Die Liebe besteht nicht darin, zu fühlen, dass man liebt, sondern …

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„Die Liebe besteht nicht darin, zu fühlen, dass man liebt, sondern darin, lieben zu wollen. Wenn man über alles lieben will, tut man es bereits.“

Charles de Foucauld
Die Liebe besteht nicht darin zu fühlen, C. de Foucauld - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Charles de Foucauld (1858 -1916) war ein französischer Forscher, Offizier, Priester, Mönch und Eremit. In eine der reichsten Familien Frankreichs geboren, führte er bereits während der Schulzeit einen ausschweifenden Lebenswandel. Aus der Armee, in die er später eintrat, wurde er unehrenhaft entlassen.

Nach seiner Wiederhinwendung zum christlichen Glauben wurde er Priester und Mönch. In Algerien errichtete er eine Einsiedelei. Gleichwohl pflegte er Kontakt zur einheimischen Bevölkerung und galt als Freund der Tuareg, einem Volksstamm. Bei einem Überfall von Aufständischen wurde er ermordet.

Verliebtheit oder Liebe?

Liebe bezeichnet eine starke, im Gefühl gegründete Zuneigung zu einer Person oder einer Personengruppe, geprägt von inniger und tiefer Verbundenheit. Sie drückt nicht nur starke Zuneigung, sondern auch Wertschätzung aus.

Die Liebe zwischen zwei Menschen beginnt oft mit einer Zeit der Verliebtheit. Auch Verliebtheit wird als ein intensives Gefühl der Zuneigung verstanden. Im Unterschied zur Liebe, die ein Dauerzustand sein kann, kann Verliebtheit als eine Phase charakterisiert werden.

Verliebtheit – ein Ausnahmezustand?

Während der Phase der Verliebtheit, die individuell ganz unterschiedlich lang andauern kann (als Faustregel zwischen etwa 3 und 12 Monaten), wird die geliebte Person typischerweise gewissermaßen durch die „rosarote Brille“ gesehen. Ihre Schwächen werden ausgefiltert, nicht wirklich wahrgenommen oder sogar als positive Eigenschaften gewertet. So mag beispielsweise zunächst die Spontaneität der geliebten Person faszinieren. Im Zeitverlauf mag die Faszination hingegen verblassen, weil man mit der Impulsivität (die man nun vielleicht als Leichtsinnigkeit, Egoismus oder gar Selbstsucht wahrnimmt) auf Dauer nicht zurechtkommt.

Die Verliebtheit kann in Liebe übergehen oder auch wieder abflauen und enden. Schließlich ist Verliebtheit eine Phase und kein Dauerzustand. Doch wann wird aus einer Verliebtheit Liebe? Eine Abgrenzung ist schwierig, denn Liebe und Verliebtheit haben einige Merkmale gemeinsam: man fühlt eine starke Zuneigung, man freut sich, wenn man mit der geliebten Person zusammen ist, und Zärtlichkeit spielt eine wichtige Rolle.

In der Phase der Verliebtheit laufen im Körper besondere biochemische Prozesse ab. Im Körperhaushalt zeigen sich bei Neurotransmittern und Neurohormonen Veränderungen, die wenn der „Zustand“ der Liebe erreicht ist, deutlich geringer ausfallen. Beispielsweise wird die Verliebtheit durch die vermehrte Ausschüttung des Neurotransmitters Dopamin (wichtigster Botenstoff des Belohnungssystems im Gehirn) als besonders stark ausgeprägtes Glücksgefühl empfunden. Zu den weiteren Neurotransmittern (neuronale Botenstoffe), die in der Phase der Verliebtheit eine Rolle spielen, zählen u. a. Serotonin (auch als „Glückshormon“ bezeichnet) und Oxytocin (auch als „Schmusehormon“ bezeichnet). Der Körper befindet sich gewissermaßen in einem Ausnahmezustand.

Worin unterscheiden sich Liebe und Verliebtheit?

Das Vertrauen in die geliebte Person ist während der Phase der Verliebtheit noch gering ausgeprägt, denn man kennt sie noch zu wenig. Deshalb ist man ihr gegenüber noch nicht wirklich offen und ehrlich, „pflegt“ seine eigene Fassade und tendiert dazu, eigene Schwächen zu verheimlichen. Und man ist noch nicht bereit, Verantwortung für die geliebte Person zu übernehmen. Vertrauen und Verantwortung sind jedoch unverzichtbare Merkmale der Liebe.

Auch für die Wertschätzung der geliebten Person fehlt noch die Erfahrungsgrundlage, denn man ist noch nicht „durch dick und dünn gegangen“ und hat noch keine Erfahrungen gemacht, die die Wertschätzung stärken. Wertschätzung ist jedoch ebenfalls ein unverzichtbares Merkmal der Liebe.

Wie schon erwähnt, werden in der Phase der Verliebtheit Schwächen der geliebten Person heruntergespielt. Die starke Sehnsucht nach ihr kann den realistischen Blick auf ihren Charakter mehr oder weniger verstellen. Auch die Akzeptanz von Schwächen ist jedoch ein unverzichtbares Merkmal der Liebe.

Im Übrigen schließt Liebe in einer Paarbeziehung Verliebtheit natürlich nicht aus. Man kann durchaus schon viele Jahre lang mit einer Person in Liebe verbunden und immer noch in sie verliebt sein.

Wen liebt man eigentlich?

Wenn in einer Paarbeziehung aus Verliebtheit Liebe geworden ist, ist dann Liebe ein schönes Gefühl, dem man sich einfach nur hinzugeben braucht? Wächst und vertieft sich die Liebe von ganz alleine? Die Erfahrung in vielen Paarbeziehungen ist eine andere. Nichts entwickelt sich einfach von selbst.

Die Frage stellt sich, auf welchem Fundament die Liebe ruht. Liebt man eine bestimmte Person oder bezieht sich die Liebe im weiteren Sinn auf alle Menschen und ist in der Konsequenz eine Lebenseinstellung? Und liebt man auch sich selbst?

Liebt man nur eine bestimmte Person?

Der Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe Erich Fromm spannt den Bogen weiter und sieht Liebe nicht in erster Linie als eine Bindung an eine bestimmte Person. In seinem Buch-Klassiker „Die Kunst des Liebens“ drückte er es so aus: Liebe „ist eine Haltung, eine Charakter-Orientierung, welche die Bezogenheit eines Menschen zur Welt als Ganzem und nicht nur zu einem einzigen ‚Objekt‘ der Liebe bestimmt. Wenn jemand nur eine einzige Person liebt und ihm alle übrigen Mitmenschen gleichgültig sind, dann handelt es sich bei seiner Liebe nicht um Liebe, sondern um eine symbiotische Bindung oder um einen erweiterten Egoismus.“.

Wenn eine „gesunde“ Liebe nicht an eine bestimmte Person gebunden ist, welche Konsequenzen sind damit verbunden? Erich Fromm schrieb dazu in „Die Kunst des Liebens“: „Wenn ich einen Menschen wahrhaft liebe, so liebe ich alle Menschen, so liebe ich die Welt, so liebe ich das Leben. Wenn ich zu einem anderen sagen kann: ‚Ich liebe dich‘, muss ich auch sagen können: ‚Ich liebe in dir auch alle anderen, ich liebe durch dich die ganze Welt, ich liebe in dir auch mich selbst‘.“.

Liebt man auch sich selbst?

Wenn Liebe bedeutet, dass man alle Menschen liebt, kann man dann sich selbst ausschließen? Dann würde man alle Menschen lieben, aber sich selbst nicht. Erich Fromm kommt zu dem Schluss, dass Liebe grundsätzlich unteilbar ist, man Liebe zu anderen Menschen nicht von der Liebe zum eigenen Selbst trennen kann. Und er geht sogar noch weiter: „Wenn ein Mensch fähig ist, produktiv zu lieben, dann liebt er auch sich selbst; wenn er nur andere lieben kann, dann kann er überhaupt nicht lieben.“.

Meister Eckhart drückte die Beziehung zwischen Selbstliebe und der Liebe zu allen Menschen so aus: „Hast du dich selbst lieb, so hast du alle Menschen lieb wie dich selbst. Solange du einen einzigen Menschen weniger lieb hast als dich selbst, so hast du dich selbst nie wahrhaft liebgewonnen.“. Damit bezieht sich Meister Eckhart auch auf die christliche Nächstenliebe, die in dem Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ zum Ausdruck kommt.

Selbstliebe ist keineswegs verwerflich und darf auch nicht mit Selbstsucht verwechselt werden. Man muss sich selbst lieben können, denn ohne Selbstliebe kann man überhaupt nicht lieben.

Lieben wollen – wie kann das gehen?

Wenn sich Liebe nicht von selbst entwickelt, wächst und vertieft, bedarf es einer Anstrengung, um zu Entwicklung, Wachstum und Vertiefung der Liebe zu gelangen. Diese Anstrengung, ein aktives Bemühen, muss man wollen.

Für Erich Fromm ist Liebe eine Kunst und eine Fertigkeit, die sich wie ein Handwerk erlernen lässt. Liebe kommt nicht durch eine Person (ein „Objekt“) zustande, sondern durch eine Fähigkeit. In früheren Zeiten, als beispielsweise Ehen zwischen Familien arrangiert wurden, in der Annahme, dass sich die Liebe zwischen Mann und Frau nach der Hochzeit schon irgendwie einstellen werde, war diese Fähigkeit sogar entscheidend wichtig. Die Ehepartner hatten gewissermaßen nur die Wahl, entweder nebeneinanderher zu leben und nach außen hin den Schein einer funktionierenden Ehe zu wahren, oder die Fähigkeit zu erlernen, einander zu lieben.

Wie kann man die Kunst des Liebens erlernen?

Wenn, auf der Linie von Erich Fromm, Lieben eine Kunst ist, wie auch Leben eine Kunst ist, muss man diese Kunst erlernen. Und lernen muss man wollen. Und wenn man etwas erlernen will, muss man auch Prioritäten setzen. Wäre beispielsweise miteinander vereinbar, die Kunst des Liebens zu erlernen und es zu einer Art „Meisterschaft“ in dieser Kunst zu bringen, gleichzeitig aber alle Energie in die Karriereentwicklung zu investieren?

Zum praktischen Erlernen der Kunst des Liebens sind nach Erich Fromm Disziplin, Konzentration und Geduld erforderlich. Und wenn man es in einer Kunst zur Meisterschaft bringen will, muss man sein ganzes Leben danach ausrichten. Die gesamte Persönlichkeit, so Erich Fromm, müsse zu einem Instrument zur Ausübung der Kunst werden.

Disziplin und Konzentration beugen der Zersplitterung des Lebens vor. Geduld ist notwendig, da man eine Kunst nicht an einem Tag erlernt, sondern man viele Jahre benötigt, um es zu einer Meisterschaft zu bringen. Disziplin, Konzentration und Geduld dürfen jedoch nicht von außen aufgezwungen sein, sondern man muss es selbst wollen.

Ein Ausdruck von Disziplin kann beispielsweise sein, dass man „Inweltverschmutzung“ vermeidet. Damit ist die Verschmutzung der Seele gemeint. „Was könnte meine Seele verschmutzen, weil es im Gegensatz zu meinen persönlichen Überzeugungen und Werten steht?“, wäre eine Frage, die man sich selbst stellen kann. Dann meidet man beispielsweise Medien, welche die Seele „vergiften“. Dazu könnten Medien zählen, die ein abwertendes Frauenbild darstellen, die Gewalt propagieren usw.

Konzentration wird ihren Ausdruck darin finden, dass man sich dafür Zeit nimmt, mit sich alleine zu sein. Erich Fromm formulierte sogar: „Paradoxerweise ist die Fähigkeit, allein sein zu können, die Vorbedingung für die Fähigkeit zu lieben“. Konzentration bedeutet auch, ganz in der Gegenwart zu leben, im Hier und Jetzt zu sein, sich auf den Augenblick zu konzentrieren, mit dem Herzen dabei zu sein. Mit anderen Worten: Konzentration bedeutet „achtsam sein“.

Wenn man auf andere Menschen konzentriert ist, wird man auch konzentriert zuhören. Durch das konzentrierte Zuhören wird auch signalisiert, dass man den Anderen ernstnimmt.

Wann ist man mit dem Lernen fertig?

Die Frage stellt sich unwillkürlich: Wann hat man die Kunst des Liebens erlernt und wann hat man es zur Meisterschaft gebracht? Wann ist man mit der „Ausbildung“ fertig? Einen objektiven Maßstab dafür gibt es nicht. Aber wenn man sich darauf eingelassen hat, der Kunst des Liebens Priorität zu geben und sie erlernen zu wollen, liebt man auch schon während des Lernprozesses. Dies war auch schon die Erfahrung von Charles de Foucauld.

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.