Wenn du etwas nicht magst, ändere es. Wenn du es nicht ändern kannst …

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„Wenn du etwas nicht magst, ändere es. Wenn du es nicht ändern kannst, ändere deine Einstellung. Beschwere dich nicht.“

Maya Angelou
Wenn du etwas nicht magst, M. Angelou - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Maya Angelou (1928-2014) war eine US-amerikanische Schriftstellerin, Professorin und Bürgerrechtlerin. Sie gilt als wichtige Persönlichkeit der Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner in den USA.

Immer wunschlos glücklich?

Kann man immer wunschlos glücklich sein? Eigentlich ist es eine rhetorische Frage. Wohl niemand ist wunschlos glücklich. Und es gibt immer etwas, das man nicht mag. Die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse, die Nachbarn, das Verhalten der Geschwister in einer Erbangelegenheit, die Verschlossenheit des Partners … – eine Aufzählung würde nahezu endlos.

Wie kann man damit umgehen, wenn man etwas nicht mag? Flüchtet man sich in das Jammern? Ist man bereit, es einfach hinzunehmen? Besteht man darauf, dass sich etwas oder jemand ändern muss? Oder reagiert man, indem man etwas bei sich oder sich selbst ändert?

Bringt Jammern weiter?

Michael (Name geändert), ein Mann mittleren Alters, tendiert dazu, das Negative im Leben sehen. In Gesprächen klagte er immer wieder mit fast weinerlicher Stimme über die Verhältnisse, dass er wenig – in seinen Augen zu wenig – verdiene, dass er an verschiedenen körperlichen Beschwerden leide, dass er sich nicht das leisten könne, was er sich wünsche.

Beim Klagen blieb es nicht. Michael ging noch weiter und forderte ein. Er wolle auch einmal eine Kreuzfahrt machen wie andere. Sich das leisten können, was andere sich leisten könnten, das wolle er auch. Groß einkaufen können wie andere, auch das wolle er. Und so ging es weiter.

Auf der Suche nach Verantwortlichen für seine Lebensumstände bekamen alle ihr „Fett“ ab, die Politiker, die Manager, kurzum alle. Bei sich sah er praktisch keine Verantwortung für seine Lebensumstände. Immer waren die anderen schuld. Er klagte immerzu und war fast nicht zu bremsen.

Während Michael sich ständig darauf konzentrierte, was er alles nicht hatte, was er nicht konnte, was ihm alles verwehrt blieb, übersah er die andere Seite der Medaille. Versuche, seine Aufmerksamkeit darauf zu lenken, was er alles hatte und was er alles konnte, liefen ins Leere. Der Hinweis, dass er ja schließlich ein Haus besitze, dass er einen Arbeitsplatz habe und seinen Unterhalt selbst verdienen könne, und dass er im Gegensatz zu anderen Menschen körperlich nicht eingeschränkt sei, perlte an ihm ab.

Michael hatte die Wirklichkeit etwas verzerrt. Aus Sicht anderer ging es ihm nicht so schlecht wie er selbst es einschätzte. Andere nahmen wahr, dass es nicht wenige Menschen gibt, die eine Arbeitsstelle suchen, aber keine finden. Und andere nahmen auch wahr, dass Michael ein Haus besitzt, während viele einen beträchtlichen Teil ihres Einkommens für die Miete aufwenden müssen.

Alle Versuche, Michael das Positive in seinem Leben ins Bewusstsein zu rufen, schienen fehlzuschlagen. Ständig fiel er wieder in das Klagen und Anklagen zurück. Das Positive ignorierte er einfach. Fast schien es als würden Worte auf einer für ihn unhörbaren Frequenz gesprochen.

Ging es Michael durch das ständige Klagen in irgendeiner Hinsicht besser? Keineswegs! Er steckte in seiner Endlosschleife fest. Der Eindruck, dass er sich daraus auch nicht lösen wollte, war nicht von der Hand zu weisen. Bei alledem war Michael auch noch einsam. Er hatte niemanden (mehr), der sich sein dauerndes Lamentieren noch anhören wollte. Wen würde dies wundern?

Sein Jammern und Wehklagen war darauf gerichtet, Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber nach einer Weile drang er damit nicht mehr durch. Er entzog sich selbst Energie – und änderte an seiner beklagten Situation trotzdem nichts. 

Bringt Hinnehmen weiter?

Sandra (Name geändert) erzählte von einer seit etwa einem Jahr bestehenden Liebesbeziehung. Sie liebt ihren Freund, sehnt sich nach Beziehung mit ihm. Er liebe sie auch, meint sie, und er drücke dies auch mit Worten aus. Dennoch vermisst sie in ihrer Beziehung etwas: es ist keine Beziehung auf Augenhöhe.

Ihr Freund, der in einem anderen Kulturkreis aufwuchs, hat ein anderes Frauenbild als sie es sich wünscht. Sie fühlt sich von ihm nicht wirklich wahrgenommen und respektiert. Aus ihrer Sicht geschieht immer das, was er will. Und stets hat er die Deutungshoheit.

Die beiden leben in einer Fernbeziehung, aber es ist geplant, dass sie in näherer Zukunft zusammenziehen. Wenn Sandra ihren Freund anruft, kann es sein, dass er ihren Anruf ignoriert. Dabei weiß Sandra, dass er „online“ ist. Es schmerzt Sandra, zu wissen, dass er sie abweist. Schließlich könnte er auch anders regieren. Er könnte beispielsweise ihren Anruf annehmen und, falls der Anruf gerade ungelegen kommt, ihr kurz „etwas Nettes“ sagen und seinen Rückruf ankündigen.

Die abgewiesenen Anrufe sind nur einer von mehreren Punkten, die Sandra an ihrer Beziehung stören. Sie empfindet ein Ungleichgewicht. Er dominiert und erwartet, dass sie sich ihm unterordnet. Sandra nimmt das Verhalten ihres Freundes (noch) hin. In ihrer Beziehung ist sie unglücklich.

Wenn Sandra das Ungleichgewicht in der Beziehung hinnimmt und mehr oder weniger still leidet, ändert sie an der Situation nichts. Ihre Bedürfnisse, geachtet, respektiert, auf Augenhöhe behandelt zu werden, bleiben ungestillt. Und auch sie entzieht sich Energie.

Was kann man ändern – und was nicht?

Manchmal kann man ausweichen, wenn man etwas nicht mag. Wohnt man beispielsweise in der Einflugschneise eines Großflughafens und leidet unter dem Fluglärm, könnte man sich für einen Umzug entscheiden. Oder wenn man sich in einem Gesangsverein nicht wohlfühlt, könnte man sich einem anderen anschließen. Doch was kann man ändern, wenn man von anderen abhängig ist?

Als Arbeitnehmer kann Michael nicht einfach von einem Tag auf den anderen sein Einkommen steigern. Wenn er nicht durch außergewöhnliche Leistung überzeugen kann und sich auf diese Weise eine überproportionale Gehaltserhöhung verdient, wird seine Gehaltsentwicklung in relativ vorhersehbaren Bahnen verlaufen. Wollte er sein Einkommen über das Erwartbare hinaus steigern, aber bei seinem Arbeitgeber bleiben, müsste er sich eine Nebentätigkeit suchen oder anderweitig kreativ werden, um sich Einkommensquellen zu erschließen. Aber daran hatte er bisher nicht gedacht.

Michael könnte auch daran denken, sich eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Er könnte etwas an seiner Situation ändern, wenn er eine bessere Arbeitsstelle mit höherem Verdienst findet. Aber in seinem Alter ist er zurückhaltend. Und so wird sich nichts ändern, es sei denn er geht ein Risiko ein.

Was müsste sich ändern, damit Sandra in der Beziehung glücklich werden kann? Sie hat sich auf ihren Freund eingestellt, aber er sich offenkundig nicht auf sie. Es müsste ihr gelingen, ihn zu ändern, doch dies ist von Vornherein völlig unmöglich. Es wird nie gelingen, einen anderen Menschen zu ändern. Sandras Freund wird sich nur dann ändern, wenn er es von sich aus wirklich möchte.

Wenn sich Umstände nicht ändern lassen

Zahllose Menschen sind Umständen ausgesetzt, die sie nicht mögen und die sie auch nicht ändern können. Diese Erfahrung musste auch der Neurologe und Psychiater Viktor Frankl machen, in besonders schlimmer Weise. Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde er im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und musste bis zu seiner Befreiung im April 1945 noch drei weitere Konzentrationslager durch- und überleben.

In seiner Situation blieben ihm so gut wie keine Handlungsmöglichkeiten. Offener Widerstand hätte höchstwahrscheinlich seinen Tod bedeutet. Um überhaupt überleben zu können, musste er sich gezwungenermaßen in das Lagerleben einfügen. Er kam zu einem ganz ähnlichen Schluss wie Maya Angelou und formulierte es so: „Wenn wir eine Situation nicht mehr ändern können, müssen wir uns selbst ändern.“.

Wie könnte man sich selbst ändern, wenn sich die Umstände nicht ändern lassen? Ist dies nicht sehr viel leichter gesagt als getan? Und wo und wie könnte man beginnen?

Beginnen kann man nur dort, wo man selbst etwas beeinflussen kann, es im besten Fall vollständig unter Kontrolle hat. In erster Linie ist dies die eigene persönliche Einstellung.

Michael könnte seine Einstellung ändern, indem er auf das sieht, was er hat. Bisher schaut er vornehmlich auf das, was er nicht hat. Wenn es ihm gelänge, seine Einstellung zu ändern, würde er mehr Dankbarkeit empfinden. Sein Einkommen verändert sich nicht, aber seine veränderte Einstellung würde sich positiv auf seine Lebenszufriedenheit auswirken. Und in den Augen seiner Mitmenschen wäre er nicht der notorisch unzufriedene Griesgram. Seine Ausstrahlung würde sich positiv verändern. Aus seiner Einsamkeit und Isolation könnte er ausbrechen.

Sandra könnte ihre Einstellung ändern, indem sie sich ihre Würde bewusst macht. Jetzt sucht sie noch die Nähe ihres Freundes, um Bestätigung zu finden. Dadurch macht sie sich von ihm abhängig. Wenn sie sich aber von Herzen ihrer Würde bewusst ist, braucht sie externe Bestätigung nicht mehr. Ihre Selbstwertschätzung, ihr Selbstbewusstsein sind gestärkt. Da sie dann auch nur eine Beziehung auf Augenhöhe tolerieren würde, wäre die Trennung von ihrem Freund wahrscheinlich – es sei denn er ändert sich auch.

Die Einstellung ändern – eine Willensentscheidung

Die persönliche Einstellung entwickelt sich im Lauf des Lebens, beeinflusst und geprägt von positiven wie negativen Erfahrungen. Sie tendiert dazu, sich immer stärker zu verfestigen, im ungünstigen Fall vielleicht sogar bis hin zu pathologischen Persönlichkeitszügen, wie beispielsweise Starrsinn, Besserwisserei oder Dominanzstreben.

Wenn man seine Einstellung so verändern möchte, dass man dem Leben auch in schwierigen Situationen und Zeiten immer etwas Positives abgewinnen kann, bedarf es einer bewussten Willensentscheidung. Und wenn man feststellt, dass man wieder in das „alte“ Denken zurückgedriftet ist, bedarf es einer Erneuerung dieser Willensentscheidung. Dass man sich selbst immer wieder „in die Spur“ zurückbringen muss, ist die Regel, nicht die Ausnahme.

Im Grunde nimmt man Verantwortung für sich selbst an und wahr. Es liegt in der Selbstverantwortung, wie man sein Denken und dann auch sein Handeln steuert. Und mit dieser Einstellung zum Leben entscheidet man dann auch, wie man auf sich, sein Leben und die Lebensumstände schaut: wohlwollend (trotz allem) oder verurteilend, dankbar (trotz allem) oder undankbar, …

Was kann man verlieren, wenn man auf seine persönliche Einstellung achthat? Nichts! Man kann nur gewinnen!

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.