Eingeübte Dankbarkeit wirkt lebensverändernd – garantiert!Lesezeit: 9 Min.

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„Eingeübte Dankbarkeit wirkt lebensverändernd – garantiert!“

Dieter Jenz
Eingeübte Dankbarkeit wirkt lebensverändernd, D. Jenz - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Dankbarkeit in widrigen Lebensverhältnissen

Dieters Großvater mütterlicherseits musste zwei Weltkriege erleben und durchleben. Bedingt durch Gefangenschaft konnte er erst Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder nach Hause zurückkehren. Doch sein Zuhause war mittlerweile ein anderes. Die Familie musste nach dem Krieg zusammen mit vielen anderen ihre Heimat, das Sudetenland, verlassen und landete schließlich praktisch mittellos in Baden-Württemberg. Dort fand Dieters Großvater seine Familie wieder.

Seine Verwandten, die fast ausnahmslos im unmittelbaren geographischen Umfeld seines früheren Heimatorts gelebt hatten, waren mittlerweile weit verstreut. Sie hatte es nach bzw. in die Gegend von Nürnberg, Frankfurt, Kassel, Stuttgart, verschlagen.

Aufgrund einer Kriegsverletzung am Unterschenkel trug Dieters Großvater ein orthopädisches Hilfsmittel, eine Orthese. Beim Gehen musste er einen Gehstock benutzen. Als er seine Familie wieder traf war er etwa 60 Jahre alt. In seinem Beruf als Schreiner konnte er aufgrund seiner Verletzung jedoch nicht mehr arbeiten.

Dieters Großvater hatte kein einfaches Leben. Zusammen mit seiner Frau lebte er nach seiner Heimkehr in der kleinen Wohnung in dem alten Bauernhaus, in dem sie untergekommen waren – in primitiven Verhältnissen. Sie hatten wirklich nur das Nötigste. Dazu zählten damals noch nicht einmal Bad und WC. Sie mussten sich während dieser Nachkriegsjahre eben behelfen.

Dieter hörte seinen Großvater nie klagen. Zumindest kann er sich nicht daran erinnern. Der Großvater strahlte einfach Herzenswärme aus. Des Öfteren konnte man ihn ein christliches Lied singen hören. In seiner Gegenwart fühlte sich Dieter geborgen und wohl. Noch heute, Jahrzehnte nach seinem Tod, denkt er oft an ihn und sagt im Stillen: „Danke, Opa!“.

Mit seinem Schicksal steht Dieters Großvater beileibe nicht alleine. Unzählige Menschen mussten und müssen bis heute aus ganz unterschiedlichen Gründen viel Leid ertragen. Sie alle eint eines: das nicht gelebte Leben. Das Leben seines Großvaters und das so vieler anderer Menschen wäre und würde völlig anders verlaufen, wäre nicht gewissermaßen von außen darin eingegriffen worden. Lebenszeit und Entfaltungsmöglichkeiten wurden geraubt, zumindest vorübergehend.

Wie es im Leben des Großvaters auch hätte weitergehen können

Dieters Großvater hätte nach der Wiedervereinigung mit seiner Familie auch anders auf sein Leben schauen können. Er hätte all das in den Blick nehmen können, was nicht mehr war, was verlorenging, was alles fehlte und was jetzt nicht mehr möglich war.

Das Sudentenland, in dem Dieters Großvater mit seiner Familie lebte, gehörte bis 1918 (de iure bis 1919) zu Österreich-Ungarn. Als junger österreichischer Soldat zog er in den Ersten Weltkrieg. Einige Monate nach Kriegsende wurde das Sudetenland 1919 Teil der Tschechoslowakischen Republik, die durch den Zerfall Österreich-Ungarns entstand. Dies blieb so bis 1938, als das Sudetenland aufgrund des Münchner Abkommens an das Deutsche Reich abgetreten werden musste. Jetzt lag sein Heimatort also auf dem Staatsgebiet des Deutschen Reiches – der zweite Wechsel staatlicher Hoheit innerhalb von nur zwei Jahrzehnten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand die Tschechoslowakei mit Ausnahme der Karpatenukraine, die der Sowjetunion überlassen werden musste, wieder in den Grenzen aus der Zeit vor dem Münchner Abkommen. Die sogenannten Beneš-Dekrete machten den Weg frei für die Vertreibung von ungefähr drei Millionen Sudetendeutschen. Mit maximal einem Koffer pro Person wurden auch die Ehefrau und die beiden Töchter von Dieters Großvater im Güterwaggon über die Grenze in das damalige Nachkriegsdeutschland geschickt.

Leider waren die Flüchtlinge aus dem Sudetenland in ihrer neuen Heimat, die ihnen fremd war, im Allgemeinen nicht willkommen. Die Flüchtlinge benötigten Wohnraum und da dieser knapp war, wurden sie oft in Häuser, in denen noch Platz war, zwangseingewiesen. Vielen Hauseigentümern waren die Zwangseinweisungen ein Dorn im Auge. Deshalb versuchten manche, durch mehr oder weniger deutliche Schikanen die ungebetenen Gäste so schnell wie möglich wieder loszuwerden.

Das Leben von Dieters Großvater wurde in dessen Blütezeit von den Entscheidungen anderer maßgeblich beeinflusst. Vor allem der österreichische Kaiser Franz Joseph I. und Adolf Hitler mit ihren jeweiligen Regierungen stellten Weichen im Leben von Dieters Großvater. Ihre Entscheidungen, Kriege zu erklären, wirkten sich direkt auf sein Leben aus. Hätte es diese Kriege nicht gegeben, hätte er sehr wahrscheinlich ein „normales“ Leben führen können. Dann wäre es auch nicht zur Entscheidung von Edvard Beneš und seiner Regierung gekommen, drei Millionen Menschen aus ihrer angestammten Heimat zu vertreiben. Der Großvater und seine Familie hätten sich nicht in einer neuen und fremden Umgebung zurechtfinden müssen. Schon alleine die Sprache war ihnen fremd. Das an ihrem neuen Wohnort gesprochene breite Schwäbisch unterschied sich deutlich von ihrem bairischen Dialekt. In gewisser Weise mussten sie eine neue Sprache lernen.

Praktisch mittellos, in der neuen Heimat nicht willkommen, ohne berufliche Perspektive, in primitiven Verhältnissen lebend – hätte Dieters Großvater nicht wie so viele Heimkehrer, die in den Kriegsjahren Schreckliches erlebten und erleben mussten, in Traurigkeit, Depression oder Verbitterung versinken können? Und wäre es nicht verständlich gewesen zu resignieren und sich in die Opferrolle zu ergeben?

Der andere Blick auf die Dinge

Was genau den Großvater „rettete“, kann Dieter nicht genau sagen. Sehr wahrscheinlich war es seine Familie. Dinge waren ihm nicht so wichtig, Menschen aber schon. Auch seine christliche Überzeugung, die er im Übrigen nach und trotz all dem Erlebten nicht verlor, spielte sicherlich eine wesentliche Rolle.

Ein weiteres: Der Großvater klammerte sich nicht an die Vergangenheit, an das, was einmal „normal“ und schön war. Hätte er daran festgehalten, wäre ihm unweigerlich immer wieder schmerzlich bewusstgeworden, was alles unwiederbringlich verlorenging oder jetzt nicht mehr möglich war. Ständig hätte er sich gedanklich mit Defiziten beschäftigt, ja sogar beschäftigen müssen.

Stattdessen blickte Dieters Großvater auf das, was sie jetzt hatten und was möglich war. Und dafür war er dankbar. Sein Fokus lag auf dem Hier und Jetzt.

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Mit Schicksalsschlägen umgehen – so oder so

Manche Menschen, die harte Schicksalsschläge erleiden müssen, sind traurig, gelähmt, depressiv, verbittert. Andere wiederum können sich, so wie Dieters Großvater, trotz allem in und mit ihrer Lebenssituation zurechtfinden und ein zufriedenes Leben führen. Woran liegt das? Gibt es ein Geheimnis?

Sicherlich war Dieters Großvater nicht für seine Kriegsverletzung und für all die auferlegten Wirren in seinem Leben dankbar. Aber er war in seiner Lebenssituation dankbar und zufrieden. Dankbarkeit scheint eine starke positive Kraft zur Wirkung zu bringen, die eine psychologische Schutzwirkung entfaltet. Von Verbitterung oder Depression war jedenfalls keine Spur zu finden. Im Gegenteil: er war dankbar, zufrieden und ausgeglichen.

War es eine genetische Veranlagung, die ihm dabei half, in seinem Leben trotz allem das Positive zu sehen? Oder war es eher eine bewusste Entscheidung?

Ob ein Mensch optimistisch oder pessimistisch veranlagt ist, ist durchaus teilweise genetisch bedingt. In Untersuchungen wurden Genvarianten entdeckt, die mit einer Neigung zu Zufriedenheit und Wohlbefinden, aber auch zu Depressionen in Zusammenhang gebracht werden können. Doch die daraus resultierenden Erkenntnisse können nur eine mögliche Erklärung für die Startbedingungen ins Leben bieten. Das reale Lebensumfeld und die während des Lebens gemachten Erfahrungen spielen jedoch eine weitaus größere Rolle.

Vor diesem Hintergrund ist es wohl vornehmlich die persönliche Entscheidung, wie ein Mensch sich selbst und sein Leben sieht. Doch handelt es sich um eine einmalige Entscheidung, etwa so: „Ab jetzt werde ich in jeder Lebenslage dankbar und zufrieden sein!“? Wäre dann gewissermaßen das Leben auf „Autopilot“ geschaltet und man würde souverän und mit einem Lächeln alle widrigen Situationen im Leben bewältigen?

Sicherlich nicht! Das Leben spricht eine andere Sprache. Ein Schicksalsschlag oder Negatives im Leben kann, bildlich ausgedrückt, den Boden unter den Füßen wegziehen. Deshalb muss manchmal – oder oft auch öfters als einem lieb ist – die Entscheidung für Dankbarkeit wieder neu getroffen werden.

Dankbarkeit erlernen und einüben – es lohnt sich!

Dankbarkeit ist ein starkes Gegengewicht zur „Magnetwirkung“ des Negativen, wenn der Blick immer wieder auf das Negative gerichtet zu werden droht. Sie lenkt den Blick auf das Gute und Schöne im Leben, das eben schon in den kleinsten Dingen auch da ist, auch wenn man es (noch) nicht bewusst wahrnimmt.

Wenn Dankbarkeit keine Angelegenheit einer einmaligen Entscheidung ist muss sie erlernt und eingeübt werden. Dieses Erlernen und Einüben lohnt sich! Die heutige Psychologie bestätigt, dass mit erlernter und eingeübter Dankbarkeit nicht nur die Seele, sondern auch der Körper positiv beeinflusst werden kann, und zwar messbar.

Der US-amerikanische Psychologe Robert Emmons erforschte zusammen mit weiteren Kollegen in mehr als zehnjähriger wissenschaftlicher Arbeit die Auswirkungen von Dankbarkeit auf die körperliche Gesundheit und das seelische Wohlbefinden. An den verschiedenen Studien nahmen Personen vom Kindes- bis zum fortgeschrittenen Seniorenalter teil.

Was die körperliche Gesundheit anbelangt, ließen sich nicht unerhebliche positive Effekte feststellen. Zu den wichtigsten zählen: Stärkung des Immunsystems, niedrigerer Blutdruck, längerer Schlaf, höhere Bereitschaft für regelmäßige Bewegung, und geringere Neigung zum Rauchen und Alkoholmissbrauch.

Bemerkenswert sind auch die positiven Auswirkungen auf die Psyche. In Dankbarkeit geübte Menschen erleben ein höheres Niveau an positiven Gefühlen. Sie sind dem Leben mehr zugewandt, erleben öfters Freude, sind optimistischer und glücklicher. Außerdem vermindert Dankbarkeit durch höhere psychische Widerstandsfähigkeit das Risiko, irgendwann im Leben an einer Depression zu erkranken. Davon abgesehen blockiert Dankbarkeit selbstschädigende Gefühle wie Neid oder Feindseligkeit. Es ist schlicht unmöglich, Dankbarkeit und Neid gleichzeitig zu empfinden.

Gutes und Sinnvolles tun – ganz praktisch

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Der Aspekt der höheren psychischen Widerstandsfähigkeit verdient besondere Beachtung. Robert Emmons fasste seine Erkenntnisse so zusammen: „Das bewusste Kultivieren einer Einstellung der Dankbarkeit baut eine Art psychologisches Immunsystem auf, das uns polstern kann, wenn wir fallen.“. Dankbarkeit „funktioniert“ demnach wie eine Art Airbag der Seele.

In der Gesamtschau erweist sich das Erlernen und Einüben von Dankbarkeit selbst für die kleinsten Dinge als ein hochwirksames und darüber hinaus völlig kostenloses Mittel zur Verbesserung sowohl der körperlichen Gesundheit als auch des seelischen Wohlbefindens. Dankbarkeit ist aktive Selbstfürsorge!

Unzählige Menschen erlebten in der Vergangenheit und erleben heute die lebensverändernde Kraft der Dankbarkeit. Der Lehrer und Theologe Hermann Bezzel ging sogar soweit, Folgendes zu formulieren: „Die größte Kraft des Lebens ist der Dank“. Und Friedrich von Bodelschwingh stellte Liebe und Dankbarkeit auf eine Stufe: „Dank und Liebe sind die großen Mächte der Welt“.

Dieter erlebte seinen Großvater als dem Leben zugewandt. All das, was an Negativem in seinem Leben vorgefallen war, konnte ihn nicht brechen. Ausschlaggebend für seine psychische Widerstandsfähigkeit war – so schätzt es Dieter heute ein – Dankbarkeit.

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.