Glück ist kein Geschenk der Götter, sondern die Frucht innerer Einstellung.

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„Glück ist kein Geschenk der Götter, sondern die Frucht innerer Einstellung.“

Erich Fromm
Glück ist kein Geschenk der Götter, E. Fromm - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Erich Fromm (1900-1980) war ein deutsch-US-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe. Er versuchte, psychologisches und soziologisches Denken zu verbinden. Für Fromm ist die Freiheit zentrales Kriterium der menschlichen Natur.

Sein Hauptinteresse galt der Erforschung der psychischen Voraussetzungen für ein gelingendes gesellschaftliches Zusammenleben. Seine Beiträge zur Psychoanalyse, zur Religionspsychologie und zur Gesellschaftskritik haben ihn als einflussreichen Denker des 20. Jahrhunderts etabliert.

Wie kann man glücklich werden?

Nicole (Name geändert), ein Teenager, wollte sich eine neue Jeans kaufen. Zusammen mit ihren Eltern fuhr sie in ein Einkaufszentrum mit diversen Bekleidungsgeschäften. Nicole hatte ganz bestimmte Vorstellungen. Es sollte eine Jeans einer ganz bestimmten Marke mit einer ganz bestimmten Passform sein, die sie haben wollte.

Weshalb sollte es gerade diese Marke und diese Passform sein? Nun, in ihrer Klasse waren solche Jeans zu der Zeit gerade „in“. Sie wollte auch eine haben und gewissermaßen zum Kreis dazugehören. Der Preis der gewünschten Jeans war um ein Mehrfaches höher als für eine „No-Name“-Jeans von guter Qualität. Ihre Eltern wollten ihr die Hose nicht einfach schenken und verlangten von ihr einen „Eigenanteil“. Nicole bezahlte ohne Widerspruch von ihrem Ersparten den Rest, für ihre Verhältnisse kein „Kleckerbetrag“.

Wurde Nicole durch diesen Kauf glücklich? Für eine kurze Zeit traf dies zu. Aber bald verflüchtigte sich das Glücksgefühl.

Glück – kommt es von außen oder von innen?

Wäre Glück ein Geschenk der Götter, dann würde es irgendwie vom Himmel regnen oder fallen. Es käme von oben bzw. außen und würde keinerlei eigene Anstrengung verlangen. Es wäre ja schließlich ein Geschenk, und für ein Geschenk muss man nichts tun.

Die Werbebranche verspricht ebenfalls Glück, das von außen kommt, aber dafür muss man bezahlen. Das Glücksgefühl kann gekauft werden. Glück bzw. das Glücksgefühl ist kein Geschenk. Aber wenn man kein Geld hat und sich die schönen Dinge nicht leisten kann, dann wird man kein Glücksgefühl erleben können. Dies wäre die logische Konsequenz und entlarvt gleichzeitig den Unsinn – oder, schärfer ausgedrückt, den Schwachsinn – von Werbeversprechen, die Glücksgefühl und Kaufen miteinander verbinden.

Davon abgesehen: wohl niemand wird ernsthaft behaupten wollen, dass viele Millionen Menschen in den ärmeren Teilen der Welt von Glücksgefühlen ausgeschlossen wären. Es gibt sehr viele Menschen, die nichts oder nur sehr wenig haben und für die materieller Wohlstand ein Fremdwort ist. Sie erleben aber trotzdem Glücksgefühle und können glücklich sein.

Werbeparolen sprechen den Wunsch und das Bedürfnis nach Anerkennung und Glück an. Man könne zu der Person werden, die man sein wolle, und man werde dazugehören, wenn man nur die richtigen Dinge besitzt. Wenn man beispielsweise dieselbe Gesichtscreme wie eine prominente Schauspielerin verwendet, empfindet man unterschwellig eine gewisse Gemeinsamkeit. Ob die prominente Person diese Gesichtscreme tatsächlich verwendet oder eben nur zu Werbezwecken, sei dahingestellt.

Das durch Werbung und den Produktkauf vermittelte Belohnungs- oder Glücksgefühl ist durchaus real. Im „Nuccleus Accumbens“, einer Hirnregion, die mit positiven Emotionen assoziiert wird, sind Aktivitäten messbar. Allerdings ist dieses Glücksgefühl kurzlebig und verflüchtigt sich bald. Werbesprüche, dass man sich glücklich kaufen könne, dass kleine Preise glücklich machen, usw., sind eben Sprüche ohne wirkliche Substanz. Man merkt ziemlich schnell, dass Glück nicht wirklich käuflich ist.

Erich Fromm greift die Vorstellung des gekauften Glücks auf und lenkt den Blick auf das Glück, das aus dem Inneren kommt. Er drückte es so aus: „Unsere Konsum- und Marktwirtschaft beruht auf der Idee, dass man Glück kaufen kann, wie man alles kaufen kann. Und wenn man kein Geld bezahlen muss für etwas, dann kann es einen auch nicht glücklich machen. Dass Glück aber etwas ganz anderes ist, was nur aus der eigenen Anstrengung, aus dem Innern kommt und überhaupt kein Geld kostet, dass Glück das „Billigste“ ist, was es auf der Welt gibt, das ist den Menschen noch nicht aufgegangen.“.

Glück – welche innere Einstellung ist notwendig?

In seinem Buch „Haben oder Sein“, das zu seinen bekanntesten Werken gehört, stellt Erich Fromm einen Gegensatz zwischen zwei Existenzweisen, dem „Haben“ und dem „Sein“, her. Daraus ergeben sich auch Schlüsse, wie man Glück erfahren kann.

Die Existenzweise des Habens ist geprägt von besitzen, horten und behalten wollen. Erfolg, Status, Dinge, Geld, Wissen, Macht, Menschen usw. sind Objekte, um die es geht. Erich Fromm drückte es in seinem Buch so aus: „In der Existenzweise des Habens findet der Mensch sein Glück in der Überlegenheit gegenüber anderen, in seinem Machtbewusstsein und in letzter Konsequenz in seiner Fähigkeit, zu erobern, zu rauben und zu töten.“.

Im Gegensatz dazu ist die Existenzweise des Seins durch lieben, teilen, geben, Anteil nehmen und Verantwortung annehmen wollen geprägt. Hier liegt das Glück im Lieben, Teilen und, Geben. Und es liegt darin, dass der Mensch seine Begabungen, Fähigkeiten und Potenziale produktiv entwickelt und einsetzt.

Was zunächst etwas theoretisch klingt, lässt sich im Leben auf vielerlei Art und Weise beobachten, beispielsweise in Liebesbeziehungen. Ein „Haben-Mensch“ möchte den Menschen, den er liebt, besitzen. Er möchte ihn zur ständigen und alleinigen Verfügung haben. Beziehungen, die in ihrem Kern besitzorientiert sind, sind belastend, von Eifersucht und Konflikten geprägt. Ein „Sein-Mensch“ möchte seinen Partner hingegen nicht besitzen. Er genießt die Nähe des Partners, freut sich an ihm, sorgt für ihn, geht auf ihn ein, bestätigt ihn.

Glück ist, wie Erich Fromm es ausdrückt, in der Tat kein Geschenk der Götter. Es ist eine Frucht der inneren Einstellung. Ein „Haben-Mensch“ wird es schwer haben, dauerhaftes Glück zu erfahren. Er wird immer mehr haben und besitzen wollen. Ein „Sein-Mensch“ kann eher im Hier und Jetzt leben. Seine Chancen, dauerhaftes Glück zu erleben, sind sehr viel höher.

Wie kann man nachhaltig Glück erleben?

Für Erich Fromm ist Glück, in der Konsequenz wenig verwunderlich, eine Seinsweise. Glück kann man deshalb nicht finden. Und weil man es nicht finden kann, kann man es auch nicht besitzen.

Wenn Glück weniger ein emotionaler Zustand, kein euphorischer Zustand, ist, dann ist es ein fortwährender Prozess. Er schrieb: „Glück deutet darauf hin, dass der Mensch die Lösung des Problems der menschlichen Existenz gefunden hat: die produktive Verwirklichung seiner Möglichkeiten und somit zugleich das Einssein mit der Welt und das Bewahren der Integrität seines Selbst. Indem er seine Energie produktiv gebraucht, steigert er seine Kräfte: Er ‚brennt, ohne verzehrt zu werden‘. Glück ist das Kriterium der Tüchtigkeit in der Kunst des Lebens …“.

Die Verwirklichung der Möglichkeiten kann auf vielerlei Art und Weise erlebt werden. Da ist beispielsweise der Malermeister, der seiner Kundschaft Wandgestaltungen mit besonderen Techniken anbietet. Er geht in seinem Beruf auf, ist begeistert bei der Sache. Und er bildet sich ständig weiter, um seine bereits erlernten Techniken weiter zu optimieren und um sich neue Techniken anzueignen. Er schafft Neues, ist also produktiv. Bei alledem bleibt er ganz bei sich.

Ein weiteres Beispiel: Da ist die Entwicklungshelferin, die sich der Bekämpfung des Hungers mit Innovationen widmet. Sie ist mit Engagement bei der Sache, denn es ist ihr ein Herzensanliegen. Sie denkt darüber nach, wie Lösungen mit hohem Wirkungsgrad aussehen könnten, die von den Menschen auch genutzt werden können. Ständig schafft sie Neues und verwirklicht ihre Möglichkeiten. Sie arbeitet Vorschläge aus und stellt sie zur Diskussion. Wenn ein Vorschlag keine Resonanz findet, lässt sie sich dadurch nicht entmutigen. Sie kann trotzdem bei sich bleiben.

Für Erich Fromm ist Glück in diesem Sinne auch eine Leistung, eben kein Geschenk. Es ist eine Leistung aus innerer Produktivität heraus, die produktive Realisierung eigener Potenziale.

Was ist das Gegenteil von Glück?

Wenn Glück eine Frucht der inneren Einstellung ist, dann kann nicht Unglück das Gegenteil von Glück sein. Unglück bezeichnet eher ein Ereignis. Kummer oder Schmerz wären eher ein logisches Gegenteil von Glück.

Das reale Leben ist nicht frei von Kummer oder Schmerz. Erich Fromm erachtet jedoch nicht Kummer oder Schmerz als logisches Gegenteil von Glück, sondern die aus innerer Sterilität und Unproduktivität entstehende Depression. Er schrieb: „Physische oder seelische Leiden sind ein Bestandteil des menschlichen Daseins; dass man sie erlebt, ist unvermeidlich. Sich um jeden Preis vor Schmerz zu schützen, kann nur mit vollständiger Absonderung erkauft werden, wodurch auch die Möglichkeit, Glück zu erleben, ausgeschlossen wird. Das Gegenteil von Glück ist also nicht Kummer oder Schmerz, sondern die Depression, die aus innerer Sterilität und Unproduktivität entsteht.“.

Glück als Nebenwirkung?

Sollte man Glück als Dauerzustand aktiv anstreben? Falls ja, kann es ein Rezept geben, wie man in so und so vielen Schritten zum dauerhaften Glücklichsein gelangt?

In freier Interpretation von Erich Fromm könnte ein solches Rezept in etwa so lauten: „Finden Sie Antworten auf existentielle Fragen, verwirklichen Sie produktiv ihre Möglichkeiten, und leben Sie im Einklang mit sich und der Welt“. Mit anderen Worten: das Glück ist überhaupt nicht das primäre Ziel.

Der Neurologe und Psychiater Viktor Frankl drückte es aus einem anderen Blickwinkel so aus: „Ich würde sagen, was der Mensch wirklich will, ist letzten Endes nicht das Glücklichsein an sich, sondern ein Grund zum Glücklichsein. Sobald nämlich ein Grund zum Glücklichsein gegeben ist, stellt sich die Lust von selber ein.“ (Öffentlicher Vortrag im Rahmen des 14. Internationalen Kongresses für Philosophie, Wien 1968). Das Glück stellt sich von selber ein, sozusagen als Nebenwirkung.

Anthony de Mello, indischer Jesuitenpriester, spiritueller Lehrer und Psychotherapeut, brachte eine weitere, etwas poetische Sichtweise, ins Spiel: „Das Glück ist ein Schmetterling. Jage ihm nach und er entwischt dir. Setze dich hin und er lässt sich auf deiner Schulter nieder.“.

In der Konsequenz kann jeder Mensch nachhaltig Glück erleben. Ob er arm oder reich ist, ob ungebildet oder gebildet, ob alleinstehend oder in einer Ehe oder Partnerschaft lebend, ob … – dies alles spielt letztlich keine Rolle. Aber in den Schoß fällt dieses Glück nicht. Glück ist kein Geschenk der Götter. Eigenes Zutun ist gefordert.

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.