Das ganze Meer verändert sich, wenn ein Stein hineingeworfen wird.

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„Das ganze Meer verändert sich, wenn ein Stein hineingeworfen wird.“

Blaise Pascal
Das ganze Meer verändert sich, B. Pascal - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Blaise Pascal (1623-1662) war ein französischer Mathematiker, Physiker, Literat und christlicher Philosoph. Schon in seiner Kindheit und Jugendzeit wurde sein hervorragendes mathematisches Talent sichtbar. Im Alter von 16 Jahren veröffentlichte er sein Werk über Kegelschnitte (Pascalscher Satz). Als er eine der ersten Rechenmaschinen zu konstruieren begann, für die er dann ein Patent erhielt, war er erst 18 Jahre alt.

Später wandte er sich von der Mathematik ab und erst physikalischen, dann theologischen und philosophischen Fragen zu. Schließlich ging er als einer der wichtigsten religiösen Denker des 17. Jahrhunderts in die Geschichte ein.

Kleine Ursache, große Wirkung

Auf den ersten Blick mag es nicht einleuchten. Wenn man einen Stein ins Meer wirft, entstehen Wellen, die sich konzentrisch ausbreiten, jedoch nach wenigen Metern auslaufen. Wie soll dadurch das ganze Meer verändert werden? Technisch gesehen ist es jedoch in der Tat exakt so: das gesamte Meer wurde verändert.

„Kleine Ursache, große Wirkung“, dieses Sprichwort trifft zu. Darauf nimmt Blaise Pascal im vorangestellten Teil des Zitats Bezug: „Die kleinste Bewegung ist für die ganze Natur von Bedeutung“. Wenn ein Stein in die Nord- oder Ostsee geworfen wird, merkt an der australischen Küste davon niemand etwas. Schon nach nur wenigen Sekunden erinnert nichts mehr daran, dass überhaupt etwas ins Wasser geworfen wurde. Und dennoch wurde das ganze Meer verändert. Es wäre sogar verändert worden, wenn auch nur ein Tropfen ins Wasser gefallen wäre.

Das Bild des ins Meer geworfenen Steins mit den sich daraus ergebenden Konsequenzen lässt sich auf viele Lebenszusammenhänge übertragen. Hier soll lediglich auf zwei davon eingegangen werden: das menschliche Dasein und die menschliche Kommunikation.

Jeder Mensch verändert die Welt

Wiederum „technisch“ gesehen, verändert die Geburt eines Menschen die ganze Welt. Die Weltbevölkerung wächst. Ein einzigartiges menschliches Wesen, etwas Einziges und Einmaliges, wird in die Welt hineingeboren. Jeder Mensch unterscheidet sich genetisch von seinen Mitmenschen. In der Einzigartigkeit liegt auch Kostbarkeit. Martin Buber, Religionsphilosoph, Pädagoge und Schriftsteller, kleidete es in folgende Worte: „In jedermann ist etwas Kostbares, das in keinem anderen ist.“.

Kann ein einzigartiger Mensch bedeutungslos sein? Diese Frage kann nur unbedingt verneint werden. Es ist schlicht unmöglich! Jemand, der durch sein Dasein die ganze Welt verändert, kann nicht bedeutungslos sein.

Das Maß für Bedeutung ist sicherlich nicht der Faktor „Leistung“, was auch immer unter „Leistung“ verstanden werden kann. Nicht jeder Mensch kann zu einem großen Erfinder werden, wie beispielsweise Leonardo da Vinci (einer der berühmtesten Universalgelehrten aller Zeiten), Johannes Gutenberg (Erfinder des Buchdrucks) oder Werner von Siemens (Begründer der modernen Elektrotechnik). Nicht jeder Mensch kann als bedeutender Politiker in die Geschichte eingehen, wie beispielsweise Otto von Bismarck (gilt als Vollender der deutschen Einigung (1871) und als Begründer des Sozialstaates der Moderne), Ludwig Erhard (gilt als Vater des „deutschen Wirtschaftswunders“ nach dem Zweiten Weltkrieg) oder Hans-Dietrich Genscher (trat mit großem diplomatischem Geschick für die Überwindung der Teilung Europas und Deutschlands sowie des Kalten Krieges ein). Und nicht jeder Mensch kann… – die Aufzählung ließ sich fortsetzen.

Die weitaus meisten Menschen schaffen es nicht in die Geschichtsbücher. Aber jeder Mensch hinterlässt seine ganz individuellen Spuren, verändert die Welt. Es muss bei weitem nichts „Großartiges“ sein, durch das man auffällt. Das allermeiste geschieht schließlich im Kleinen und nicht selten auch im Verborgenen.

Jeder Mensch hat seine Begabungen, Fähigkeiten und Kompetenzen. Er kann sie für seine Mitmenschen wirksam machen. Es ist ein Geben. Und man gibt auch mit seiner Persönlichkeit, mit dem, wie man ist. In der Konsequenz ist jeder Mensch wertvoll und hat etwas, das er geben kann. Dies lässt sich auch, mit einem Personalpronomen versehen, so formulieren: „Du bist wertvoll! Du hast etwas, das du geben kannst.“.

Ein kleines Gedankenexperiment

Wie wäre es mit einem kleinen Gedankenexperiment? Man stellt sich vor einen Spiegel und spricht sich selbst Folgendes zu: „Durch mein Dasein verändere ich die ganze Welt!“. Dies ist beileibe kein Ausdruck von Überheblichkeit, Hochmut oder Vermessenheit, sondern lediglich die Wiedergabe einer Tatsache. Jetzt lässt man diesen Satz schweigend auf sich wirken, etwa eine Minute lang.

Nach dieser „Einwirkzeit“ schaut man sich im Spiegel an. Wie hat dieser Satz auf einen gewirkt? Stellt man eine Veränderung im Körperausdruck (Körperhaltung, Körperbewegungen, Gestik, Mimik) fest? Sehr wahrscheinlich wird man eine Veränderung bemerken: der Gesichtsausdruck ist entspannter als vorher, der Körper hat sich aufgerichtet usw. Es wäre eher ungewöhnlich, wenn keine Veränderung wahrnehmbar wäre.

Was hat sich auf der seelischen Ebene verändert? Wenn sich der Körperausdruck verändert hat, drücken sich darin Regungen der Seele aus. Hat man den Eindruck, dass Gefühle und Tatsache (dass man durch sein Dasein die ganze Welt verändert) besser „zusammenpassen“? Welche Auswirkung hat man im Hinblick auf die Selbstwertschätzung wahrgenommen? Sehr wahrscheinlich wurde der Selbstwert bewusst. Dies ist auch nur folgerichtig, wenn man sich als einzigartig und kostbar erkennt.

Hat sich gleichzeitig der „innere Kritiker“ gemeldet? Auch dies war sehr wahrscheinlich der Fall. Dieser „innere Kritiker“ lenkt den Blick auf persönliche Schwächen, Versäumnisse, Fehlschläge, peinliche Ereignisse, kurzum auf alles, was sich auf der „Schattenseite“ befindet. „Es ist doch so vieles schief gegangen“, solches oder Ähnliches gibt er zu bedenken. Doch darf dieser „innere Kritiker“ das Recht haben, die Selbstwertschätzung infrage zu stellen? Auch alle Schwächen zusammengenommen ändern nichts an der Tatsache, dass man durch sein Dasein die ganze Welt verändert.

Es mag sein, dass sich auch das Gewissen als ethisch begründetes Bewusstsein von Gut und Böse zu Wort gemeldet hat. Vielleicht neigt sich, wenn man an die Vergangenheit zurückdenkt, die Waage sehr deutlich zu „Böse“ hin. Doch selbst dies ist kein Grund, den Selbstwert infrage zu stellen. Schließlich hat man auch die Möglichkeit, sich für einen Kurswechsel im Leben zu entscheiden und das sprichwörtliche Ruder herumzureißen.

Ergänzend kann man die Gedanken, die einem während der „Einwirkzeit“ durch den Kopf gegangen sind, laut aussprechen. Es müssen beileibe keine wohlgeformten Sätze sein. Vielmehr kommt es darauf an, seine Gefühle sprechen zu lassen.

Was geschieht, wenn ein Mensch die Welt verlässt?

Jeder Mensch erreicht irgendwann unweigerlich das Ende seines Lebens. In der Konsequenz geht der Welt dann etwas Einzigartiges unwiederbringlich verloren.

Wie verhält es sich bei Menschen, die aus eigenem Willen aus dem Leben scheiden? In Deutschland wählt jährlich eine niedrige fünfstellige Zahl von Menschen den Freitod. Schätzungen zufolge liegt die Anzahl der Suizidversuche (Suizidhandlung ohne Todesfolge) um etwa den Faktor 10 höher. Nochmals wesentlich höher liegt die Anzahl der Menschen, die über eine Selbsttötung nachdenken, jedoch keinen Suizidversuch unternehmen.

Wenn man über Selbstmord nachdenkt, denkt man gleichzeitig darüber nach, der Welt das Einzigartige, das Weltverändernde, sich selbst, zu entziehen. Sicherlich denkt niemand leichtfertig über Selbstmord nach. Es ist eine tief empfundene Verzweiflung, die zu solchen Gedanken führt. Oft ist es nicht das Leben an sich, das man nicht mehr leben will, sondern es sind die Lebensumstände, die man nicht mehr länger ertragen möchte.

Geht wirklich etwas unwiederbringlich verloren? Die wichtigsten monotheistischen Weltreligionen (Judentum, Christentum, Islam) kennen das Konzept einer Fortsetzung des Lebens in einem Jenseits. Diesen Vorstellungen gemäß verlässt die Seele im Augenblick des physischen Todes den Körper und lebt in einer anderen Existenzform weiter. Die Individualität geht nicht verloren. Wenn diesen Vorstellungen gefolgt wird, geht in Wirklichkeit das Einzigartige lediglich in dieser Welt verloren, jedoch nicht im Blick auf die gesamthafte Existenz.

Auch in anderen Religionen gibt es Vorstellungen von einem Weiterleben nach dem physischen Tod. Hinduismus und Buddhismus gehen von einer Weiterexistenz der Seele aus und davon, dass sich die Seele reinkarnieren kann. Ein Individuum kann unterschiedliche Existenzformen annehmen (Mensch, Tier usw.). Mit anderen Worten: aus etwas Einzigartigem entsteht etwas anderes Einzigartiges.

Jeder Mensch kommuniziert und hinterlässt Spuren

Das weltverändernde Dasein findet seinen wichtigsten Ausdruck in der Kommunikation. Menschen kommunizieren immer, sogar in gewisser Weise im Schlaf. Der Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut und Philosoph und Autor Paul Watzlawick drückte es kurz und prägnant so aus: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“.

Die Kommunikation zwischen Menschen geschieht nicht nur verbal, d. h. mit Hilfe der Sprache. Nonverbale Kommunikation (Körpersprache, Gestik, Augenkontakt, Mimik) und paraverbale Kommunikation (die Art und Weise wie gesprochen wird, beispielsweise ausgedrückt im Tonfall, Sprechtempo oder Lautstärke) ergänzen die zwischenmenschliche Verständigung.

In der zwischenmenschlichen Kommunikation mit ihren verschiedenen Ausdrucksformen hinterlässt man unweigerlich seine ganz individuellen Spuren bei den Mitmenschen. Man kann gar nicht anders. Die wichtigsten Spuren hinterlässt man auf der Gefühlsebene. Maya Angelou, Schriftstellerin, Professorin und Bürgerrechtlerin, formulierte es mit diesen Worten: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen vergessen, was du gesagt und was du getan hast. Sie vergessen aber nie, wie sie sich bei dir gefühlt haben.“.

Jeder Mensch kann frei entscheiden, wie er kommuniziert. Und damit kann er auch frei entscheiden, welche nahezu unauslöschlichen Spuren er bei seinen Mitmenschen hinterlässt, und wie er auf diese Weise die Welt verändert.

Wie denkt man über sich selbst?

Kann man für sich annehmen, dass man durch sein Dasein die ganze Welt verändert? Durchaus viele Menschen empfinden sich als wertlos oder schätzen sich selbst gering. Die Ursachen dafür sind sehr vielfältig, reichen aber oft bis in die frühe Kindheit zurück. Von den Eltern oder anderen nahestehenden Bezugspersonen übernommene negative Glaubenssätze wirken wie ein schwerer Rucksack im Leben.

Man mag es vielleicht (noch) so empfinden, dass Gefühl (im Extremfall: „Ich bin nichts wert“) und Tatsache („Ich bin wertvoll!“) im Widerstreit miteinander stehen. Was hindert einen, daran zu arbeiten, dass Gefühl und Tatsache sich eines Tages überdecken?

Anmerkung: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt. Dies ist nicht geschlechtsspezifisch gemeint.

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.