Das soziale Netzwerk stärken – Lebensqualität steigern

Das soziale Netzwerk stärken – erfüllende Beziehungen knüpfen, Freunde gewinnen, die auch in schwierigen Zeiten zu einem stehen. Es fällt oft leichter als gedacht.

Wirklich keine Zeit für gute Beziehungen?

Symbolbild - Foto: Helena Lopes, Unsplash cropped
Symbolbild – Foto: Helena Lopes, Unsplash

Von Menschen, die hohen Stresspegeln ausgesetzt sind oder sich selbst immer wieder unter Stress setzen, ist oft zu hören: „Keine Zeit für anspruchsvolle Beziehungen“. Sie vernachlässigen das Weiterknüpfen ihres sozialen Netzwerks. Wenn dann bisher gute Beziehungen an Bindungskraft einbüßen, beispielsweise durch Umzug, schrumpft ihr soziales Netzwerk. So mag es schließlich dazu kommen, dass mit der Zeit nicht nur die Anzahl der Beziehungen, sondern auch deren Tiefe deutlich wahrnehmbar abnimmt.

Zwar mag die Anzahl der Kontakte durchaus steigen, aber dabei handelt es sich überwiegend um oberflächliche Beziehungen ohne menschlichen Tiefgang. Diese Art von Beziehungen wird oft aus bestimmten Interessenlagen heraus geknüpft. Der funktionale Aspekt, d. h. eine Person ist deshalb interessant, weil durch sie bestimmte Leistungen oder Vorteile zugänglich sind, steht dabei häufig im Vordergrund. Die Vertiefung von Beziehungen, wobei mit der Zeit auch über sehr persönliche Dinge gesprochen werden kann, gelingt fast nur in Ausnahmefällen. Dies würde bedeuten, Zeit in Beziehungen zu investieren und sich selbst verletzlich zu machen. Gerade dies würde jedoch die bereits gestresste Person noch mehr unter Stress setzen.

Auch Menschen, die unter einer Depression leiden, neigen mit zunehmender Intensität der Depression dazu, ihr soziales Netzwerk zu vernachlässigen und sich selbst zurückzuziehen. Man wolle die Freundinnen bzw. Freunde nicht immer wieder mit den eigenen Problemen belasten, so lautet das oft gehörte Argument. Zunehmende Vereinsamung und Isolation sind die Folge. Die depressive Person kreist schließlich nur noch um sich selbst und der Blick auf Umwelt und Gesellschaft verengt sich drastisch. Die Depression tendiert zur Verstärkung und lässt sich meistens nicht mehr ohne Medikamente behandeln.

Um einer Depression vorzubeugen ist es ist deshalb wichtig, das soziale Netzwerk zu stärken. Wirkliche Freunde halten es aus, wenn offen über depressive Stimmungen gesprochen wird. Sie halten es auch aus, mehrmals über dasselbe Thema zu sprechen. Gespräche mit Freunden können in der Tat helfen, eine leichte depressive Episode zu überwinden.

Qualität vor Quantität

Ein gutes soziales Netzwerk zeichnet sich vor allem durch Qualität, nicht Quantität, aus. Mindestens zu einer Person sollte ein enges Vertrauensverhältnis bestehen. Dann ist es möglich, sich zu offenbaren und Probleme zu besprechen. Gemeinsam kann eine Lösung gefunden werden. „Ich muss mit dieser Problematik nicht einsam und alleine zurechtkommen“, „ich kann mich verletzlich machen, ohne befürchten zu müssen, bloßgestellt zu werden“ und „ich kann mich bei … darauf verlassen, dass er mich nicht im Regen stehen lässt“, sind Aussagen, die die Qualität einer Vertrauensbeziehung charakterisieren.

Freundinnen - Foto: Pixabay
Freundinnen – Foto: Pixabay

Die Fokussierung auf Qualität hat zur Folge, dass die Anzahl der engen Freunde sehr begrenzt sein wird. Bei mehr als zwei oder drei Freunden würde sehr wahrscheinlich die Tiefe der Beziehungen leiden. Darüber hinaus mag es im sozialen Netzwerk mehrere gute Bekannte geben, die jedoch nicht oder nur sehr dosiert in das enge Vertrauensverhältnis einbezogen sind.

Freundschaft - Foto: Pixabay
Freundschaft – Foto: Pixabay

Wer zählt als enge Freundin, als enger Freund? Eine enge Freundin, ein enger Freund ist mehr als nur eine nahestehende Person. Sie bzw. ihn lasse ich ohne Selbstzensur hinter meine Fassade schauen, die ich gegenüber anderen Menschen aufbaue. Schlechte Angewohnheiten, Scheitern, Macken, Zweifel, Fehlentscheidungen usw. verberge ich nicht. Wenn ich mit jemand Zeit verbringe und denke „ich kann alles erzählen und, wenn ich dies tue, werde ich immer noch zutiefst angenommen“, dann rede ich mit einer echten Freundin, einem echten Freund.

Zum sozialen Netzwerk gehören natürlich auch Bekannte: von guten Bekannten, mit denen ich häufig Zeit verbringe, bis hin zu weniger gut Bekannten, denen ich nur hin und wieder begegne. Bekannte haben keinen bzw. nur dosierten Einblick in mein Innenleben. Sie kennen im Prinzip nur meine Fassade. Dies hindert allerdings nicht daran, auch mit Bekannten gute Beziehungen zu pflegen, gemeinsam etwas zu unternehmen, fachliche Probleme zu besprechen und sich gegenseitig zu unterstützen (z. B. bei einem Umzug).

Ein weiterer wichtiger Aspekt eines guten sozialen Netzwerks besteht darin, dass es jeder darin eingebundenen Person das Gefühl vermittelt, sowohl gebraucht als auch unterstützt zu werden. Niemand gibt nur und niemand nimmt nur. Der regelmäßige Kontakt, zumindest mit nahestehenden Personen, verhindert, dass einsame Lebenssituationen entstehen.

Seelische Anspannungen und Belastungen (= seelischer Stress) müssen nicht von einer betroffenen Person alleine ausgehalten werden. Sie findet im Optimalfall im sozialen Netzwerk immer Unterstützung. Der Entwicklung, dass andauernder Stress in eine Depression mündet, wird vorgebeugt. Zwar lässt sich das Entstehen einer Depression niemals ausschließen, aber zumindest wird die Wahrscheinlichkeit vermindert.

Qualitativ gute Beziehungen sind darüber hinaus ein Energiespender. Die wohlwollende und fördernde Grundhaltung gegenüber anderen kommt einer Energieversorgung gleich. Energietanken wird zu einem Dauerzustand.

Das soziale Netzwerk braucht Pflege

Ohne Pflege schrumpft das soziale Netzwerk im Lauf der Zeit. Personen scheiden aufgrund verschiedenster Umstände aus dem Netzwerk aus. Doch wie lässt sich dem Schrumpfen begegnen, wie können wieder neue Beziehungen geknüpft werden? Als eine erfolgversprechende Möglichkeit bietet sich an, über gemeinsame Hobbies (z. B. Wandern, Radfahren, Singen) Kontakte aufzubauen. Wenn „die Chemie stimmt“ bieten sich quasi automatisch Möglichkeiten, sich intensiver kennenzulernen.

Wandergruppe - Foto: Pexels
Wandergruppe – Foto: Pexels

Der Beziehungsaufbau braucht Zeit. Und er braucht den Willen, sich auf Personen verbindlich einzulassen, mit denen der zwischenmenschliche Beziehungsaufbau gelingen soll. Unverbindlichkeit schließt aus, dass sich vertrauensvolle Beziehungen entwickeln können. Umso größer ist die Freude, wenn mit der Zeit freundschaftliche Beziehungen mit Tiefgang entstehen.

Wenn in der Beziehung zu einem anderen Menschen ein Gefühl tiefer Nähe empfunden wird, reagiert das Gehirn mit der Ausschüttung des Hormons und Neurotransmitters Oxytocin. Oxytocin verringert den Blutdruck und den Kortisolspiegel. Ferner deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass Oxytocin auch die Auswirkung von Stress verringert. Bei hohem Oxytocinspiegel vertraut ein Mensch eher, ist eher bereit, sich zu öffnen und empfindet ein Bindungsgefühl.

Gesunde freundschaftliche Beziehungen sind unendlich viel wert. Sie sind kostbar und lassen sich mit keinem Geld der Welt kaufen. Und für das Entwickeln von Beziehungen ist kein Budget erforderlich. Nur der gute Wille zählt.

Dieter Jenz
Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.