Das Glück ist ein Schmetterling. Jage ihm nach und er entwischt dir …

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„Das Glück ist ein Schmetterling. Jage ihm nach und er entwischt dir. Setze dich hin und er lässt sich auf deiner Schulter nieder.“

Anthony de Mello
Das Glück ist ein Schmetterling, A. de Mello - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Anthony de Mello (1931-1987) war ein indischer Jesuitenpriester, spiritueller Lehrer und Psychotherapeut. Sein in späteren Lebensjahren ausgeprägter pantheistischer Ansatz stieß in der katholischen Kirche zunehmend auf Widerstand und Kritik.

Das Glück – ein Schmetterling?

Hat man schon einmal versucht, einen Schmetterling zu fangen? Als Kind wahrscheinlich schon. Welche Erfahrung hat man dabei gemacht? Mit ziemlicher Sicherheit ist es mit den Händen nicht gelungen. Viele Versuche endeten immer auf die gleiche Weise. Der Schmetterling war einfach zu schnell, er entkam mühelos. Man hätte ein Netz benötigt (dessen Einsatz aber verboten ist).

Der Schmetterling steht für ein bewegliches Ziel, das man nicht unter Kontrolle hat. Er folgt seinen eigenen Gesetzen. Schmetterlinge lassen sich nicht zähmen und sind auch nicht dressierbar.

Wenn sich das Glück wie ein Schmetterling verhält, wie kann man es dann im übertragenen Sinn fangen? Natürlich wäre zu klären, welche Vorstellung man von Glück hat und was Glück für einen persönlich bedeutet. Meint man Glück in der Liebe, Glück in materieller Hinsicht, Glück im Beruf, …? Welcher Art Glück möchte man nachjagen und es, bildlich gesprochen, fangen?

Ein Beispiel für eine populäre Form der Glücksjagd ist Lotto spielen. Man jagt gewissermaßen den Schmetterling des materiellen Glücks.

Wie leicht oder schwer ist es, den „Schmetterling“ zu fangen?

Angenommen, man investiert jede Woche genau 10 Euro in einen Lottoschein (fiktiver Betrag, in Wirklichkeit nicht exakt erreichbar, entspricht etwa 8 Feldern). Übers Jahr gibt man somit 520 Euro aus. Wenn man 50 Jahre lang spielen würde, läge der Gesamteinsatz bei 26 000 Euro.

Es wäre natürlich zu schön, einmal 6 Richtige oder – noch besser – 6 Richtige plus Superzahl zu tippen. Die statistische Chance auf 6 Richtige liegt bei 1:15 537 573. Mit anderen Worten: Man müsste bei wöchentlichem Einsatz rein statistisch gesehen etwa 298 800 Jahre lang Lotto spielen, um einmal 6 Richtige zu tippen. Bei 6 Richtigen plus Zusatzzahl liegt die statistische Gewinnchance bei 1:139 838 160. Entsprechend müsste man weit über 2,5 Millionen Jahre lang spielen.

Angenommen, man würde mit 6 Richtigen genau 1 Million Euro gewinnen (oft liegt die Gewinnsumme jedoch darunter). Wenn man sie gleich beim ersten Mal tippt, ist der Return on Investment, die Rendite, gigantisch. Man hat 10 Euro investiert und 1 Million Euro gewonnen. Tippt man sie beim allerletzten Mal, also nach den 50 Jahren, hat man 26 000 Euro investiert und 1 Million Euro gewonnen. Die Investitionsrendite ist immer noch gigantisch.

Selbstverständlich wird man während der 50-jährigen Spielteilnahme immer wieder kleinere und größere Gewinne erzielen. Es mag sogar sein, dass mit etwas Glück dem Gesamteinsatz von 26 000 Euro Gewinne in etwa dieser Höhe gegenüberstehen (um beispielsweise 5 Richtige zu tippen, müsste man „nur“ 1 158 Jahre lang spielen).  

Natürlich möchte man lieber früher als später im Leben gewinnen. In jüngeren Jahren sind die Wünsche oft größer als im Alter. Man möchte sich große Wünsche erfüllen, die (sehr) viel Geld kosten, wie beispielsweise ein schönes Haus. Aber auch in höherem Alter ist es natürlich immer noch schön, sich Wünsche erfüllen zu können und sich in finanzieller Hinsicht keine Sorgen machen zu müssen. Doch ein Zeitraum von 50 Jahren entspricht nur 0,000167 % von etwa 298 800 Jahren Spielzeit, um 6 Richtige zu tippen. Man hat also in der Tat großes Glück, wenn man den Schmetterling des hohen Lottogewinns fängt.

Ist Glück eine Illusion?

Jeder kann für sich entscheiden, ob Lotto eine gute Möglichkeit ist, den Schmetterling des finanziellen Glücks zu jagen. Allgemeiner ausgedrückt: Jeder kann für sich entscheiden, ob eine bestimmte Methode, den Schmetterling des Glücks zu jagen, geeignet ist.

Hätte man den Schmetterling des Glücks tatsächlich gefangen, würde sich die Frage stellen, ob man nicht vielleicht sogar einer Illusion nachgejagt ist. Natürlich kann man, wenn man im Lotto 6 Richtige tippt, ob ohne oder plus Zusatzzahl, mit Recht sagen: „Ich habe Glück gehabt“. Trotz äußerst geringer Wahrscheinlichkeit hat man die richtigen Zahlen getroffen.

Man hat einerseits zwar Glück gehabt, aber ist man andererseits tatsächlich glücklich geworden? Wie die Erfahrungen vieler Lottogewinner zeigen, macht ein Lottogewinn zwar glücklich, jedoch nicht unbedingt langfristig. In nicht wenigen Fällen brachte ein Lottogewinn unter dem Strich sogar eher Unglück. Glück erwies sich letztlich als Illusion. „Glück haben“ ist nicht identisch mit „glücklich sein“. Zwischen beidem besteht ein himmelweiter Unterschied.

Die Klärung – was bedeutet Glück für einen persönlich?

Der Aphorismus ist in einen größeren Kontext eingebettet. In seinem Buch „Gib deiner Seele Zeit: Inspiration für jeden Tag“ schrieb Anthony de Mello: „Das Glück ist ein Schmetterling“, sagte der Meister. “ Jag ihm nach und er entwischt dir. Setz dich hin und er lässt sich auf deiner Schulter nieder.“ „Was soll ich also tun, um das Glück zu erlangen?“, fragte der Schüler.“ „Du könntest versuchen, dich ganz ruhig hinzusetzen – falls du es wagst!“

Was bedeutet es sich hinzusetzen, um das Glück zu erlangen? Wenn man sich hinsetzt, nicht nach dem Schmetterling jagt, richtet man seine Aufmerksamkeit nicht auf ihn. Der Schmetterling ist nicht (mehr) wichtig.

Wenn man sich, bildlich gesprochen, hinsetzt, begrenzt man seinen eigenen Aktionsradius. Man kann nur noch das greifen, was sich in Reichweite der Arme befindet und schließt sich vom Jagen weitgehend aus. Unweigerlich wendet man sich selbst zu. Und man gibt sich selbst die Chance, im Nachdenken Dinge für sich zu klären.

Die persönliche Vorstellung von Glück

Welche Vorstellung hat man überhaupt von Glück? Versteht man unter Glück „Glück haben“ oder „glücklich sein“? Man muss eine konkrete Vorstellung von Glück haben, denn sonst kann man natürlich nie wissen, ob man glücklich ist. Diese Vorstellung bringt einen schließlich auch dazu, sein Handeln zu planen und zu steuern. Man will ja auf das persönliche Glück Kurs nehmen. Hätte man beispielsweise die Vorstellung, dass Glück für einen „Glück haben“ bedeutet, würde man vielleicht Lotto spielen.

Die Klärung der persönlichen Vorstellung von Glück geschieht auf dem Boden der eigenen Vorgeschichte. Wie war die Vorstellung von Glück in der Kindheit? Welche Vorstellung hat das familiäre Umfeld vermittelt? Was hat man im Lauf der Zeit selbst an Glück bei seinen Mitmenschen wahrgenommen? Wie hat man damals über dieses Glück gedacht und wie denkt man jetzt darüber?

Glück – kein Schwarz-Weiß-Bild

„Glück haben“ ist eine einmalige Angelegenheit, die sich jedoch durchaus öfters wiederholen kann. Man kann beispielsweise mehrmals im Lotto gewinnen, wobei jedes Gewinnereignis für ein Mal Glück haben steht. „Glücklich sein“ deutet hingegen auf einen dauerhaften Zustand hin. Doch kann man realistischerweise dauerhaft glücklich sein?

Wenn man in einer Paarbeziehung lebt und die Beziehung als glücklich empfindet, bezieht sich dies auf die Beziehung insgesamt. Schließlich erlebt man nicht ausschließlich und immer nur glückliche Momente miteinander. Es gibt auch die dunklen Momente. Vielleicht hat man in einer Situation überreagiert und den Partner gekränkt. Oder der Partner fühlt sich in einer Situation vernachlässigt. Trotzdem ist man glücklich darüber, dass man den Partner bzw. die Partnerin hat.

Ein Paar, das ein Wunschkind bekommen hat, wird glücklich sein. Doch das Kind wird größer und es verhält sich nicht immer so, wie sich die Eltern dies wünschen. Es erlebt seine natürlichen Trotzphasen. Während eines solchen Trotzmoments, wenn die Nerven schon sehr angespannt sind, mag Vater oder Mutter – oder vielleicht auch beide – das Kind möglicherweise am liebsten „an die Wand klatschen“. Trotzdem sind sie glücklich darüber, dass sie ein Kind haben.

Das Empfinden von Glück kann mit anderen Empfindungen, wie beispielsweise Ärger, Wut oder Trauer koexistieren. Weil es eine Koexistenz ist, ist man nicht entweder glücklich oder unglücklich. Man kann durchaus dauerhaft glücklich sein, weil das empfundene Glück alles andere überlagert.

Ist Glück Ziel oder Nebenprodukt?

Eleanor Roosevelt, Menschenrechtsaktivistin und Diplomatin, hielt als Erkenntnis fest: „Glück ist kein Ziel, es ist ein Nebenprodukt eines gelebten Lebens.“. Welche Auswirkungen hätte es für das praktische Leben, wenn man diesem Gedanken folgt und Glück als Nebenprodukt betrachtet?

Wenn Glück das Ziel ist, dann unternimmt man etwas, um es zu erreichen. Man klärt seine Vorstellung von Glück, nimmt sich diese Vorstellung als Ziel und entwickelt dann einen Prozess, wie man es erreichen möchte. Wenn man beispielsweise materielles Glück als Ziel hätte, würde man vermutlich alles daransetzen, ein möglichst hohes Einkommen zu erzielen.

Betrachtet man Glück hingegen als ein Nebenprodukt, dann gibt es keine wirkliche Motivation, sich dafür besonders anzustrengen. Man hat andere Ziele. Dann stellt sich jedoch die Frage: Wenn Glück ein Nebenprodukt ist, was ist dann das Hauptprodukt im Prozess des Lebens?

Die Frage nach dem Hauptprodukt ist mit der Antwort auf die Frage nach dem Wichtigsten im Leben verknüpft. Angenommen, man empfindet es für sich als das Wichtigste im Leben, ein selbstbestimmtes und sinnvolles Leben zu führen. Dazu gehört, dass man sich für etwas einsetzt, das man als sinnstiftend und bedeutungsvoll erachtet, und das einen erfüllt.

Wenn es dann gelingt, im Einklang mit diesem Wichtigsten aus seinen Fähigkeiten und Kompetenzen das Beste zu machen, ein aktives und produktives Leben zu führen, können dann Glück und Freude ausbleiben? Letztlich ist es dann die innere Einstellung, die das Glücksempfinden bewirkt. Erich Fromm, Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe, formulierte es so: „Glück ist kein Geschenk der Götter, sondern die Frucht innerer Einstellung.“.

Glück – etwas individuell Erlebtes

Glück ist in der Konsequenz etwas individuell Erlebtes, das sich jedem Vergleich entzieht. Mit wem sollte man sich vergleichen? Menschen lassen sich nicht miteinander vergleichen, da jeder Mensch einzigartig ist. Davon abgesehen kann man bei Mitmenschen meist nicht hinter die Fassade blicken. Und vorgespieltes Glück lässt sich nicht immer sofort durchschauen.

Wenn man sich seinem persönlichen „Hauptprodukt“ widmet, wird sich Glück als Nebenprodukt einstellen. Ist dies nicht Grund für Gelassenheit?

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.