Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste …Lesezeit: 9 Min.

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„Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste Mensch immer der, der dir gerade gegenübersteht, und das notwendigste Werk ist immer die Liebe.“

Meister Eckhart
Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, Eckhart - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Meister Eckhart (auch Eckehart, Eckhart von Hochheim, um 1260-1328) war ein einflussreicher spätmittelalterlicher Theologe und Philosoph. Er leistete einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung der deutschen philosophischen Fachsprache. Mit seinem Gedankengut hatte er beträchtlichen Einfluss auf die spätmittelalterliche Spiritualität im deutschen und niederländischen Raum.

In der Gegenwart leben – im Hier und Jetzt

Dieter tobte mit seinem Enkel auf dem großen Bett. Sein Enkel liebte dieses Toben und beide hatten ihren Spaß. Sie genossen den Augenblick.

Als Dieter etwas später am Tag über die schöne Zeit mit seinem Enkel sinnierte, wurde ihm etwas wehmütig zumute. Leider konnte er seine Enkelkinder aufgrund der geografischen Distanz nicht oft sehen. Würde es ihm gelingen, seinen immer größer werdenden Enkel auch beim nächsten Mal noch hochzuheben, um ihn dann so richtig auf das weiche Kissen plumpsen zu lassen? Würden sie wieder gemeinsam toben können?

Diesen Gedanken schob Dieter bewusst beiseite. Beide hatten die Gelegenheit des Augenblicks genutzt und Beziehung und Begegnung erlebt. Dieter hätte diese Zeit auch anders nutzen können, aber dann hätte er viel verpasst.

Nur die Gegenwart zählt

Die Gegenwart zählt! Vergangenheit ist vergangen, Zukunft ist noch nicht da.

Die Vergangenheit lässt sich nachträglich nicht mehr ändern. Nichts lässt sich mehr ungeschehen machen. Fehlern und Versäumnissen nachzugrübeln oder sich darüber zu ärgern führt zu nichts. Auch ein Zurückträumen in eine rosige Vergangenheit kann zwar Erinnerungen wieder ins Gedächtnis zurückholen, aber ein tatsächliches Wiederholen schöner Zeiten ist nicht mehr möglich.

Die Zukunft ist noch nicht da. Sie kann zwar geplant werden, aber es gibt keine Garantie, dass man Zukunft noch erlebt. Ein Unfall, ein Herzinfarkt, was immer es sei, kann die Zukunft plötzlich versperren. Dann wäre es unklug, das Leben gewissermaßen für später aufzubewahren, in der Erwartung, das Beste käme ja noch.

Gegenwart, Beziehung in der Gegenwart, Liebe im Tun und in Beziehungen – das Hier und Jetzt ausleben. Was für eine Herausforderung?

Gelegenheiten wurden genutzt

Wenige Jahre später hatte Dieter tatsächlich einen Unfall, als dessen Folge Rückenbeschwerden blieben. Sein Enkel hatte an Größe und Gewicht zugelegt, und es wäre Dieter auch so schon schwerer gefallen, mit seinem Enkel noch so zu toben, wie er es schon getan hatte. Aber jetzt war es überhaupt nicht mehr möglich – oder höchstens mit einer ordentlichen Dosis Schmerzmittel.

Die Zeit des gemeinsamen Tobens war wohl ein für alle Mal vorbei. Aber für ein „Hätte ich damals doch nur …“ gab es keinen Anlass. Jetzt war es nicht mehr möglich, jetzt war es so und nicht mehr zu ändern, aber Dieter hatte nichts verpasst.

Den Anderen aufwerten – Bedeutung spüren lassen

Für Dieter war sein Enkel während des gemeinsamen Tobens der bedeutendste Mensch. Er konzentrierte sich völlig auf den kleinen Jungen. Sein Enkel nahm es wahrscheinlich nicht als etwas Besonderes wahr, aber Dieter drückte im Grunde aus: „Du bist mir im Moment wichtiger als alles andere. Ich habe zwar auch sonst genügend zu tun, aber das kann jetzt warten.“.

Wenn man den Menschen, der einem gerade gegenübersteht oder gegenübersitzt – oder mit dem man sich gerade über moderne Medien kommuniziert (zu Meister Eckharts Zeiten gab es nur die persönliche Begegnung) -, als den bedeutendsten Menschen behandelt, wertet man sein Gegenüber auf. Man schenkt ihm die volle Aufmerksamkeit und drückt damit auch Wertschätzung aus.

Bei Menschen, die einem nahstehen oder die einem sympathisch sind, fällt es naturgemäß leicht(er), sie als die bedeutendsten Menschen des Augenblicks zu betrachten und sich auf sie einzulassen. Gerne schenkt man ihnen die volle Aufmerksamkeit und signalisiert Wertschätzung. Auch Dieter fiel es natürlich sehr leicht, sich mit seinem Enkel zu beschäftigen, denn er liebt ihn.

Zitat des Tages

Dankbarkeit beinhaltet Demut, R. Emmons - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

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Bedeutung spüren lassen – wenn es schwierig wird?

Doch wie verhält es sich, wenn einem der Andere (völlig) unsympathisch ist? Oder wie verhält es sich, wenn der Andere einen schon ein oder mehrere Male verletzt hat oder einem gerade auf die ein oder andere Art und Wiese zusetzt (beispielsweise durch Mobbing, Verbreitung von Gerüchten usw.)? Eine unvoreingenommene Begegnung ist dann nicht möglich. Geschehenes lässt sich nicht einfach vergessen oder verdrängen. Doch man kann sich nicht immer aussuchen, mit wem man gerade zu tun hat.

Wie kann man damit umgehen, wenn man für jemand eine „herzliche“ Antipathie empfindet, sich eine Begegnung aber nicht vermeiden lässt? Manchmal ergibt es sich, dass man mit dem Nachbarn, der an allem möglichen etwas auszusetzen hat, über etwas sprechen muss, was die gesamte Hausgemeinschaft betrifft. Oder man begegnet im Meeting dem Kollegen, von dem man weiß, dass er einen „hintenrum“ beim Vorgesetzten angeschwärzt hat. Kann man den Anderen, mit dem man es im Augenblick zu tun hat, auch dann noch als den bedeutendsten Menschen ansehen?

Angenommen, man würde tatsächlich absolut jeden Menschen – ob sympathisch oder unsympathisch, ob geliebt oder gehasst, ob angenehm oder lästig, ob „unbeschriebenes Blatt“ oder notorischer Wiederholungstäter, ob freudig erwartet oder „auf den Mond gewünscht“ – als den bedeutendsten Menschen wahrnehmen. Was könnte geschehen? Was könnte mit dem Anderen geschehen und was könnte mit einem selbst geschehen?

Wie auch immer man sich verhält, ob man Sympathie oder Antipathie spüren lässt: mit dem Anderen geschieht etwas und mit einem selbst geschieht ebenfalls etwas. Wenn man beispielsweise den Anderen im Ärger verletzt, fügt man auch sich selbst eine Verletzung zu. Man mag diese Selbstverletzung in der momentanen Befriedigung darüber, dem Anderen mal wieder gehörig die Meinung gesagt zu haben, kaschieren. Wenn man jedoch später daran zurückdenkt, mag ein Unbehagen (vielleicht ein schlechtes Gewissen) an diese Selbstverletzung erinnern.

Mit der Situation zurechtkommen – aber wie?

Es hat sich so ergeben und man hat es aktuell mit einer Person zu tun, die man nicht mag. Man kann nicht mehr ausweichen. Wie könnte man sich verhalten? Man könnte natürlich den Anderen seine Abneigung spüren lassen. Und man könnte sich, da Flucht aus der Situation nicht möglich ist, auf Kampf einstellen. Doch ist dies die einzige Möglichkeit?

Nicht alle Menschen wollen sich auf einen Kampf, der möglicherweise zu einer offenen und vielleicht auch lautstarken Auseinandersetzung führt, einlassen. Es entspricht einfach nicht ihrer Persönlichkeit. Oder sie fühlen sich von vornherein unterlegen und den vom Anderen vorgebrachten Argumenten oder Behauptungen nicht gewachsen. Oder es gibt andere Gründe, weshalb Kampf keine Option ist.

Wenn weder Flucht noch Kampf infrage kommen, bleibt nur noch die Möglichkeit, die eigene Einstellung zu ändern. Der österreichische Neurologe und Psychiater Viktor Frankl drückte es so aus: „Wenn wir eine Situation nicht mehr ändern können, müssen wir uns selbst ändern.“

Den Anderen so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte

Angenommen, man würde die eigene Einstellung ändern wollen. Wie könnte dann die eigene Einstellung aussehen?

Ein Gedanke wäre, den Anderen so behandeln zu wollen, wie man selbst behandelt werden möchte. Was wären die Konsequenzen? Einige dieser Konsequenzen lassen sich etwa so formulieren:

  1. Man nimmt den Anderen nachsichtig als unvollkommenen Menschen wahr, der noch nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt ist. Auch man selbst ist unvollkommen, macht zuweilen Fehler und hat sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Man wünscht sich, dass auch der Andere nachsichtig mit einem ist;
  2. Man interessiert sich für den Anderen, schenkt ihm Aufmerksamkeit und Zeit, denn man möchte auch, dass der Andere sich für einen interessiert;
  3. Man ist ein guter und aufmerksamer Zuhörer, denn man möchte schließlich auch, dass einem selbst zugehört wird;
  4. Man betrachtet Dinge auch aus dem Blickwinkel des Anderen, denn man wünscht sich dies auch vom ihm für sich selbst;
  5. Man achtet die Meinung des Anderen, auch dann, wenn sie der eigenen Meinung widerspricht. Man möchte auch, dass die eigene Meinung geachtet und man dadurch ernstgenommen wird;
  6. Man begegnet dem Anderen mit Freundlichkeit, denn das wünscht man sich von ihm auch für sich selbst;
  7. Man drängt dem Anderen nichts auf, denn man möchte auch vom Anderen nichts aufgedrängt bekommen.

Wenn man den Anderen so behandelt, wie man selbst behandelt werden möchte, schafft man gute Voraussetzungen für gute zwischenmenschliche Beziehungen. Antipathie kann sich möglicherweise im Lauf der Zeit in Sympathie verwandeln.

Den Anderen durch eine wie auch immer geartete „Abwertung“ ändern zu wollen, wird zu nichts führen. Man kann andere Menschen nicht ändern, außer durch ein gutes Beispiel in ihnen den Wunsch erwecken, sich ändern zu wollen.

Selbstwertschätzung – unbedingt notwendig!

Den Anderen als den im Augenblick bedeutendsten Menschen wahrzunehmen gelingt umso besser, je mehr man sich selbst wertschätzt. Mit einer gesunden Selbstwertschätzung befindet man sich eher in einer seelischen Balance und muss keine Defizite durch aggressives Verhalten kompensieren.

Der österreichische Arzt und Psychotherapeut Alfred Adler drückte es im Hinblick auf Gefühle, die bei mangelnder Selbstwertschätzung oft erlebt werden, unter anderem so aus: „Je größer das erlebte Gefühl der Unterlegenheit eines Menschen ist, desto größer ist die Heftigkeit, zu erobern, und desto gewaltsamer ist die emotionale Unruhe.“. Und den Zusammenhang zwischen Minderwertigkeitsgefühl und Überempfindlichkeit stellte er so dar: „Überempfindlichkeit ist Ausdruck eines Minderwertigkeitsgefühls.“.

Gutes und Sinnvolles tun – ganz praktisch

Geschenk mit Text - Gestaltung: privat
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Ein Experiment wagen?

Man könnte es einfach einmal in der Praxis als Experiment ausprobieren. Ein Experiment kann gelingen oder schiefgehen. Man könnte sich einen bestimmten Zeitraum vornehmen, vielleicht einen Monat.

Während dieser Experimentierphase versucht man, es mit Leben zu füllen: „Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste Mensch immer der, der dir gerade gegenübersteht, und das notwendigste Werk ist immer die Liebe.“. Nach Ablauf dieses Zeitraums beantwortet man sich dann selbst zwei Fragen:

  • Was hat sich in den Beziehungen mit den Mitmenschen geändert?
  • Was hat sich bei mir selbst geändert?

Höchstwahrscheinlich wird das Fazit positiv ausfallen. Man wird feststellen, dass die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen gewonnen hat. Und man wird feststellen, dass man selbst auch gewonnen hat: was man an Positivem ausgestrahlt hat, blieb nicht unerwidert. Einiges hat in das persönliche Leben zurückgestrahlt.

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.