Niemand ist nutzlos in dieser Welt, der … die Bürde leichter machtLesezeit: 9 Min.

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„Niemand ist nutzlos in dieser Welt, der einem anderen die Bürde leichter macht.“

Charles Dickens
Niemand ist nutzlos in dieser Welt, C. Dickens - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Charles Dickens (1812-1870) war ein englischer Schriftsteller und Verleger. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der realistischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Internationale Anerkennung und Bedeutung als Schriftsteller gewann er vor allem mit den Hauptwerken „Oliver Twist“ und „David Copperfield“, in denen sich zahlreiche autobiografische Elemente wiederfinden.

Wenn man als Kind eine Bürde tragen muss …

Charles Dickens erfuhr schon relativ früh in seinem Leben, was es bedeutet, eine Bürde tragen zu müssen. Seine Kindheit war zeitweise von ärmlichen Verhältnissen geprägt. Als er etwa zwölf Jahre alt war, kam sein Vater in das Schuldgefängnis, da die Familie über ihre finanziellen Verhältnisse lebte. Wie damals üblich, zog seine Mutter mit den sieben Geschwistern ebenfalls in das Gefängnis.

Charles, zweitältestes Kind und ältester Sohn, lebte außerhalb, um als Hilfsarbeiter mit für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen. Gezwungenermaßen musste er die Schule abbrechen. Zehn-Stunden-Arbeitstage ließen ihm für den Schulbesuch keine Zeit mehr. Nach dreijähriger Unterbrechung, nachdem es der Familie finanziell wieder besser ging (die Schulden konnten auch mithilfe einer Erbschaft beglichen werden), konnte er wieder regelmäßig die Schule besuchen.

Jeder trägt seine Bürde

Eine Bürde bezeichnet im Allgemeinen eine Last, wobei es sich um eine physische oder psychische Last handeln kann. In letzterer Bedeutung ist „Bürde“ eher ein Synonym für „Belastung“.

Ohne Zweifel war es für Charles Dickens eine seelische Bürde, mit dafür sorgen zu müssen, dass seine Familie das Schuldgefängnis wieder verlassen konnte. Als rund Zwölfjährigem war es ihm nicht vergönnt, die Schule zu besuchen. Stattdessen hatte er wahrscheinlich eine 60-Stunden-Arbeitswoche in einer Fabrik für Schuhpolitur (erst 1847 wurde mit dem „Factory Act“ gesetzlich festgelegt, dass ein Arbeitstag für Kinder zwischen 9 und 13 Jahren 8 Stunden nicht überschreiten durfte; ansonsten galten 12 Arbeitsstunden als Obergrenze).

Wohl zu allen Zeiten hatten und haben Menschen ihre seelischen Bürden zu tragen. Die Frage wäre eher: Gibt es überhaupt auch nur einen einzigen Menschen, der keine seelische Bürde zu tragen hat?

Menschen tragen ganz vielfältige seelische Bürden. Die Probleme, die einen Menschen auch auf der seelischen Ebene beschäftigen und als seelische Bürde wirken, sind äußerst vielfältig. Dazu zählen beispielsweise:

  • Finanzielle Probleme, oft verbunden mit der Ungewissheit, ob man sie überwinden kann;
  • Gesundheitliche Probleme, oft verbunden mit der Angst, dass sie sich verschlimmern;
  • Altersbedingte Probleme, oft verbunden mit der Sorge, zum Pflegefall zu werden;
  • Psychische Probleme (Traumata, Ängste, Depressionen usw.), oft verbunden mit der Sorge, dass sie die Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigen;
  • Lebenskrise, oft verbunden mit der Angst, dass alles zusammenbricht;
  • Genetisches Erbe (z. B. auch durch unverarbeitetes Leid der Eltern, wie Erkenntnisse der Psychoneuroimmunologie zeigen), oft verbunden mit unterschwelliger Wut darüber, dass man eine ungewollte Bürde mitschleppen muss;
  • Leiden an Glaubenssätzen (z. B. „wenn es dir schlecht geht, bist du ganz auf dich allein gestellt“), die man oft noch nicht bewusst hinterfragt hat;
  • Geringe Selbstwertschätzung, die einen daran hindern kann, sich zu entfalten und seine Potenziale auszuschöpfen.

Seelische Bürden – sie können schwer zu ertragen sein

Manche seelischen Bürden hat man sich vielleicht selbst auferlegt. Vielleicht hat man sich in finanzieller Hinsicht überfordert. Oder vielleicht hat man nicht auf seine körperliche Gesundheit geachtet. Doch manche Bürden wurden einem auch ungewollt auferlegt. Vielleicht hat man im Kindesalter Gewalt erfahren, sei es verbale Gewalt oder sogar sexuelle Gewalt. Oder vielleicht ist man durch einen fremdverschuldeten Unfall betroffen, der einen auf absehbare Zukunft körperlich sehr einschränkt.

Es mag sein, dass einen eine seelische Bürde nur eine gewisse Zeit lang belastet. Man befindet sich in einer Ausbildung und steht kurz vor der Prüfung. Wird man die Prüfung schaffen? Man empfindet den Druck und insbesondere die Ungewissheit als seelische Bürde. Auf die Prüfung bereitet man sich gewissenhaft vor, aber eine als mehr oder weniger stark empfundene Ungewissheit bleibt. Diese Ungewissheit muss ausgehalten werden, auch wenn sie schwer zu ertragen sein mag. Doch wenn die Prüfung hinter einem liegt und auch noch gut bestanden wurde, ist die Bürde abgefallen.

Vielleicht war man beim Arzt und wartet auf das Ergebnis der Untersuchung. Auch hier muss man mit der Ungewissheit zurechtkommen. Und dann stellt sich schließlich heraus, dass es sich um eine unheilbare Krankheit handelt. Die seelische Bürde bleibt dauerhaft.

Jeder Mensch versucht, seine eigenen Bewältigungsstrategien zu finden, um die Last seiner seelischen Bürde zu verringern. So meiden beispielsweise Menschen, die unter Platzangst (Agoraphobie) leiden, enge, überfüllte Räume, wie beispielsweise Kinos oder öffentliche Verkehrsmittel. Doch dadurch grenzt man sich in gewisser Weise selbst sozial aus.

Seelische Bürden – oft auf den ersten Blick nicht wahrnehmbar

Seelische Bürden werden meist bewusst vor den Mitmenschen versteckt, verborgen. Man will nicht, dass andere sie wahrnehmen. Menschen, die beispielsweise mit finanziellen Problemen kämpfen, neigen dazu, nach außen hin eine Fassade aufzubauen. Diese soll suggerieren: „Es ist alles in Ordnung“. In Wirklichkeit ist jedoch nichts in Ordnung und nachts kann man kaum schlafen. Ständig macht man sich Gedanken, wie man sich aus der Misere wieder befreien kann.

In der Tat sind seelische Bürden für Mitmenschen nicht erkennbar – wenn es gelingt, sie wirklich gut zu überspielen. Meist sind sie jedoch erkennbar, am Körperausdruck (Körperdynamik, Körperhaltung, Gestik, Mimik) und an der Kommunikation (verbal, nonverbal und paraverbal (Stimme, Intonation)).

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Wie kann man helfen?

Wenn es so ist, dass jeder Mensch eine mehr oder weniger schwere seelische Bürde zu tragen ist, stellt sich die Frage: Möchte man helfen? Angenommen, die Antwort lautet „Ja“, stellt sich die nächste Frage: „Wie kann man helfen?“.

Einem Mitmenschen kann man seine seelische Bürde nicht wegnehmen bzw. abnehmen. Auch eine psychologische Fachperson ist dazu nicht in der Lage. Sie kann den Patienten bzw. Klienten mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung lediglich dabei unterstützen, seine seelische Bürde selbst leichter zu machen oder sie sogar abzuwerfen.

Den „Koffer“ ein Stück weit mittragen

Wie kann man helfen, wenn man keine psychologische Fachperson ist? Eine Möglichkeit besteht, bildlich gesprochen, darin, den „Koffer“, der die seelische Bürde symbolisiert, ein Stück weit mitzutragen. Dadurch wird das Gewicht der Bürde für den seelisch Belasteten leichter. Um wie viel das Gewicht leichter wird, lässt sich oft von außen nicht ermessen.

Wie könnte dieses „Mittragen“ ganz praktisch aussehen? Es könnte darin bestehen, gelegentlich etwas von seiner Zeit zum Zuhören zu schenken. Zwischenmenschliche Beziehungen sind für eine Bürde tragende Menschen sehr hilfreich. Ein Gespräch, wie sehr auch immer es ins Detail gehen mag, kann erleichtern.

Das „Mittragen“ könnte beispielsweise auch darin bestehen, eine kleine Aufmerksamkeit zu schicken oder gar persönlich vorbei zu bringen. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Es gibt jedoch einen gemeinsamen Nenner: der seelisch Belastete nimmt wahr, dass jemand an ihn denkt und hat das Gefühl, nicht alleine gelassen zu sein.

Nimmt man es selbst wahr, ob man einem anderen die Bürde leichter macht? Manchmal ist dies der Fall. Wenn man beispielsweise einer alleinstehenden älteren Person bei den Formalitäten eines Umzugs hilft, wird diese sehr wahrscheinlich ihre Erleichterung deutlich signalisieren.

Das Mittragen bleibt positiv verankert

Oft wird man selbst nicht wahrnehmen, dass und wie man jemand die Bürde leichter gemacht hat. Angenommen, man weiß, dass es einer Bekannten gerade schlecht geht. Sie musste sich einer Operation an der Schulter unterziehen. Jetzt ist sie zu Hause, ist in ihren Bewegungen eingeschränkt und die „Decke fällt ihr auf den Kopf“. Man nimmt sich vor, kurz bei ihr vorbei zu schauen und ihr ein kleines Blumengesteck mitzubringen. Das Vorhaben wird in die Tat umgesetzt. Man klingelt, übergibt das kleine Geschenk, unterhält sich kurz und dann geht man wieder. Natürlich bedankt sich die Bekannte höflich. Doch war es das?

Mehrere Jahre später ist die Schulteroperation längst Vergangenheit. Doch bei der Bekannten bleibt die Erinnerung an den kurzen Besuch und das kleine Geschenk. Wenn es einem schlecht geht, prägen sich positive Momente besonders stark ein. Vielleicht kann sich die Bekannte sogar noch so daran erinnern, als wäre es gestern gewesen. Ein Zeichen der Aufmerksamkeit und Anteilnahme kann sich unauslöschlich im Gedächtnis einprägen und viele Jahre lang nachwirken.

Gutes und Sinnvolles tun – ganz praktisch

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Niemand ist nutzlos

Ausnahmslos jeder Mensch kann positive Spuren im Leben eines anderen hinterlassen und seine Bürde leichter machen. Schon daraus ergibt sich als Konsequenz, dass niemand nutzlos ist oder überhaupt sein kann, der positive Lebensspuren hinterlässt. Es sind nicht die großartigen Leistungen, auf die es ankommt. Es können, wie schon erwähnt, auch die kleinen Zeichen der Aufmerksamkeit, der Beachtung oder auch Wertschätzung sein. Aber diese Zeichen sind wichtig und zählen.

Für Mitmenschen kann man eine Ressource im Sinne einer menschlichen Kraftquelle sein bzw. werden. Vielleicht kann man dazu beitragen, dass ein mit einer seelischen Bürde belasteter Mensch einen Perspektivwechsel vollbringen kann, wenn auch vielleicht nur für eine kurze Zeit. Dieser Perspektivwechsel kann darin bestehen, nicht auf das zu sehen, was im Moment belastet, sondern darauf, dass jemand da ist, der an einen denkt, und dass es auch eine „schöne“ Seite der Medaille gibt.

Wie sollte jemand nutzlos sein, der wertvoll ist und etwas geben kann? „Du bist wertvoll! Du hast etwas, das du geben kannst.“ – dies gilt auch dann, wenn man sich selbst gerade nicht „in Hochform“ fühlt. Vielleicht erlebt man das Leben gerade als eine Art Pflicht. Man hat gerade den Eindruck, dass es einem selbst nicht gut geht. Wie sollte man dann für andere „nutzvoll“ sein können? Man kann es, unabhängig davon, wie man sich selbst gerade fühlt.

Wenn man jemand die Bürde leichter macht, in welcher Form auch immer, wird man auch eine Rückwirkung auf sich selbst feststellen. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer kleidete es in folgende Worte: „Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann.“.

In späteren Jahren setzte sich Charles Dickens vehement für die Rechte von Kindern, Bildung und Erziehung sowie weitere Sozialreformen ein. Das selbst Erlebte motivierte ihn dazu, sich dafür einzusetzen, anderen ihre Bürde leichter zu machen.

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.