Auch sich selbst hören zu können, ist eine Vorbedingung dafür, dass …

„Auch sich selbst hören zu können, ist eine Vorbedingung dafür, dass man auf andere hören kann; bei sich selbst zu Hause zu sein ist die notwendige Voraussetzung, damit man sich zu anderen in Beziehung setzen kann.“

Erich Fromm
Auch sich selbst hören zu können ist eine Vorbedingung, E. Fromm - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Erich Fromm (1900-1980) war ein deutsch-US-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe. Er versuchte, psychologisches und soziologisches Denken zu verbinden. Für Fromm ist die Freiheit zentrales Kriterium der menschlichen Natur.

Sein Hauptinteresse galt der Erforschung der psychischen Voraussetzungen für ein gelingendes gesellschaftliches Zusammenleben. Seine Beiträge zur Psychoanalyse, zur Religionspsychologie und zur Gesellschaftskritik haben ihn als einflussreichen Denker des 20. Jahrhunderts etabliert.

Was bedeutet es, sich selbst hören zu können?

Manchmal sind Geräusche oder Lärm so laut, dass man seine eigene Stimme nicht mehr hört. Möchte man sich mit jemandem sinnvoll unterhalten, muss man ein stilles Plätzchen suchen. Erst dann kann man in normaler Lautstärke miteinander sprechen und muss nicht befürchten, akustisch missverstanden zu werden.

Sinngemäß ganz ähnlich verhält es sich, wenn man auf sich selbst hören möchte. Man muss sich zurückziehen, damit man seine innere Stimme hören kann. Man muss ruhig mit sich allein sein können, bei sich selbst sein können, selbst wenn dies manchmal nur für kurze Zeit möglich ist.

Was Erich Fromm als wichtig erachtet, praktizierte er selbst. Er versuchte täglich, mit Hilfe von frühmorgendlichen Meditationsübungen von all dem frei zu werden, was ihn beschäftigte und umtrieb. Sein Ziel war es, einen Zustand zu erreichen, in dem er ein Gefühl von innerer Aktivität und Lebendigkeit wahrnahm.

Hören bedeutet zuhören – man kann nicht wirklich gleichzeitig hören und sprechen. Zuhören bedeutet auch, den anderen nicht sofort zu unterbrechen, sondern ihm Zeit zu geben, etwas auszudrücken, zu kommunizieren. Und sich selbst zuhören bedeutet, Regungen aus dem Innersten sich entfalten zu lassen.

Im Allgemeinen ist es hilfreich, sich von möglichen Störungen und Ablenkungen abzuschotten. Beispielsweise schafft ein Spaziergang in der Natur eine Distanz zum Alltag. Unabgelenkt fällt es leichter, sich selbst zu hören.

Außerdem fällt es auch leichter, zu unterscheiden, wer gerade spricht. Ist man es selbst oder sind es Anforderungen, Erwartungen oder Wünsche, durch die eine oder mehrere andere Personen sprechen? Manchmal sind es andere Menschen, die meinen zu wissen, was gut für einen ist. Will man ihnen zuhören?

Wenn man die Geduld aufbringt, sich selbst zu hören, entwickelt man auch die Sensibilität, auf andere zu hören. Das Gespür für Regungen des Anderen, ausgedrückt in Mimik, Lautstärke, Tonhöhe und Sprechrhythmus, wird geschärft. Man erfährt etwas über den Anderen, viel mehr als allein durch das Gesprochene.

Wenn man sich keine Zeit dafür nimmt, sich selbst zu hören, wie sollte man dann auf andere hören können? Ein solches Hören bliebe immer an der Oberfläche.

Was bedeutet es, bei sich selbst zu Hause zu sein?

Wenn man bei sich zu Hause in Haus oder Wohnung und alleine ist oder nur vertraute Personen um sich hat, kann man sich so geben, wie einem gerade zumute ist. Man kann sich von (s)einer Fassade lösen, die ansonsten oft notwendig ist. Vielleicht besteht im Unternehmen ein Dresscode, eine Kleiderordnung, und man muss aufgrund von Kundenkontakt formelle Kleidung tragen. In den eigenen vier Wänden kann man das tragen, was man selbst möchte. Zu Hause ist man von äußeren Zwängen frei. Man kann die Maske fallen lassen.

In der Geborgenheit der eigenen vier Wände kann man ehrlich und authentisch sein. Im übertragenen Sinn gilt das auch für die Seele. Man braucht sich selbst nichts vorzuspielen, achtet auch mehr auf seine Regungen: „Was tut mir gut?“, „Was brauche ich gerade?“, „Was kommt gerade zu kurz?“, „Worüber freue ich mich gerade?“, usw.

Mit anderen Menschen kann man sich auch in Beziehung setzen, wenn man nicht bei sich selbst zu Hause ist. Aber dann ist es eine oberflächliche Beziehung. Jede(r) trägt seine Maske. Wenn man jedoch bei sich selbst zu Hause ist, kann eine zwischenmenschliche Beziehung leichter an Tiefe gewinnen. Gegenseitig nimmt man Schwingungen und Resonanz wahr. Resonante Beziehungen basieren auf der gegenseitigen Wahrnehmung, dass man mit einer „echten“ Person spricht, nicht mit einer Fassade. Resonanzpartner empfinden Freude miteinander und aneinander.

Wie wirkt es sich auf die persönliche Ausstrahlung aus?

Wenn man bei sich selbst zu Hause sein kann, hat man sich schon intensiv mit sich selbst und seiner ganz persönlichen Geschichte beschäftigt. Man hat sich selbst schon entdeckt, und das kann durchaus anstrengend und schmerzhaft sein. Bildlich gesprochen hat man in seiner Seele aufgeräumt oder hat zumindest damit angefangen.

Bei sich selbst zu Hause sein, wenn das Zuhause unordentlich ist? Wenn man jemand besucht und es dort unaufgeräumt und unordentlich ist, fühlt man sich nicht besonders wohl. Man zieht Rückschlüsse auf den oder die Bewohner und die gefühlsmäßige Bewertung fällt nicht sonderlich positiv aus. Wie denkt man über sich selbst, wenn die eigene Seele (noch) nicht aufgeräumt ist?

Eine aufgeräumte Seele lädt dazu ein, bei sich selbst zu Hause zu sein. Und man gewinnt auch an persönlicher Ausstrahlung. Edith Stein drückte es so aus: „Je gesammelter ein Mensch im Innersten seiner Seele lebt, umso stärker ist seine Ausstrahlung, die von ihm ausgeht und andere in seinen Bann zieht.“.

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.