Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, …Lesezeit: 9 Min.

Home » Ermutigung und Inspiration » Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, …

„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht.“

Vaclav Havel
Hoffnung ist nicht die Überzeugung, V. Havel - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Václav Havel (1936-2011) war ein tschechischer Dramatiker, Essayist, Menschenrechtler und Politiker. Während der Herrschaft der kommunistischen Partei war er einer der führenden Regimekritiker der Tschechoslowakei und zählte zu den Initiatoren der Charta 77, einer 1977 gegründeten Bürgerrechtsbewegung.

Von 1989 bis 1992 war er der letzte (neunte) Staatspräsident der Tschechoslowakei und von 1993 bis 2003 der erste der Tschechischen Republik. Seine Versuche, die damalige Tschechoslowakei (Tschechische und Slowakische Föderative Republik) zu bewahren, waren erfolglos. Er gilt als einer der Wegbereiter der deutsch-tschechischen Aussöhnung.

Für die persönliche Überzeugung ins Gefängnis

Während der Herrschaft der kommunistischen Partei (1948-1990) galt Václav Havel als einer der führenden Regimekritiker der Tschechoslowakei (bis 1960 Tschechoslowakische Republik, danach Tschechoslowakische Sozialistische Republik (ČSSR)). Für seine Überzeugungen musste er mehrmals ins Gefängnis.

Schon als Kind erlebte er turbulente politische Verhältnisse. Prag, seine Heimatstadt, wurde 1939 zur Hauptstadt des neu errichteten Protektorates Böhmen und Mähren (eine formal autonome Verwaltungseinheit auf tschechoslowakischem Gebiet unter nationalsozialistischer deutscher Herrschaft). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Tschechoslowakische Republik wiederhergestellt. Doch schon 1948, nach dem Februarumsturz, geriet die Republik unter die Herrschaft der kommunistischen Partei und wurde in den von der Sowjetunion dominierten Ostblock integriert.

Václav Havel wuchs in einer einflussreichen Prager großbürgerlichen Familie auf. Sein Vater war Bauunternehmer, seine Mutter Kunsthistorikerin und Malerin. Nach der Machtübernahme durch eine kommunistische Regierung (1948) wurde die Familie Havel enteignet.

Aufgrund seiner bürgerlichen Herkunft musste Václav Havel auf seinem Bildungsweg Nachteile in Kauf nehmen. Nach Beendigung der Schulpflicht (1951) durfte er keine weiterführende Schule besuchen. Er besuchte jedoch eine Abendschule und schloss diese sekundäre Ausbildung ab.

Nach seinem zweijährigen Militärdienst in der tschechoslowakischen Volksarmee fand er 1959 Arbeit als Bühnentechniker in zwei kleinen Prager Theatern. Hier fand er Raum für seine persönlichen Interessen, Begabungen und Fähigkeiten. Schon seit seinem 20. Lebensjahr schrieb er auch Artikel für Literatur- und Theaterzeitschriften. Sein literarisches Debüt gab er 1955 in der Zeitschrift Květen. 1963 entstand sein erstes selbstständiges Bühnenwerk mit dem Titel „Das Gartenfest“, das im Oktober 1964 erstmals in der Bundesrepublik Deutschland aufgeführt wurde.

Im Jahr 1963 begannen Intellektuelle, öffentlich sozialistische Dogmen zu hinterfragen. Damit legten sie die Saat für den Prager Frühling, den Versuch der Reformkommunisten, im Frühjahr 1968 einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz zu etablieren. Dieser Versuch fand durch am 21. August 1968 einmarschierende Truppen des Warschauer Paktes sein jähes Ende.

Václav Havel wurde im Lauf der Zeit zu einer führenden Figur der Dissidentenszene im Untergrund. Er war führendes Mitglied im Schriftstellerverband, der 1967 auf einem Kongress direkte Kritik an der Parteiführung übte. Neben einer Anzahl anderer Kongressteilnehmer wurde es Václav Havel verboten, bei den Wahlen des Schriftstellerverbands zu kandidieren. Während des Prager Frühlings 1968 war Václav Havel Vorsitzender des „Klubs unabhängiger Schriftsteller“.

1976 kam es zu einem Zusammenschluss von Künstlern und Intellektuellen mit dem Ziel, auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen, die im Widerspruch zu der vom tschechoslowakischen Außenminister unterschriebenen Schlussakte von Helsinki standen. Am Neujahrstag 1977 wurde die Petition Charta 77 gegen die Menschenrechtsverletzungen des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei veröffentlicht. Václav Havel war einer der hauptsächlichen Verfasser der Erklärung und zugleich einer der Sprecher der gleichnamigen Bewegung. Zum Unwillen der Regierung wurde die internationale Aufmerksamkeit auf die Unfreiheit in der Tschechoslowakei gelenkt. Als Reaktion darauf verstärkte sich die Repression des kommunistischen Regimes.

In den Jahren seines hervorgehobenen politischen Engagements wurde Václav Havel dreimal verhaftet und verbrachte insgesamt etwa fünf Jahre im Gefängnis. Davon abgesehen erhielt er in der Tschechoslowakei Aufführungs- und Publikationsverbot.

Václav Havel wurde schließlich zu einer der tragenden Persönlichkeiten in der zunächst von Studenten und Künstlern getragenen „Samtenen Revolution“ in der Tschechoslowakei. Als Kandidat des Bürgerforums wurde er am 29. Dezember 1989 von den Vertretern der Föderalversammlung einstimmig zum Staatspräsidenten gewählt. In dieser Funktion führte er das Land am 5. Juli 1990 zu freien Wahlen. Das neue Parlament bestätigte ihn als parteilosen Präsidenten.

Was war die Motivation für seinen Widerstand?

Wären ihm nicht die Fesseln des Aufführungs- und Publikationsverbots angelegt worden, wäre für Václav Havel sehr wahrscheinlich auch unter der Herrschaft des kommunistischen Regimes eine erfolgreiche Karriere möglich gewesen. Sehr wahrscheinlich hätte er von seinen Einkünften ein zumindest auskömmliches Leben führen können. Seine Theaterstücke fanden auch im Ausland Aufmerksamkeit und wurden dort erfolgreich aufgeführt.

Alles was Václav Havel hätte tun müssen, um ein einigermaßen bequemes Leben zu führen, wäre das Arrangement mit dem Regime gewesen. Er hätte nur darauf verzichten müssen, sich gegen das Regime zu stellen. Diesen Verzicht hätte er gegenüber sich selbst leicht begründen können. „Was kann ich alleine gegen den Staat schon ausrichten?“, „Selbst wenn sich in der Tschechoslowakei etwas ändert, werden die Russen das nie tolerieren und auf jeden Fall eingreifen!“ oder „Weshalb soll ich mich für Veränderung einsetzen, wenn ich dafür mit Sicherheit im Gefängnis lande?“ – solche oder ähnliche Fragen stellte er sich vielleicht selbst. Und er hätte sich auch selbst sagen können: „Sollen sich doch andere die Nase anstoßen!“.

Doch der Wunsch nach einer beruflichen Karriere stand offensichtlich hinter Václav Havels Maxime, in Wahrheit zu leben, zurück. „Versuch, in der Wahrheit zu leben“, so nannte Václav Havel seinen 1978 verfassten, vielbeachteten politischen Essay. Dana Horáková, Journalistin, Autorin und politische Weggefährtin resümierte, dass Václav Havel sein Leben lang nur eines wirklich wollte: in Wahrheit leben. Er wollte nicht falsch sein gegenüber irgendjemandem – und sich selbst gegenüber auch nicht.

Sich mit dem kommunistischen Regime zu arrangieren hätte für ihn in der Konsequenz bedeutet, falsch zu sein. Um sich selbst gegenüber nicht untreu zu werden blieb ihm nur der Weg des Widerstands.

Zitat des Tages

Dankbarkeit beinhaltet Demut, R. Emmons - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zum zugehörigen Text.

Was macht Sinn, egal wie es ausgeht?

Verkürzt lautet das Zitat: „Hoffnung ist die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht“. Wie lässt sich dies im täglichen Leben belegen?

Wer das Leben mit einer engen Fokussierung auf Erfolg sieht, für den ergibt diese Aussage keinen Sinn. Hoffnung ist dann mit der konkreten Erwartung eines definierten Erfolgs verknüpft. Wenn der Erfolg nicht eintritt, hat sich die Hoffnung zerschlagen, war alle Anstrengung letztlich vergebens.

Wenn die Perspektive gewechselt wird, wird Hoffnung ausnahmslos immer erfüllt, da ja alles, was gerade geschieht und wie es geschieht, Sinn macht. Das Leben ist gewissermaßen in einen höheren Zusammenhang eingeordnet. Nichts geht verloren. Dann sind auch die dunklen Zeiten im Leben nicht verlorene Zeit, sondern sind sinnvoll gelebte Zeit.

Doch lässt sich mit allem, mit jedem Vorhaben, mit jedem Ziel, ein Sinn verknüpfen? Ergibt auch dann etwas Sinn, wenn ein Vorhaben, ein Ziel, der Allgemeinheit schaden kann? Konkreter, anhand eines plakativen Beispiels, gefragt: Ergäbe es Sinn, das Rechtsfahrgebot im Straßenverkehr abzuschaffen und es jedem Fahrer freizustellen, welche Straßenseite gewählt wird? Sicherlich nicht!

Václav Havels Ausspruch darf nicht von seinem Lebenskontext losgelöst werden. Er leistete aus persönlicher Überzeugung Widerstand gegen ein Regime, das unrecht handelte. Er konnte es auch begründen. Die Regierung hielt sich u. a. nicht an geltende Gesetze. So steht er in der Reihe vieler anderer Menschen auf dem ganzen Erdball, die sich in Vergangenheit und Gegenwart gegen Unrecht stellten bzw. stellen.

Auch in der deutschen Geschichte leisteten Menschen Widerstand gegen Unrecht. Beispielhaft seien genannt:

  • Dietrich Bonhoeffer: ein Theologe, der am deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt war;
  • Sophie und Hans Scholl: Studenten, die als Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose gegen das NS-Regime gerichtete Flugblätter herstellten und verteilten;
  • Eugen Gerstenmaier: ein Theologe und Politiker, der in Pläne zum Attentat auf Adolf Hitler eingeweiht war. Von 1954 bis 1969 war er Präsident des Deutschen Bundestages;
  • Oskar Schindler: ein Unternehmer, der während des Zweiten Weltkrieges etwa 1200 bei ihm angestellte jüdische Zwangsarbeiter vor der Ermordung in den Vernichtungslagern bewahrte.

Sie stehen beispielhaft für viele andere, die davon überzeugt waren, dass ihr Handeln Sinn macht, egal wie es schließlich ausgeht. Auf ganz individuelle Art und Weise stellten sie sich gegen ein nationalsozialistisches Regime, das nach ihrer Überzeugung unrecht handelte und, davon abgesehen, auch gegen selbst erlassene Gesetze verstieß.

Aber auch weitaus weniger prominent und oft auch im Verborgenen gewährten Menschen unrechtmäßig Verfolgten Unterschlupf und versorgten sie mit Nahrung und sonstigem Lebensnotwendigen. Sie nahmen Risiken auf sich und handelten bewusst gegen das Gesetz. Sie verschlossen vor dem möglichen Scheitern nicht die Augen, bewerteten aber den Sinn ihrer Initiative höher als die Gefahr des Scheiterns.

Viele die sich gegen Unrecht stellten, mussten dafür einen hohen Preis bezahlen. Ihnen war bewusst, welche Strafe möglich war, wenn ihr Handeln entdeckt wurde. Manche (z. B. Dietrich Bonhoeffer) bezahlten mit ihrem Leben. Andere wiederum (z. B. Eugen Gerstenmaier) kamen mit mehrjährigen Gefängnisstrafen davon. Und wieder anderen (z. B. Oskar Schindler) gelang es, ihr Handeln so zu verdecken, dass es zu keiner Verhaftung kam.

Gutes und Sinnvolles tun – ganz praktisch

Geschenk mit Text - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zum zugehörigen Text.

Wird Hoffnung durch Gewissheit ersetzt?

Wenn etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht, kann Hoffnung im Grunde nicht mehr enttäuscht werden. Man empfindet Gewissheit, dass man sich für etwas Höheres, Größeres, einsetzt, das alle Mühen und Entbehrungen wert ist.

Mancherlei Rückschläge kann es durchaus geben. Die gewaltsame Niederschlagung des Versuchs im Jahr 1968, einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ zu schaffen (als Prager Frühling in die Geschichte eingegangen), sei stellvertretend genannt. Von 1968 bis 1989 vergingen noch 21 Jahre, bis in der Tschechoslowakei die „Samtene Revolution“ zum politischen Systemwechsel hin zur Demokratie führte. Nicht nur während dieser Jahre, sondern auch davor, war Václav Havel verschiedenen Repressalien ausgesetzt.

Vom Blickpunkt des Jahres 1968 aus gesehen war völlig ungewiss, wie sich die Verhältnisse in der Tschechoslowakei entwickeln würden. Es hätte auch völlig anders kommen können, vielleicht dergestalt, dass die „Samtene Revolution“ nie stattgefunden hätte. Aber für Václav Havel war klar, dass sein Handeln Sinn machte, egal wie es letztlich weiterging.

Zitate nach Quellen
Zitate-Suche *

* Sie können nach Text suchen, der in Zitaten vorkommt (Beispiele: „Glück“, „hoff“)

Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.