts mit Realitätsverlust zu tun. Realistischer Optimismus ist wohl ein geeigneter Begriff.

Jede Medaille hat zwei Seiten. Auf welche Seite konzentriert man sich? Die eine Seite repräsentiert beispielsweise die Möglichkeiten, die andere die Risiken. Wenn man den Fokus auf die Möglichkeiten richtet, stimmt man sich dadurch optimistisch. Konzentriert man sich jedoch auf die Risiken, stimmt man sich eher pessimistisch. Man hat die Wahl.

Hoffnung wächst an Bestätigungen

Die Hoffnung wächst an den kleinen und großen Bestätigungen, die man immer wieder erfährt. Ein „hat mir gut gefallen“ oder „gut gemacht“ nährt die Zuversicht, stärkt die Motivation, die Widerstandskraft gegen Rückschläge, und das Durchhaltevermögen. Die Hoffnungspflanze wächst. Und die Hoffnung hilft, das Ziel zu erreichen, das innere Bild, die innere Szene Realität werden zu lassen.

Gibt es eine Gewähr, dass das angestrebte und mit Hoffnung unterlegte Ziel erreicht wird? Sicherlich nicht! Aber mit Hoffnung im Rücken ist die Wahrscheinlichkeit sehr viel höher.

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.