Man muss verzeihen können. Das Leben des Menschen ist zu kurz …

„Man muss verzeihen können. Das Leben des Menschen ist zu kurz, als dass er es mit Nachtragen und Rachsucht hinbringen dürfte.“

Friedrich der Große
Man muss verzeihen können, Friedrich der Große - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Friedrich II. oder Friedrich der Große (1712-1786), volkstümlich der „Alte Fritz“ genannt, entstammte der Dynastie der Hohenzollern. Friedrich II. gilt als ein Repräsentant des aufgeklärten Absolutismus, der absoluten Monarchie in Alleinherrschaft. Er bezeichnete sich selbst als „ersten Diener des Staates“. Er setzte tiefgreifende gesellschaftliche Reformen durch, schaffte die Folter ab, hob die Zensur auf, senkte die Getreidepreise und forcierte den Ausbau des Bildungssystems.

In der Folge mehrerer Kriege gelang es Friedrich II., das verhältnismäßig kleine Preußen dank geschickter strategischer Manöver als fünfte Großmacht in Europa zu etablieren. Außerdem erweiterte er das Territorium Preußens im Osten um ein Vielfaches.

Wer profitiert vom Verzeihen?

Carola (Name geändert) erlebte mit, wie ihr Ehemann Horst (Name geändert) mit Börsengeschäften viel Geld verlor. Horst hatte ihr gegenüber immer wieder versucht, die Lage zu beschönigen. Er hatte ihr nicht die ganze Wahrheit gesagt. Doch die Stunde der Wahrheit kam unweigerlich. Das gemeinsame Vermögen war erheblich geschrumpft. Carola fühlte sich hintergangen und war zutiefst verletzt.

Wie sollte sich Carola verhalten? Sie liebte Horst nach wie vor und Horst liebte sie. Wenn sie sich nicht trennen wollten, gab es im Grunde nur zwei Möglichkeiten. Entweder würde Carola ihren Groll auf Horst konservieren, ihn ihren Groll immer wieder spüren lassen und ihm bei passender Gelegenheit seine Verfehlungen vorhalten. Damit würde sie jedoch die Beziehung gefährden. Es könnte sein, dass Horst es irgendwann nicht mehr aushält und von sich aus die Trennung sucht.

Ermutigung und Inspiration: Übersicht aufrufen

Die zweite Möglichkeit bestünde darin, Horst von Herzen zu verzeihen. Damit würde sie sein Verhalten nicht entschuldigen. Sie würde sich vielmehr bewusst dafür entscheiden, Horst gewissermaßen freizusprechen und ihm zukünftig sein Fehlverhalten nicht mehr vorzuwerfen. Was vergeben wurde, kann nicht mehr angeklagt werden.

Für Carola wäre es im Vergebungsprozess auch hilfreich, zu verstehen versuchen, wieso Horst so handelte. Vielleicht könnte sie eine Geschichte dahinter ergründen und so Horst besser verstehen. Durch bewusste Vergebung würde sie sich schließlich auch selbst entlasten und könnte positiven Gefühlen wieder Raum geben.

Carola wird es vielleicht sehr schwerfallen, Horst zu verzeihen. Vielleicht braucht sie dafür auch einige Zeit. Wenn es ihr aber gelingt, zu verzeihen, profitieren beide. Carola entlastet nicht nur Horst, sondern auch sich selbst. Die Beziehung kann wieder aufblühen.

Wenn Carola nicht verzeihen kann?

Carola und Horst haben, wenn die statistische Lebenserwartung zugrunde gelegt wird, in ihrer Beziehung noch einige Jahre vor sich. Wenn sich Carola nicht zum Verzeihen durchringen kann, ist nicht nur die Beziehung über Jahre hinweg belastet. Sie legt sich auch selbst eine Last auf: die Last der Verbitterung. Ihre Gedanken werden immer wieder um das Ereignis des Vermögensverlusts und Horsts Unaufrichtigkeit kreisen.

Wenn sie aus der Verbitterung nicht herausfinden kann, kann es zu einer chronischen Verbitterungsstörung kommen. Im Endeffekt richtet sie bei sich selbst in der Folge möglicherweise größeren Schaden an als Horst, der für den Vermögensverlust verantwortlich war. Terry Waite drückte es so aus: „Wenn du verbittert bist, frisst es dich auf und richtet bei dir sehr viel größeren Schaden an als die Menschen, die dich verletzt haben.

Verzeihen hat eine positive Wirkung auf die Gesundheit

Wie Untersuchungen zeigen, hat das Verzeihen auch eine positive Auswirkung auf die Gesundheit. Eine im Jahr 2019 veröffentlichte Metaanalyse der Beziehung zwischen Vergebung und körperlicher Gesundheit zeigte, dass Probanden, die anderen eher vergeben konnten, gesünder waren als diejenigen, denen das Verzeihen schwer fiel. Eine besonders positive Wirkung ergab sich auf die Herzgesundheit.

Provokant gefragt: Wenn das Leben zu kurz ist, um es mit Nachtragen und Rachsucht zu verbringen, und wenn Verzeihen der Gesundheit guttut, weshalb sollte man nicht verzeihen?

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.