Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann … VertrauenLesezeit: 9 Min.

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„Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vertrauen hat.“

Matthias Claudius
Die größte Ehre, die man einem Menschen, M. Claudius - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Matthias Claudius (1740-1815) war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Journalist. Sein Werk umfasst vornehmlich Erzählungen und Gedichte. Besonders bekannt wurde das Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“.

Vertrauen wird enorm strapaziert

Bernd und Elli (Namen jeweils geändert) sind schon seit über 30 Jahren glücklich miteinander verheiratet. Bernd nähert sich dem Ruhestandsalter. Elli ist einige Jahre jünger und hat noch einige Arbeitsjahre vor sich.

Auf dem gemeinsamen Bankkonto hat sich eine bedeutende Summe angesammelt. Bernd überlegt, ob er nicht mit einem Teil des Geldes spekulieren könnte, um das Konto noch weiter anwachsen zu lassen. Der Gedanke wird zur Tat.

Leider hat Bernd keine gute Hand. Er verliert Geld. Mit der Zeit wird es immer mehr. Elli möchte natürlich wissen, wie sich die Dinge entwickeln. Bernd will die Verluste aufholen, möchte Zeit gewinnen und beginnt damit, die Lage zu beschönigen. Er erzählt Elli nicht die ganze Wahrheit, sondern flüchtet sich immer wieder in Halbwahrheiten. Er möchte die wahre Situation verschleiern. Schließlich hofft er ja auch darauf, dass sich bald „der Wind wieder dreht“, zu seinen Gunsten. Dann hätte er Elli nur unnötig beunruhigt.

Entgegen Bernds Erwartung wachsen die Verluste sogar noch weiter an. Der Kontostand sinkt beträchtlich. Die Situation belastet ihn sehr. Er zieht sich immer mehr zurück. Und natürlich ist auch Elli sehr beunruhigt. Instinktiv spürt sie, dass große Gefahr droht, nicht nur für das Bankkonto, sondern auch für die eheliche Beziehung.

Sie wendet sich an einen gemeinsamen Freund, der bei einer Bank beschäftigt ist. Sie wünscht sich einen Rat, wie sie mit der Situation umgehen soll. Ihre große Sorge ist, dass Bernd einer Art Spielsucht erlegen sein könnte. Auch eine Beratungsstelle sucht sie auf. Dort beruhigt man sie eher.

Während Bernd sich zurückzieht und versucht, möglichst viel „unter der Decke“ zu halten, geht Elli mit der Situation anders um. Sie zieht nicht nur den gemeinsamen Freund ins Vertrauen, sondern spricht auch mit weiteren Personen darüber, die sie für vertrauenswürdig hält. Wahrscheinlich könnte sie die Spannung sonst nicht aushalten.

Die Situation eskaliert

Schließlich eskaliert die Situation. Elli kann es nicht mehr länger ertragen. Bernds Rückzug und seine ständige Flucht in Halblügen belasten die eheliche Beziehung. Für sie ist klar: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Elli leidet unter der Situation. Ihr geht es seelisch immer schlechter.

Elli weiß keinen anderen Rat mehr als Bernd gewissermaßen „die Pistole auf die Brust“ zu setzen. Sie fordert ihn ultimativ auf, die Verluste zu realisieren und dem Ganzen ein Ende zu setzen. Für sie ist die Beziehung wichtiger als das Geld.

Bernd sieht sich vor die Wahl gestellt: Weitermachen wie bisher und seine Ehe aufs Spiel setzen oder seine Beziehung mit Elli retten. Auch Bernd entscheidet sich für die Beziehung. Innerhalb weniger Minuten realisiert er die Verluste, eine bedeutende Summe.

Als alles noch gut war – das Vertrauen wächst

Als sich Bernd und Elli vor dem Traualtar das „Ja-Wort“ gaben, war Elli noch keine zwanzig Jahre alt. Bernd, den sie etwa drei Jahre zuvor kennenlernte, war ihr erster Freund. Das Vertrauen zwischen den beiden wuchs während ihrer Freundschaft. Elli brauchte jedoch mehr Zeit als Bernd, um ein „Ja“ für die Ehe zu finden.

Elli vertraute Bernd, dass er es mit seiner Liebe zu ihr ernstmeinte, dass es nicht nur Worte waren. Sie vertraute ihm, dass er sie nicht misshandeln und ihre Grenzen nicht mit Gewalt überschreiten würde. Sie hatte Vertrauen, dass er ihren Kindern ein guter Vater sein würde. Und sie vertraute ihm, dass er sein Treueversprechen halten und sie nicht einfach irgendwann wegen einer anderen Frau oder aus irgendeinem anderen Grund sitzenlassen würde.

Ebenso vertraute wohl auch Bernd Elli, dass ihre Liebe zu ihm echt war und dass sie ihn nicht irgendwann wegen eines anderen Mannes oder aus einem anderen Grund verlassen würde. Gleichermaßen vertraute er Elli, dass sie seinen Kindern eine gute Mutter sein würde.

Die Beziehung entwickelte sich harmonisch, so wie es von außen eben erkennbar war. Ihre Liebe zueinander stand nie infrage. Das gegenseitige Vertrauen bestätigte sich über die Jahre hinweg immer wieder.

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Scherben werden aufgekehrt

Die Verluste waren realisiert. Bernds spekulative Finanztransaktionen waren zu einem unwiderruflichen Ende gekommen. Das war die eine Seite.

Jetzt ging es in der Beziehung darum, gewissermaßen die „Scherben aufzukehren“. Hier konnte das Konto, bildlich ausgedrückt, nicht einfach auf Null gestellt werden. Die Beziehung hatte sich während der gemeinsamen Jahre vertieft. Gemeinsam hatten Elli und Bernd Höhen und Tiefen erlebt, wie wohl alle anderen Ehepaare auch. Elli wusste was sie an Bernd hatte und umgekehrt war es genauso.

Wie sollte Elli sich künftig verhalten, was das gemeinsame Konto anbelangte? Bisher hatten beide den Zugang zum gemeinsamen Konto und konnten unabhängig voneinander über das Geld auf dem Konto verfügen. Der gemeinsame Freund, den Elli ins Vertrauen gezogen hatte, riet ihr, den Kontozugang für Bernd bis auf Weiteres zu sperren. Doch Elli folgte diesem Rat nicht.

Elli und Bernd sprachen intensiv über die Situation. Sicherlich war es für die beiden kein einfaches Gespräch. Es mögen wohl auch Tränen geflossen sein. Jedenfalls vereinbarten sie gemeinsam, dass in Zukunft keine risikoreichen Geldgeschäfte mehr getätigt werden.

Die Beziehung war zweifellos einer sehr starken Belastung ausgesetzt. Konnte Elli ihrem Ehemann noch vertrauen? Sie entschied sich bewusst dafür, ihm zu vertrauen, dass er sich an die gemeinsam getroffene Vereinbarung halten würde. Für Elli bedeutete dies jedoch auch, ein Risiko einzugehen.

Wie ging es Bernd? Sicherlich kam es für ihn einer Demütigung gleich, eingestehen zu müssen, dass er beträchtlichen finanziellen Schaden angerichtet hatte. Er glaubte, etwas schaffen zu können, was dann aber nicht nur nicht gelang, sondern auch eine über Jahre gewachsene Beziehung sehr gefährdete.

Bernd war offensichtlich „am Boden zerstört“. Er überlegte sogar, Elli zu verlassen. Er dachte wohl, dass es ihr ohne ihn besser ginge. Bernd konnte bald nach dem unrühmlichen Ende der Finanztransaktionen eine Psychotherapie beginnen, die er bis zum geplanten Ende durchhielt.

Die Beziehung zwischen Bernd und Elli zerbrach trotz alledem nicht. Zweifellos veränderte sich die Beziehung. Sie wurde in gewisser Hinsicht reifer, wie auch andere Menschen wahrnehmen konnten, die von Ellis und Bernds schwieriger Zeit wussten oder zumindest etwas mitbekamen. Sowohl für Elli als auch für Bernd war die Beziehung wichtiger als Geld. Das war und blieb der gemeinsame Nenner.

Vertrauen – ein überaus kostbares Gut

Wie wohl alle anderen Ehepaare auch, gingen Elli und Bernd mit einem Vorschuss an Vertrauen gegenüber dem Anderen in ihre Ehe. Ihr gegenseitiges Vertrauen wurde über alle Höhen und Tiefen hinweg immer wieder bestätigt.

War es letzten Endes dieses gewachsene Vertrauen, das die Beziehung letzten Endes doch noch rettete und Elli dazu brachte, Bernd ein weiteres Mal zu vertrauen? Wahrscheinlich war es so. Sie war jedenfalls bereit, erneut ein Risiko einzugehen.

Vertrauen ist überaus kostbar. Genauso wenig wie echte Liebe kann man es kaufen. Kein Geld der Welt würde ausreichen. Vertrauen ist wie ein zartes Pflänzchen, das zum Wachsen seine Zeit braucht.

Wie lange dauert es, Vertrauen zu erwerben? Es mögen Jahre sein. Wenn eine Beziehung entsteht, mag man durchaus sehr schnell wahrnehmen, dass „die Chemie stimmt“. Aber man unterhält sich zunächst über Allgemeines und Unverfängliches, um sich langsam voran zu tasten. Man testet, ob sich das Vertrauen bestätigt.

Das Wachstum des Vertrauens lässt sich nicht beschleunigen. Das einzige wachstumsfördernde Mittel ist die Bestätigung des Vertrauens. Vertrauen steht immer wieder auf dem Prüfstand, muss sich immer wieder bewähren.

Darüber hinaus ist Vertrauen ein äußerst wertvolles Geschenk. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer kleidete dies in folgende Worte: „Immer wird uns das Vertrauen eines der größten und beglückendsten Geschenke menschlichen Zusammenlebens bleiben.“. Dieses Geschenk kann man sich nicht selbst machen. Man kann es sich nur schenken lassen.

Was geschieht, wenn das Vertrauen massiv gestört wird, so wie dies bei Elli und Bernd der Fall war? Die einzige Möglichkeit, den Schaden möglichst in Grenzen zu halten, besteht in einer offenen und ehrlichen Aussprache, gegebenenfalls auch unter Moderation einer dafür geeigneten dritten Person. Fast immer sind mehrere Gespräche notwendig, denn die seelischen Verletzungen sind nicht nur oberflächlich.

In einer derartigen Aussprache sind Einsicht und Vergebung unverzichtbar. Ohne Einsicht und Vergebung wird es keinen wirklichen Neuanfang geben können. Wenn Bernd keine ehrliche Einsicht gezeigt hätte, wäre es vermutlich zur Trennung gekommen. Elli hätte es sonst sehr wahrscheinlich in der Beziehung nicht mehr ausgehalten. Doch weil sich Bernd einsichtig zeigte und sein Verhalten auch aufrichtig bedauerte, konnte Elli ihm von Herzen vergeben. Damit verzichtete sie auch darauf, Bernd in der Zukunft sein Verhalten der Vergangenheit immer wieder vorzuhalten.

Gutes und Sinnvolles tun – ganz praktisch

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Vertrauen – die größte Ehre

Für gewöhnlich wird Vertrauen nicht mit Ehre assoziiert. Meist wird Ehre mit der Würdigung von nicht alltäglichen bis hin zu herausragenden Leistungen oder Verdiensten in Verbindung gebracht. So gilt beispielsweise die Verleihung des Nobelpreises als Ehrung für herausragende Leistungen. Oder man wird beispielsweise für 25-jährige Betriebszugehörigkeit geehrt, was allerdings nicht unbedingt und zugleich mit herausragenden Leistungen oder Verdiensten in Beziehung stehen muss.

Eine solchermaßen geehrte Person muss nicht notwendigerweise Vertrauen genießen. Eine für 25-jährige Betriebszugehörigkeit geehrte Person mag in Wirklichkeit vielleicht sogar ein „Kotzbrocken“ sein, eine Person, von der man sich lieber und „mit Vergnügen“ fernhält. Die Ehrung gilt in Wirklichkeit einem Umstand, nicht der Person selbst.

Vertrauen ist hingegen eine Ehrung des Seins – jedoch durchaus nicht des makellosen Seins. Die kurz skizzierte Geschichte von Elli und Bernd illustriert dies. Heute ist Bernd jedenfalls überaus dankbar, dass Elli ihm das Vertrauen in der für beide sehr schwierigen Zeit nicht entzogen hat. Und er kann sich glücklich schätzen, dass Elli ihm die größtmögliche Ehre ausgedrückt hat.

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.