Liebe heißt, dass wir uns dem Anderen ganz ohne Garantie ausliefern.

„Liebe heißt, dass wir uns dem Anderen ganz ohne Garantie ausliefern.“

Erich Fromm
Liebe heißt dass wir uns dem Anderen, E. Fromm - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Erich Fromm (1900-1980) war ein deutsch-US-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe. Er versuchte, psychologisches und soziologisches Denken zu verbinden. Für Fromm ist die Freiheit zentrales Kriterium der menschlichen Natur.

Sein Hauptinteresse galt der Erforschung der psychischen Voraussetzungen für ein gelingendes gesellschaftliches Zusammenleben. Seine Beiträge zur Psychoanalyse, zur Religionspsychologie und zur Gesellschaftskritik haben ihn als einflussreichen Denker des 20. Jahrhunderts etabliert.

Was bedeutet es, sich dem Anderen auszuliefern?

Von der Wortbedeutung her bedeutet „ausliefern“, etwas oder jemand in die Gewalt einer anderen Macht geben bzw. einer anderen Instanz überlassen. Übertragen auf eine Liebesbeziehung, hat ein Ausliefern zur Folge, dass man freiwillig auf Autonomie verzichtet und sich dem Anderen hingibt. Es ist ein exklusives Hingeben, denn man kann sich nicht gleichzeitig mehreren Anderen ausliefern.

Sich dem Anderen ausliefern bedeutet nicht, seine eigene Individualität aufzugeben. Und es bedeutet auch nicht, den eigenen Willen zeitweilig oder dauerhaft dem Willen eines Anderen zu unterwerfen. Diese Unterwerfung wäre Hörigkeit.

Wenn man sich in einer Liebesbeziehung ausliefert, gibt man etwas von seinem eigenen Leben, von seinen Interessen und Gefühlen. Und man gibt von seiner Lebenszeit. Dabei betrachtet man dies nicht als Opfer, das in eine Verarmung führt. Man betrachtet sich selbst als freiwillig Schenkenden, der im Geben bzw. im Schenken eine Bereicherung erlebt, der seine eigene Stärke und Lebendigkeit wahrnimmt und sich darüber freut.

Wann kann man sich dem Anderen freiwillig ausliefern?

Kann man sich dem Anderen ausliefern, solange man sich noch in der ersten Phase einer Liebesbeziehung, der Verliebtheitsphase befindet? Dies wäre wohl vorschnell, denn in der Verliebtheitsphase hat man den Partner noch nicht wirklich kennengelernt. Man sieht ihn noch durch die sprichwörtliche „rosarote Brille“.

Man muss den Anderen kennen, bevor man sich ihm wirklich freiwillig ausliefern kann und will. Dafür ist Zeit notwendig und Vertrauen. Über die Zeit hinweg, und wenn man gemeinsam durch Höhen und Tiefen geht, Konflikte bewältigt, lernt man den Anderen kennen. Und das Vertrauen wächst, dass der Andere keine Grenzen überschreitet, keinen seelischen Missbrauch betreibt.

Dennoch bleibt es ein Wagnis, sich dem Anderen auszuliefern. In einer Liebesbeziehung ist und bleibt jeder Partner eine eigenständige Persönlichkeit und entwickelt sich für sich weiter. Beide Partner verändern sich im Lauf ihres Lebens, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Lewis Benedictus Smedes drückte es humorvoll aus: „Seit unserer Heirat hat meine Frau mit mindestens fünf verschiedenen Männern zusammengelebt – und jeder dieser fünf war ich.“ Es kann keinerlei Garantie geben, dass der Partner auf seinem Entwicklungspfad bleibt.

Der Reifeprozess der Liebe muss ein Stück vorangeschritten sein, bevor man sich dem Anderen ganz ohne Garantie ausliefern kann. Einer der Anlässe für den Willensakt, sich dem Anderen auszuliefern, mag die beiderseitige Entscheidung zur Heirat sein. Beide Partner verbindet eine Liebesbeziehung und mit der Entscheidung für eine Trauung erklären sie auch ihren Willen für eine exklusive Beziehung. Was würde dann daran hindern, sich einander ausliefern?

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.