Krise kann ein produktiver Zustand sein. Man muss ihr … Katastrophe

„Krise kann ein produktiver Zustand sein. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“

Max Frisch
Krise kann ein produktiver Zustand sein, M. Frisch - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Max Rudolf Frisch (1911-1991) war ein Schweizer Schriftsteller und Architekt, der mit Werken wie „Andorra“ und „Homo Faber“ weltbekannt wurde. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Architekt gelang ihm 1954 mit dem Roman „Stiller“ sein literarischer Durchbruch. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche hohe literarische Auszeichnungen, darunter den Georg-Büchner-Preis und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Krise oder Katastrophe?

Matthias (nicht der richtige Name) war selbstständig. Die Geschäfte liefen nicht so wie erhofft. Es war das Jahr 2008, das Jahr der Weltfinanzkrise. Ein Projekt, an dem er arbeitete und in das er bereits sehr viel Zeit und Energie investiert hatte, entwickelte sich nicht zum Markterfolg. Die erhofften Erträge blieben aus.

Bedingt durch diesen geschäftlichen Misserfolg musste er befürchten, Insolvenz anmelden zu müssen, wenn sich nicht bald etwas zum Besseren hin ändern würde. Diese an sich schon missliche Situation bereitete ihm jedoch noch nicht einmal die größten Sorgen. Er hatte gelernt, bei geringen Fixkosten zu arbeiten und sah die Möglichkeit, auch bei geringen Umsätzen irgendwie zu überleben. Davon abgesehen war er auch bereit, seine geliebte Selbstständigkeit aufzugeben und in das Angestelltenverhältnis zu wechseln.

Ermutigung und Inspiration: Übersicht aufrufen

Es war eine Beteiligung an einer Gewerbeimmobilie, die ihm die sprichwörtlichen schlaflosen Nächte bereitete. Diese Gewerbeimmobilie, deren laufende Erträge als Baustein seiner Altersvorsorge vorgesehen waren, erbrachte bei weitem nicht die prognostizierte Rendite. Für Zins und Tilgung war erheblich mehr aufzubringen als an Einnahmen erzielt wurde. Vierteljährlich buchte die Bank einen bedeutenden Betrag für Zins und Tilgung ab.

Matthias konnte sich nicht einfach von dieser Immobilie trennen, denn es handelte sich um einen geschlossenen Immobilienfonds, dessen Anteile nicht am freien Markt verkauft werden konnten. Wer aus dem Kreis der anderen Gesellschafter würde ihm seinen Anteil an dieser Immobilie, deren zukünftige Ertragsaussichten als nicht gerade rosig einzuschätzen waren, abkaufen? Und selbst wenn es ihm gelungen wäre, einen Käufer zu finden, dann hätte er nur mit hohem Verlust verkaufen können.

War es für Matthias eine Krise oder eine Katastrophe? Zunächst war es für ihn beides zugleich, Krise und Katastrophe. Er war nicht mehr der Jüngste. Wenn er seine Selbstständigkeit aufgeben müsste, würde es ihm gelingen, überhaupt eine Arbeitsstelle zu finden, und dies während der Weltfinanzkrise? Falls nicht, wie würde seine Zukunft aussehen?

War es wirklich eine Katastrophe, ein gewaltiges Schadensereignis, mit der Begleitvorstellung von etwas Niederschmetterndem? War es nur noch möglich, die Scherben zusammenzukehren und wieder neu anzufangen? War es ein Ereignis, das einen als Opfer zurücklässt? Oder war es eher eine Krise mit der Begleitvorstellung von etwas zeitlich Begrenztem, das mit Kraftanstrengung zu bewältigen war? War es also eine Phase, die einem wenigstens noch ein Mindestmaß an Kontrolle belässt?

Das Leben spitzt sich zu

Für Matthias waren geschäftliche Höhenflüge und Flauten nichts Neues. Eine geschäftliche Flaute hatte für ihn immer den Charakter einer Krise. Für ihn war klar: Krisen gehören zum Leben dazu. Aber jede Krise war trotzdem schwierig. Und in einer Krise spitzt sich das Leben gewissermaßen auch zu.

Von der Wortbedeutung her ist eine Krise ein Moment, der eine Veränderung notwendig macht. Das Wort Krise stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Entscheidung“. Man kann nicht mehr so weiter machen wie bisher. Es ist schlichtweg nicht mehr möglich, die Entscheidung auf irgendwann später zu verschieben. Und der Spielraum für Kompromisse ist nicht vorhanden oder zumindest sehr eng.

Wie kann eine Krise ein produktiver Zustand sein bzw. werden?

Eine produktive Krise verlangt, dass man sie akzeptiert und sich auf sie einlässt. Mit dem „sich etwas in die Tasche lügen“ ist es vorbei. Wenn man die Krise annimmt, kommt man viel leichter aus der Opferrolle und ist bereit, Verantwortung für sich zu übernehmen.

Produktivität kann darin bestehen, neue Möglichkeiten zu suchen und zu sehen: Welche Optionen bieten sich zur Überwindung der Krise? Wenn man selbst die neuen Möglichkeiten (noch) nicht sehen kann, weil man zu sehr auf die Krise fixiert ist, können andere Menschen unterstützen. Sie können mit ihrem Blick von außen dabei helfen, Hindernisse deutlich zu machen und zu beschreiben, damit sie gezielt angegangen werden können. Und sie können Chancen und mögliche Wege aufzeigen.

Ein Nebeneffekt besteht darin, die Krise als Chance zu sehen, wieder zu einer Übereinstimmung mit sich selbst zu gelangen. Vielleicht ist man mit der Zeit in eine Rolle hinein geglitten, die nicht wirklich zu einem passt. Was man bisher gemacht hat, hat einen vielleicht nicht wirklich befriedigt und erfüllt. Aber man hat nichts geändert, weil ja alles in seinen Bahnen lief. Dann wäre die Krise eine Gelegenheit, sich neu auszurichten. Auch in dieser Hinsicht kann eine Krise produktiv werden.

Die Krise wird dann auch nicht als Katastrophe gesehen. Es kann und wird weitergehen, und man kann diesen Prozess der notwendigen Veränderung steuern.

Und die unproduktive Krise?

Unproduktiv wäre eine Krise dann, wenn man sich passiv in das vermeintliche Schicksal ergibt, wenn man sich als Opfer sieht. Dann sucht man nicht nach neuen Möglichkeiten und kann folglich auch keine finden. Man legt sich selbst Steine in den Weg, die einen hindern, neue Wege zu beschreiten. Und es wird nichts Neues geschaffen.

Die Krise ist nicht das Ende

Krisen lassen sich nicht vermeiden. In ganz vielfältigen Formen und Ausprägungen, seien es Beziehungskrisen, Finanzkrisen usw., gehören sie zum Leben dazu. Aber eine Krise ist nicht das Ende. Sie spitzt das Leben zu und zwingt zur Entscheidung. Und die Krise kann ein produktiver Zustand sein, wenn man sie annimmt, sich nicht in die Opferrolle flüchtet, und sich den zu treffenden Entscheidungen stellt. Wenn man der Krise den Beigeschmack der Katastrophe nimmt, macht man es sich selbst leichter, Chancen und Möglichkeiten zu sehen.

Die Krise ist nicht das Ende und die Krise hat ein Ende.

Außerdem interessant:

Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.