Dem Leben eine neue Richtung geben – Impulse zum Richtungswechsel

Dem Leben eine neue Richtung geben – der Entschluss ist gefasst. Was sind die erfolgversprechenden Schritte, damit die Initiative nicht auf der Strecke bleibt?

Christian (nicht der wahre Name) war mit seinem Leben zunehmend unzufrieden. Er hatte in seinem Leben einiges erreicht, hatte ein kleines Unternehmen aufgebaut. Und doch konnte er eine wachsende Unzufriedenheit nicht unterdrücken. Sollte seine berufliche Tätigkeit wirklich sein Alles sein und bleiben?

Für seine beruflich Tätigkeit hatte er viel Zeit und Energie investiert. Die Familie kam klar zu kurz. Wie seine Kinder aufwuchsen bekam er mehr oder weniger nur beiläufig mit. Er war eindeutig zielorientiert und Beziehungen zu anderen Menschen bedeuteten ihm nicht wirklich viel.

Dem Leben eine neue Richtung geben

Christian wurde nach und nach bewusst, dass er eigentlich immer nur funktioniert hatte. Er war in ausgefahrenen Gleisen unterwegs und führte gewissermaßen ein „Schmalspurleben“. Er nahm sich vor, seinem Leben eine neue Richtung zu geben. Sein Ziel lautete in etwa so: in Übereinstimmung mit meinem wahren Selbst leben und mein Potenzial ausschöpfen. Es ging ihm um den Daseinszustand, weniger um das ereignisorientierte Leben. Anders ausgedrückt. Es ging ihm um Eudaimonia.

In Übereinstimmung mit meinem wahren Selbst leben erfordert zunächst, Zugang zu meinem wahren Selbst zu finden. Doch wie kann dieser Zugang gelingen?

Zuallererst ist dafür Zeit notwendig. Zeit ist ein kostbares Gut. Es lohnt sich, etwas Kostbares zu investieren, um etwas anderes Kostbares zu gewinnen.

Der Zugang zum wahren Selbst geschieht immer ganz individuell. Eine für alle Menschen anwendbare und passende Standardvorgehensweise gibt es nicht. Unwillkürlich stellen sich Fragen:

  • Was ist zuerst dran?
  • Wie kann der Einstieg gut gelingen?
  • Muss ich dabei alleine sein oder kann ich meinen Weg auch in einer Gruppe beginnen?

Die persönliche Auszeit mit selbstbestimmtem Rhythmus

Symbolbild - Quelle: pexels
Symbolbild – Quelle: pexels

Eine Möglichkeit besteht darin, sich anfangs für einen Tag oder ein Wochenende zurückzuziehen, für sich alleine zu sein und sich selbst Auslöserfragen zu stellen. Damit sind Fragen gemeint, die das Nachdenken intensiv anregen und weitere Fragen provozieren. Beispiele dafür sind:

  • Was ist meine tiefste Sehnsucht?
  • Was ist mir das Allerliebste, das Allerbeste?
  • Was lässt mich zu einer tiefen Ruhe kommen?

Als Ort für das Nachdenken eignet sich die freie Natur am besten. Im abwechselnden Gehen und Rasten lassen sich Gedanken auslösen und im Nachdenken bewegen und reifen.

Wanderungen mit spirituellen Impulsen

Eine weitere Möglichkeit bietet sich mit Wanderungen mit spirituellen Impulsen. Bei solchen Wanderungen findet sich eine Gruppe von Menschen zusammen, die Freude an dieser besonderen Art des Wanderns haben.

Symbolbild - Quelle: pexels
Symbolbild – Quelle: pexels

Die Auslöserfragen ergeben sich in den spirituellen Impulsen. Beim gemeinsamen Wandern mit spirituellen Impulsen werden einzelne Strecken schweigend zurückgelegt, um Raum für die persönliche Reflexion zu lassen. Jede Teilnehmerin, jeder Teilnehmer bestimmt für sich selbst, welchen Raum sie bzw. er für sich selbst benötigt, um die Impulse aufzunehmen und für sich weiterzudenken.

Individuelles Coaching und Wandern

Individuelles Coaching und Wandern, Symbolbild - Foto: Pixabay
Symbolbild – Foto: Pixabay

Schließlich ist auch individuelles Coaching und Wandern eine ideale Möglichkeit, sich Zeit zu nehmen und über die Neuausrichtung des Lebens nachzudenken. Im Gedankenaustausch mit dem Coach können sich völlig neue, vielleicht überraschende, Perspektiven eröffnen, die zuvor noch überhaupt nicht überlegt wurden.

Im vertraulichen Gespräch lassen sich Wünsche, Ideen, Hinderungsgründe, Fallstricke usw. mit ihren möglichen Konsequenzen analysieren und bewerten. Einzelne Strecken werden schweigend zurückgelegt, damit Besprochenes reflektiert werden kann.

Das „Ping-Pong-Spiel“ der Gedanken, Anregungen, Bedenken usw. erweist sich als fruchtbar und trägt zur Klärung bei, wie kostbare Lebenszeit künftig eingesetzt werden soll.

Das individuelle Coaching reicht weit über die Auslöserfragen hinaus. Auch spezifische Themen des persönlichen Lebensumfelds, der Lebensprioritäten, Lebensvisionen usw.  können besprochen werden.

Nach dem Einstieg: Was hat im neu ausgerichteten Leben Priorität?

Wenn geklärt ist, was die tiefste Sehnsucht ist, was zu einer tiefen Ruhe verhilft und was das Leben wirklich erfüllt, können Prioritäten bestimmt werden. Eine kleine, sehr bekannte Geschichte vermag sehr gut zu illustrieren, worum es im Kern geht.

Ein Philosophie-Professor stand am letzten Tag des Semesters vor seinen Studierenden und hatte einige Gegenstände vor sich. Wortlos nahm er ein großes Glas und begann, dieses mit Golfbällen zu füllen. Als er damit fertig war, fragte er seine Studierenden, ob das Glas nun voll sei. Sie bejahten.

Da nahm der Professor Kieselsteinchen und schüttete diese in das Glas, welches er dabei sachte bewegte, sodass die Kieselsteinchen in die Leerräume zwischen die Golfbälle glitten. Und wieder fragte er seine Studierenden, ob das Glas nun voll sei. Und wieder stimmten sie zu. Nun nahm der Professor eine Tüte und schüttete Sand in das Glas. Dieser rieselte in die kleinsten noch freien Räume zwischen Golfbällen und Kieselsteinen. Und auf seine Frage, ob das Glas nun voll sei, antworteten seine Studenten wieder mit „Ja“.

Schließlich holte der Professor zwei Dosen Bier hervor und schüttete das Bier in das Glas. Seine Studierenden lachten und als das Gelächter verklang, sagte der Professor: „Sie sollten dieses Glas als Beispiel für Ihr Leben betrachten. Die Golfbälle symbolisieren die wirklich wichtigen Dinge in Ihrem Leben: Ihre Gesundheit, Ihre Familie, Ihre Freunde, die leidenschaftlichen Aspekte Ihres Lebens, welche, falls in Ihrem Leben alles verloren ginge und nur noch diese verbleiben würden, Ihr Leben trotzdem erfüllen würden. Die Kieselsteine sind Symbol für die anderen Dinge in Ihrem Leben wie z.B. Ihre Arbeit, Ihre Wohnung, Ihr Auto. Der Sand symbolisiert alles andere, die Kleinigkeiten, ohne die Sie auch leben könnten.

Falls Sie den Sand zuerst in das Glas füllen, gibt es weder Platz für die Kieselsteine noch für die Golfbälle. Dasselbe gilt für Ihr Leben. Wenn Sie all Ihre Zeit und Energie in Kleinigkeiten investieren, werden Sie nie Platz haben für die wichtigen Dinge. Konzentrieren Sie sich also auf die Dinge, die wirklich Bedeutung haben in Ihrem Leben, auf das Wesentliche, und vergeuden Sie Ihre Zeit nicht mit „Sandspielen“! Achten Sie immer zuerst auf die Golfbälle; die wirklich wichtig sind. Setzen Sie Prioritäten! … und bauen Sie nicht auf Sand!

Einer der Studierenden erhob die Hand und wollte wissen, was denn das Bier zu bedeuten hatte. Der Professor schmunzelte: “Ich bin froh, dass Sie das fragen. Es ist dafür da, Ihnen zu zeigen, dass, egal wie schwer es in Ihrem Leben auch kommen sollte, es immer noch Platz gibt für ein oder zwei Bierchen.“

Was also sind die Prioritäten, was entspricht den Golfbällen im Leben? Dies gilt es zu klären. Die Prioritäten geben die Richtung für das neu ausgerichtete Leben vor.

Die Werte – nach welchen Werten soll das Leben ausgerichtet werden?

Jede Wertegemeinschaft, d. h. eine Gemeinschaft von Menschen, die in Nationen, Organisationen, Gruppen usw. miteinander leben, besitzt gemeinsame Wertvorstellungen und bildet damit eine Wertegemeinschaft. Wertvorstellungen bzw. in Kurzform Werte, bezeichnen im allgemeinen Sprachgebrauch als allgemein erstrebenswert, moralisch oder ethisch gut betrachtete Eigenschaften bzw. Qualitäten, die Objekten, Ideen, praktischen bzw. sittlichen Idealen, Sachverhalten, Handlungsmustern, Charaktereigenschaften beigemessen werden (Quelle: Wikipedia).

Jeder Person innerhalb einer Wertegemeinschaft sind bestimmte Werte (z. B. Gerechtigkeit, Fairness, Loyalität, Pünktlichkeit, Sicherheit, Solidarität, Toleranz, Unbestechlichkeit, Verlässlichkeit usw.) wichtig. Aber nicht allen Personen sind dieselben Werte wichtig.

Gelebte Wertvorstellungen stehen in enger Beziehung zur Lebensqualität. Mit anderen Worten: Lebensqualität wird wahrgenommen, wenn persönlich für wichtig erachtete Werte gelebt werden.

Somit lautet die Frage: welche Werte sind persönlich wichtig? An welchen Werten soll das Leben konkret ausgerichtet werden?

Gibt es eine Lebensaufgabe? Falls ja, wie lautet sie?

Es mag sein, dass die Auslöserfragen bereits eine Spur zu Berufung und Lebensaufgabe gelegt haben. Insbesondere die Frage nach der tiefsten Sehnsucht kann Hinweise geben.

Jeder Mensch kommt mit einem Bündel an bereits angelegten Fähigkeiten und Kompetenzen zur Welt. Er kann sie seinen Neigungen, Vorstellungen und Wünschen entsprechend einsetzen. Die Bestimmung, diese Fähigkeiten- und Kompetenzenbündel nicht brach liegen zu lassen, sondern sie im Leben sinnvoll und nutzbringend einzusetzen, verkörpert die Berufung. In dem Wort „Berufung“ steckt das Element „Ruf“, der Ruf, aus Fähigkeiten- und Kompetenzenbündeln etwas zu machen.

Der griechische Philosoph Aristoteles verbindet Fähigkeiten- und Kompetenzenbündel mit den Bedürfnissen der Welt: „Wo deine Talente und die Bedürfnisse der Welt sich kreuzen, dort liegt deine Berufung.“ Damit schlägt er bereits die Brücke zur Lebensaufgabe.

Die persönliche Lebensaufgabe ist die konkrete Antwort auf die Berufung, die Verwirklichung der Berufung. Sie zu kennen, hilft wesentlich dabei, dem Leben ein Ziel und Struktur zu geben. Die individuelle Lebenswelt wird klarer und es fällt leichter, sich abzugrenzen.

Für den österreichischen Neurologen und Psychiater Viktor Frankl spielt die Lebensaufgabe eine sehr wichtige Rolle im Leben: „Das Wissen um eine Lebensaufgabe hat einen eminent psychotherapeutischen und psychohygienischen Wert. Wer um einen Sinn seines Lebens weiß, dem verhilft dieses Bewusstsein mehr als alles andere dazu, äußere Schwierigkeiten und innere Beschwerden zu überwinden.“

Auch der kanadische Psychologe Jean Monbourquette drückt es ähnlich aus: „Ein Mensch, der seine Lebensaufgabe gefunden hat, findet darin Gründe, die das Leben lohnen und mit Freude erfüllen, ganz gleich, auf welche Hindernisse und Schwierigkeiten er stoßen oder was für Schweres ihm zugemutet werden mag.“

Es ist zwar nicht zwingend erforderlich, aber im Leben sehr hilfreich, eine Lebensaufgabe zu haben. Wie also lautet die Lebensaufgabe?

Schließlich: Die Lebensvision

Die Lebensvision verbindet Prioritäten, persönliche Werte, Berufung und Lebensaufgabe zu einem Ganzen. Das neu ausgerichtete Leben gewinnt eine konkrete Gestalt. Jetzt lässt sich diese Lebensvision visualisieren.

Die Kraft der Visualisierung lässt sich an der Lebensgeschichte Viktor Frankls exemplarisch verdeutlichen. Frankl war in einem Konzentrationslager inhaftiert. Schon während seiner Zeit im Konzentrationslager hatte er eine Art „innerer Hoffnungsfilm“ entworfen, der ihn in eine bessere Zukunft versetzte. Er stellte sich vor, in einem warmen, hell erleuchteten Hörsaal über das zu berichten, was er soeben noch durchmachen musste. Genau so erfüllte es sich schließlich.

Natürlich bedarf es keiner für die eigene Existenz bedrohlichen Situation, um für sich einen Visionsfilm zu entwerfen. Ein solcher Visionsfilm, oder vielleicht auch mehrere, können jederzeit vor dem inneren Auge entworfen und auch immer wieder abgespielt werden.

Die Umsetzung der Vision

Wenn die Vision klar ist, kann der Richtungswechsel ganz praktisch umgesetzt werden. Dazu ist erforderlich, die jetzige Situation zu analysieren (wo stehe ich jetzt gerade) und dann intensiv zu überlegen, wie das Ziel erreicht werden kann. Was ist alles erforderlich, was muss getan werden, wann ist was dran … ?, sind einige der zu klärenden Fragen.

Dem Leben eine neue Richtung geben – es ist möglich, und das jederzeit im Leben.

Dieter Jenz
Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.