Den Sinn erhält das Leben einzig durch die Liebe …

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„Den Sinn erhält das Leben einzig durch die Liebe. Das heißt: Je mehr wir zu lieben und uns hinzugeben fähig sind, desto sinnvoller wird unser Leben.“

Hermann Hesse
Den Sinn erhält das Leben, H. Hesse - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Hermann Karl Hesse (1877-1962) war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller, Dichter und Maler. Sein umfangreiches dichterisches Werk brachte ihm 1946 den Nobelpreis ein. Er zählt in Deutschland zu den bekanntesten Schriftstellern. Seine Werke wurden in mehr als 50 Sprachen übersetzt.

Ist Liebe ohne Hingabe vorstellbar?

Hermann Hesse war und ist nicht der Einzige, der Liebe und Lebenssinn miteinander verknüpft. Stellvertretend sei Dietrich Bonhoeffer genannt, der so formulierte: „Da wo Liebe ist, ist der Sinn des Lebens erfüllt.“. Hermann Hesse lenkt darüber hinaus die Aufmerksamkeit auf die Beziehung zwischen Liebe und Hingabe.

Für die Philosophin, Frauenrechtlerin und Nonne Edith Stein ist Hingabe das innerste Wesen der Liebe. Sie zog eine Linie zwischen Gott und Mensch und drückte es so aus: „Das innerste Wesen der Liebe ist Hingabe. Gott, der Liebe ist, verschenkt sich an die Geschöpfe, die Er zur Liebe erschaffen hat.“. Wenn Liebe mit Hingabe zum Wesen Gottes gehört – so lässt sich daraus ableiten – dann gehört Liebe mit Hingabe auch zum Wesen des Menschen.

Vor dem Hintergrund der Menschheitsgeschichte, die von Beginn an von Gewalt und schlimmsten Verbrechen von Menschen gegen Menschen durchzogen ist, scheint der Bezug zu Liebe völlig abwegig. Zahllose Menschen verkörperten im Lauf der Geschichte alles andere als Liebe, sondern vielmehr Hass und äußerste Geringschätzung ihrer Mitmenschen.

Angenommen, Liebe gehört zur „Grundausstattung“ des Menschen. Wird sie dann auch „automatisch“ gelebt? Oder kann man sich aus freiem Willen dafür oder dagegen entscheiden, zu lieben? Wenn man frei entscheiden kann, dann ist die Aussage, dass das Leben den Sinn einzig durch die Liebe erhält, nicht ad absurdum geführt. Entscheidet man sich frei dafür, Liebe in seinem Leben mit Hingabe zu leben, gibt man seinem Leben einen Sinn. In der Konsequenz würde dies aber auch bedeuten, dass das Leben derjenigen, die sich aus freiem Willen gegen Liebe als sinnstiftend für das Leben entscheiden, an seiner eigentlichen Bestimmung vorbei gelebt wird.

In einer Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen ist Liebe ohne Hingabe schlicht nicht denkbar. Angenommen, nur einer der beiden würde mit Hingabe lieben, der andere nicht. Es wäre keine Liebesbeziehung (mehr), denn wie sollte sich Liebe ohne Hingabe ausdrücken? Es wäre Liebe nur mit Worten. Etwas sehr Wesentliches würde fehlen.

Auch im Hinblick auf die allgemeine Liebe zu Menschen, auch als Nächstenliebe bezeichnet, ist Hingabe ein wesentliches Element. Wenn Hingabe fehlen würde, wäre Liebe nicht mehr als Liebe, sondern eher als Betreuung, Pflege oder ähnliches zu bezeichnen.

Liebe mit Hingabe verlangt sogar noch nicht einmal Gegenliebe. Der Philosoph Friedrich Nietzsche drückte es so aus: „Das Verlangen nach Gegenliebe ist nicht das Verlangen der Liebe, sondern der Eitelkeit.“. Eitelkeit wird auch als Gefallsucht bezeichnet.

Wie kann sich Hingabe ausdrücken?

Liebe mit Hingabe ist kein theoretisches Konzept, sondern wird ganz praktisch gelebt. In Vergangenheit und Gegenwart wurden bzw. werden manche Menschen, die Liebe mit Hingabe gewissermaßen vorleb(t)en, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Sie waren oder sind in den Medien präsent.

Die weitaus meisten dieser mit Hingabe liebenden Menschen wirk(t)en jedoch im Verborgenen. Vielleicht pflegen sie über Jahre hinweg einen Angehörigen. Oder sie engagieren sich ehrenamtlich bei einer Tafel. Oder … Einen Namen kennt vielleicht sogar nur eine einzige Person.

Beispiele aus der Vergangenheit

Im Lauf der Geschichte gab es immer wieder Menschen, in deren Leben Menschenliebe und Hingabe spürbar waren. Stellvertretend für so viele seien lediglich Mutter Teresa und Albert Schweitzer genannt.

Mutter Teresa war eine indische Ordensschwester und Missionarin. Sie kümmerte sich mit ihrer Gemeinschaft der Missionarinnen der Nächstenliebe ab Mitte des 20. Jahrhunderts zunächst in Kalkutta, Indien, um Sterbende, Waisen, Obdachlose und Kranke. Heute sind die Missionare der Nächstenliebe in weit über 100 Ländern der Erde tätig.

Albert Schweitzer war ein deutsch-französischer Arzt, Philosoph, evangelischer Theologe, Organist, Musikwissenschaftler und Pazifist. In Gabun, Zentralafrika, gründete er 1913 unter vielen Entbehrungen das Urwaldhospital Lambaréné und konnte dort viele Menschen medizinisch betreuen.

Um Mutter Teresa und Albert Schweitzer scharten sich weitere Menschen, die diese durch ihre tatkräftige Mitarbeit unterstützten und auf ihre ganz individuelle Art und Weise Liebe und Hingabe lebten. Das Wirken von Mutter Teresa und Albert Schweitzer wäre ohne diese Menschen undenkbar gewesen.

Beispiele in der Gegenwart

Auch in der Gegenwart gibt es viele Menschen, die Menschenliebe mit Hingabe leben. Wiederum stellvertretend für viele andere seien das Ärzteehepaar Klaus-Dieter und Martina John und Pastor Bernd Siggelkow genannt.

Ein Krankenhaus in den peruanischen Anden

Klaus-Dieter und Martina John erbauten mit Hilfe vieler Unterstützer das Krankenhaus „Diospi Suyana“ in den peruanischen Anden, das insbesondere für die medizinische Versorgung von Armen bestimmt ist. Im Jahr 2007 konnte das Krankenhaus feierlich eingeweiht werden.

Natürlich lässt sich ein Krankenhaus ohne medizinisch qualifizierte Mitarbeiter nicht betreiben. In seinem Buch „Ich habe Gott gesehen: Diospi Suyana – Hospital der Hoffnung“ (Brunnen Verlag) berichtet Klaus-Dieter John auch darüber, wie sich viele Menschen aus verschiedenen Ländern bereitfanden, im Krankenhaus mitzuarbeiten. Manche bauten sogar einen Unterstützerkreis auf, der über Spenden ihr Auskommen finanzierte. Als hochqualifizierte Fachkräfte hätten sie in den Kliniken ihrer Heimatländer weitaus mehr Geld verdienen können. Einen Unterstützerkreis hätten sie nie benötigt. Aber Liebe mit Hingabe war bzw. ist ihnen offenkundig wichtiger.

Ein Kinder- und Jugendwerk in Berlin

1995 gründete Pastor Bernd Siggelkow in Berlin-Hellersdorf mit einigen Mitstreitern den Verein „Die Arche – Christliches Kinder- und Jugendwerk e. V.“, der Träger einer Einrichtung für sozial benachteiligte Kinder ist. Die „Arche“, so nannte er die Einrichtung, ist mittlerweile an vielen weiteren Standorten in Deutschland und auch in einigen anderen Ländern Europas aktiv.

In seiner eigenen Kindheit waren Bernd Siggelkow die Sonnenseiten des Lebens fremd. Die Geschichten der Kinder, die heute in die Archen kommen, kann er aus eigenem Erleben nachvollziehen. Als er 6 Jahre alt war, verließ seine Mutter die Familie. Der hochverschuldete Vater vernachlässigte ihn. Die Großmutter, seine wichtigste Bezugsperson, starb früh an Krebs.

Schon relativ früh in seinem Leben entschloss sich Bernd Siggelkow, etwas für Kinder in schwierigen familiären und/oder sozialen Verhältnissen zu tun. Diese sollten nicht so aufwachsen müssen wie er. Später, als Pastor, lagen ihm immer die Kinder besonders am Herzen. So entstand in Berlin-Hellersdorf die erste „Arche“.

Auch die Archen sind, da zum großen Teil spendenfinanziert, auf Mitarbeiter angewiesen, die sich ehrenamtlich engagieren. Das zahlenmäßige Wachstum der Arche-Standorte bezeugt, dass sich immer wieder Menschen bereitfinden, ihre Menschenliebe mit Hingabe durch ihre ganz praktische und hingebungsvolle Mitarbeit auszudrücken.

Liebe mit Hingabe – je mehr, desto sinnvoller?

Menschenliebe verlangt keine Vorbildung. Jeder kann Menschenliebe mit Hingabe praktizieren, Liebe geben. Und es muss nichts Großartiges sein. Schon die kleine Aufmerksamkeit zählt, beispielsweise das Lächeln an der Supermarktkasse, das der gerade gestressten Kassiererin guttun kann. Davon abgesehen braucht man auch kein Geld, um Liebe zu geben.

Empfangene Menschenliebe verankert sich in den Herzen der Mitmenschen. Was mag in den Herzen der Patienten des Krankenhauses „Diospi Suyana“ vorgegangen sein, die sonst ohne medizinische Behandlung geblieben wären? Und wie mag es den Angehörigen dieser Patienten ergangen sein? Was mag in den Herzen der Kinder vorgegangen sein, die schon in einer der Archen Liebe und Geborgenheit erfuhren?

Was geschieht in den Herzen derer, die sich freiwillig engagieren und Liebe mit Hingabe leben? Empfinden sie als sinnstiftend, d. h. dem Leben einen Sinn gebend, was sie tun? Wenn es nicht so wäre, hätten sie sich schon längst zurückgezogen. Und es würde wohl auch niemand beginnen, sich ehrenamtlich oder zu einem niedrigen Gehalt zu engagieren, wenn Liebe mit Hingabe nicht sinnstiftend wäre.

Wenn man für sich zu der Überzeugung gekommen ist, dass das Leben einzig durch die Liebe den Sinn erhält, wird das Leben umso sinnvoller, je mehr Liebe man mit Hingabe gibt? Falls ja, was hindert dann daran, Liebe zu geben?

Wenn hingebende Liebe nicht erwidert oder kritisiert wird?

Wie verhält es sich aber, wenn Liebe nicht erwidert wird? Manchmal erfahren beispielsweise Menschen, die Angehörige pflegen, dass ihre mit Hingabe praktizierte Liebe nicht erwidert wird. Die gepflegte Person reagiert vielleicht mürrisch und weiß nicht zu schätzen, wie viel Liebe ihr entgegengebracht wird. Doch selbst dann ändert dies nichts daran, dass das Leben durch Liebe mit Hingabe Sinn erhält.

Es mag auch sein, dass man durch seine hingebende Liebe in die Kritik gerät. Mutter Teresa, Albert Schweitzer, Klaus-Dieter und Martina John, Bernd Siggelkow und vielen anderen erging es schon so. Wohl immer wird es Kritiker an der Seitenlinie geben. Sie lassen einen wissen, was man aus ihrer Sicht falsch macht, was man anders oder besser machen könnte oder müsste. Nur in den wenigsten Fällen fallen sie jedoch selbst durch hingebende Liebe auf.

Wenn man bei dem, was man tut, ein gutes Gewissen hat und an niemand schuldig wird, weshalb sollte man sich dann durch andere von dem abhalten lassen, was man als für sein Leben sinnstiftend erkannt hat? Man ist schließlich in erster Linie sich selbst gegenüber verantwortlich.

Wie weit soll Hingabe gehen?

Wer sich von Herzen engagiert, steht in der latenten Gefahr, physisch und/oder psychisch über seine Grenzen zu gehen. Schließlich gibt es immer etwas zu tun. Man sieht den Bedarf und möchte sich mit seiner ganzen Person einsetzen. Doch es mag sein, dass man sich selbst überfordert.

Was wäre gewonnen, wenn man immer wieder über seine eigenen Grenzen geht und sich selbst überfordert? Irgendwann würde man vielleicht unter der gefühlten Last zusammenbrechen. Deshalb ist es keineswegs als Mangel an Hingabe zu interpretieren, wenn man gut auf sich achtet und sich seine Kräfte einteilt. Dies bedeutet, mit gutem Gewissen auch für sich selbst Zeit zu nehmen, um sich physisch und psychisch erholen zu können.

Der Körper sendet Signale, wenn er überfordert wird, die Seele ebenso. Individuelle Auszeiten geben der Seele Raum, zu sprechen. Albert Schweitzer, der in seinem Krankenhaus sehr intensiv beschäftigt war, gab deshalb folgenden Rat: „Suche Stunden der Sammlung, damit die Seele zu dir sprechen kann.“.

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.