Niemals wird einer glücklich sein, wenn es ihn quält, dass …Lesezeit: 9 Min.

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„Niemals wird einer glücklich sein, wenn es ihn quält, dass ein anderer glücklicher ist.“

Seneca
Niemals wird einer glücklich sein, Seneca - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Lucius Annaeus Seneca, genannt Seneca der Jüngere, (ca. 1-65 n. Chr.) war ein römischer Philosoph, Dramatiker, Naturforscher und Politiker. Er war ein Anhänger der stoischen Philosophie, zu deren Grundsätzen Selbstbeherrschung und Gelassenheit gehören. Seneca wirkte als Erzieher des jungen Thronfolgers Nero (37-68 n. Chr.) und stand diesem nach seiner Machtübernahme als Kaiser weiter als Berater zur Seite.

Ist ein anderer wirklich glücklicher?

Angenommen, man würde mitbekommen, dass ein Nachbar im Lotto eine sehr hohe Summe gewonnen hat. Dann würde man sehr wahrscheinlich vermuten, dass der Nachbar jetzt glücklich ist. Ist er dann glücklicher als man selbst? Wahrscheinlich würde man zustimmen, wenn man Geld für das maßgebliche Kriterium für Glück hält.

Der Lottogewinn ist sicherlich ein besonderes Ereignis im Leben des Nachbarn. Vielleicht macht er ihn sogar finanziell unabhängig und der Nachbar könnte seine Arbeitsstelle kündigen – wenn er es denn wollte. Aber macht der Lottogewinn das Gesamtbild des Glücks aus?

Außerdem angenommen: in der Ehe des Nachbarn kriselt es schon seit längerer Zeit. Nach außen hin hält das Paar die Fassade aufrecht. Sie soll den Eindruck erwecken: „Wir sind glücklich miteinander“. Wenn man den beiden auf der Straße begegnet, fällt von der Krisenstimmung in der Beziehung nichts auf. In seiner Beziehung ist der Nachbar aber in Wirklichkeit todunglücklich. Doch bisher wollte er sie aus welchen Gründen auch immer noch nicht beenden.

Würde man den Nachbarn, wenn man Einblick in seine Beziehung hätte, immer noch als glücklicher betrachten? Wahrscheinlich nicht. Oder vielleicht doch? Dann würde man Materielles über die zwischenmenschliche Beziehung stellen. „Hauptsache Geld, Glück in der Beziehung ist Nebensache“, würde dann die Devise lauten.

Wer kann objektiv beurteilen, ob ein anderer glücklicher ist als man selbst? Niemand! Einen objektiven Glücksmaßstab gibt es nicht, kann es nicht geben. Wenn man einen anderen für glücklicher hält als man es selbst ist, ist es eine subjektive Einschätzung. Sie kommt durch Vergleichen mit subjektiven Maßstäben zustande und kennt nicht unbedingt die gesamte Wirklichkeit.

Glücklich sein oder Glück haben?

Gibt es einen Unterschied zwischen glücklich sein und Glück haben? Oder gibt es keinen Unterschied? Wenn man beispielsweise im Lotto gewonnen hat, dann ist man zugleich glücklich und man hat auch Glück gehabt. Es mag aber durchaus sein, dass man gefühlt nie Glück hat. Was dann? Könnte man sich dann nie glücklich fühlen? Dieser Gedanke wäre absurd. Man kann sich – und das zeigen die Erfahrungen vieler Menschen – durchaus glücklich fühlen, wenn man sein Glück nicht daran festbindet, Glück zu haben.

Was ist die Quelle des Glücks? Kommt das Glücksgefühl von innen oder eher von außen. Das beispielsweise durch einen Lottogewinn verursachte Glücksgefühl kommt eindeutig von außen. Es ist anlassbezogen. Hätte man nicht im Lotto gewonnen, wäre man auch nicht glücklicher. Aber man hatte Glück und deshalb fühlt man sich glücklicher, zumindest für einige Zeit.

Wenn man jedoch schon in seinem Inneren glücklich ist, eine innere „Glücksquelle“ hat, wird ein Lottogewinn das Glücksgefühl nicht wesentlich steigern können. Natürlich wird man sich über den Lottogewinn freuen, aber das persönliche Glück ist davon nicht abhängig. Man kann Glück haben in dem Sinne, dass einem etwas zufällt, oder auch nicht. Man wird sich nicht weniger glücklich fühlen.

Gequält werden oder sich selbst quälen?

Wohin kann es führen, wenn man sich mit anderen vergleicht und sich auf das „Glück haben“ fokussiert? Sicherlich wird man dann immer wieder in die „Vergleichen-Fall“ tappen. Und der subjektive Vergleich wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Glücksdefizit offenbaren. Man fühlt sich irgendwie zu kurz zu kommen. Das Ergebnis des subjektiven Vergleichs mag als sehr schmerzhaft empfunden werden und einen quälen. Doch wer oder was quält? Und wird man gequält oder quält man sich eher selbst?

Der (vermeintlich) glücklichere Mitmensch kann einen nicht quälen. Zu körperlichen Qualen hat er schlicht keine Mittel. Davon abgesehen, wieso sollte ein glücklicher Mensch einen anderen körperlich quälen? Es gäbe kein Motiv. Auch für ihn als Quelle seelischer Qualen spricht nichts. Weshalb sollte er als glücklicher Mensch einen Mitmenschen unglücklich machen wollen? Er würde sich in gewisser Weise selbst Zeit stehlen, während der er sein Glück genießen kann.

Somit bleibt nur eine Möglichkeit: man quält sich selbst. Man fügt sich selbst absichtlich seelischen Schmerz zu. Dadurch macht man sich selbst leiden. Dies geschieht aus freiem Willen, nicht aus Zwang. Niemand ist oder wird dazu gezwungen, sich selbst leiden zu machen.

Die selbstgewählte Qual kann sich unter anderem in Neid mit allen seinen Folgen äußern. Man beginnt damit, sich mit dem Glücklicheren zu vergleichen und stellt eine wie auch immer geartete „Überlegenheit“ des Anderen fest. „Der Nachbar hat im Lotto alle Zahlen richtig getippt und hat Glück gehabt. Das hätte auch ich sein können. Jede Woche spiele ich, aber ich hatte bisher immer nur höchstens drei Richtige.“, mag man sich vielleicht sagen. „Er wurde in eine höhere Gehaltsgruppe eingestuft, obwohl sich sein Aufgabenprofil kaum von meinem unterscheidet. Ich hätte auch höhergestuft werden können“, wäre ein anderer Auslöser für Neid.

Neid verursacht seelischen Schmerz. Dieser Schmerz wird umso größer, je wichtiger einem das Ziel oder der Zustand ist, das bzw. den der Andere bereits erreicht hat. Man spielt jede Woche im Lotto und könnte einen saftigen Lottogewinn gut gebrauchen, aber der Nachbar war der Glücklichere. Man leistet genauso gute Arbeit wie der Kollege und wüsste sofort, wie man ein höheres Gehalt nutzen könnte. Aber man ist leer ausgegangen und der Kollege war der Glücklichere.

Durch Neid verändert sich nichts an der Situation. Aber man quält sich selbst. Die Qual könnte sogar so weit gehen, dass man versucht, mit dem jetzt höheren Lebensstandard des vermeintlich glücklicheren Nachbarn mitzuhalten. Ein gewisser Nachahmungseffekt könnte die eigene finanzielle Leistungsfähigkeit überstrapazieren und dadurch die Qual noch vergrößern.

Was hat man am Ende von der Selbstqual? Jedenfalls nichts Positives! Man schadet nur sich selbst.

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Dankbarkeit beinhaltet Demut, R. Emmons - Gestaltung: privat
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Schneidet man sich selbst vom Glücklichsein ab?

Dieses Zitat von Seneca lässt sich auch so übersetzen: „Nie wird einer glücklich sein, den das größere Glück eines anderen wurmt.“. Ob es einen nur wurmt oder ob es einen eher so richtig quält, das Ergebnis ist dasselbe: man schneidet sich buchstäblich selbst vom Glücklichsein ab. Seneca drückte es sehr drastisch aus: „Niemals wird einer glücklich sein …“.

Weshalb schneidet man sich selbst vom Glücklichsein ab? Es hat mit der eigenen Sichtweise zu tun. Man schaut auf andere oder auf Dinge, weniger auf sich selbst. Doch andere Menschen oder Umstände kann man, wenn überhaupt, nur in Grenzen beeinflussen. Ob beispielsweise bei der Lottoziehung die getippten Zahlen auch tatsächlich gezogen werden, liegt völlig außerhalb der eigenen Kontrolle. Man hat nur eine Person unter Kontrolle: sich selbst.

Wenn man sein Glücklichsein von anderen Menschen oder Dingen abhängig macht und seine Sichtweise nicht ändert, wird man ein unglücklicher Mensch bleiben. Und dafür ist niemand anderes verantwortlich als man selbst.

Wie kann man glücklich werden, sein und bleiben?

Wie müsste man seine Sichtweise ändern, wenn man glücklich werden, sein und bleiben will? Konkreter: Was müsste geschehen, damit es einen nicht (immer wieder) wurmt oder quält, wenn ein anderer (vermeintlich) glücklicher ist?

An allgemeinen Antworten auf die Frage, wie der Mensch glücklich sein kann, mangelt es nicht. Der gemeinsame Nenner lautet: auf die äußeren Dinge kommt es nicht an. Schon der chinesische Philosoph Laotse brachte zum Ausdruck, dass das Glück nicht vom Haben abhängt: „Wer mit wenig nicht glücklich ist, wird auch mit viel nicht glücklich sein.“.

Das Glück kann man nur mit Bezug auf sich selbst finden. Stellvertretend für viele weitere kommt dies in zwei Gedankengängen zum Ausdruck.

Für den katholischen Geistlichen Phil Bosmans, der sich intensiv mit dieser Frage beschäftigte, liegt der Grund für das Glück des Menschen „… nicht im Geld oder Besitz oder Luxus, nicht im Nichtstun oder Geschäfte machen, nicht im Leisten oder Genießen. Bei glücklichen Menschen fand ich immer als Grund tiefe Geborgenheit, spontane Freude an den kleinen Dingen und eine große Einfachheit.“. Der Philosoph Arthur Schopenhauer wies auf Genügsamkeit hin: „Das Glück gehört denen, die sich selbst genügen. Denn alle äußeren Quellen des Glückes und Genusses sind ihrer Natur nach höchst unsicher, misslich, vergänglich und dem Zufall unterworfen.“.

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Was kann dies für einen persönlich bedeuten? Ein erster Ansatzpunkt wäre, sich dem Vergleich mit anderen bewusst zu entziehen und auf sich zu schauen. Schon allein dies hat eine Auswirkung. Der Psychologe und Psychotherapeut Carl Rogers machte die Erfahrung: „Ich fühle mich glücklicher, nur weil ich ich selbst bin und andere sie selbst sein lasse.“.

Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Frage an sich selbst: „Was macht mich zutiefst glücklich?“. Dabei mag man sich vorstellen, dass man sich selbst genügt, also nicht von Menschen oder Gütern abhängig ist. Und man mag dabei auch bedenken, dass man von Schicksalsschlägen getroffen werden kann. Selbst dann möchte man ja noch von der Grundstimmung her glücklich sein, auch wenn Schmerz, Trauer oder Leid ausgehalten werden müssen.

Es ist nicht ungewöhnlich, wenn man bei diesem Nachdenken auch sein Eingebundensein und seine Verbundenheit mit den Mitmenschen und die Rückwirkung auf das eigene Glücklichsein entdeckt. Der Philosoph und Anthropologe Ludwig Feuerbach sah den Zusammenhang so: „Je glücklicher wir einen anderen machen, umso glücklicher werden wir selbst.“.

Kann man andere Menschen glücklich machen, wenn man selbst nicht glücklich ist? Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Dichter, Literaturmäzen und Sammler, sah eigenes Glücklichsein als Voraussetzung und formulierte es so: „Nur wer glücklich ist, kann glücklich machen. Wer’s tut, vermehrt sein eignes Glück.“.

Auch Seneca sah eine Rückwirkung auf das eigene Glück. Für ihn war es sogar eine Angelegenheit der Vernunft, sich dafür zu entscheiden, das sittlich Gute zu verwirklichen. Dies schließt auch den Einsatz für den Mitmenschen mit ein. Mit dieser Entscheidung macht man sich selbst glücklich. Gleichzeitig macht man sich unabhängig von äußeren Quellen des Glücks.

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.