Nicht das Problem macht die Schwierigkeiten …

„Nicht das Problem macht die Schwierigkeiten, sondern unsere Sichtweise.“ Viktor Frankl

Nicht das Problem macht die Schwierigkeiten, V. Frankl - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Viktor Frankl (1905-1997) war ein österreichischer Neurologe und Psychiater. Er begründete die Logotherapie und Existenzanalyse, die vielfach auch als die „Dritte Wiener Schule der Psychotherapie“ bezeichnet wird.

Die Sichtweise ändern

Bettina* ist ordentlich sauer. Ihre Tochter Leonie* hat vor kurzem eine neue Klassenlehrerin bekommen, Frau Schmidt*. Frau Schmidt ist Quereinsteigerin. Sie hat zwar ein Studium hinter sich, jedoch war es kein Pädagogikstudium.

Die Schülerinnen und Schüler mögen Frau Schmidt. In den wenigen Wochen, in denen sie bisher unterrichtete, hat sie auch das Vertrauen der meisten Eltern gewonnen. Auch Bettina ist überzeugt, dass Frau Schmidt eine sehr gute Lehrerin ist.

Aber es gibt einige wenige Eltern, die der Meinung sind, dass eine Lehrerin zwingend Pädagogik studiert haben muss. In ihren Augen geht formale fachspezifische Qualifikation vor. Darüber ärgert sich wiederum Bettina sehr. Sie kann nicht verstehen, weshalb Frau Schmidt, die nach ihrer Ansicht und der des Rektors das „Lehrer-Gen“ besitzt und mit der Klasse sehr gut zurechtkommt, nicht qualifiziert sein soll. Schließlich gibt es andererseits auch viele Lehrerinnen und Lehrer, die zwar ein Pädagogikstudium erfolgreich absolviert haben, aber mit Schülerinnen und Schülern nicht gut zurechtkommen.

Für Bettina ist die Situation ein Problem. Sie ist in Sorge, dass Frau Schmidt die Klasse wieder abgeben muss, falls es den Gegnern von Frau Schmidt gelingt, sich durchzusetzen. Bettina möchte das Beste für Leonie. Sie möchte auf jeden Fall verhindern, dass eine Lehrerin oder ein Lehrer die Klasse übernimmt, die bzw. der besser einen anderen als den Lehrerberuf gewählt hätte.

Bettinas Sichtweise ist: Frau Schmidt muss unbedingt bleiben und die opponierenden Eltern liegen mit ihrer Anforderung falsch. Etwas direkter ausgedrückt: „Die opponierenden Eltern sind ein Problem und meine Feinde, weil sie sich Sinnvollem verweigern“.

Hin zur lösungsorientierten Sichtweise

Welche andere Sichtweise könnte Bettina einnehmen? Eine Möglichkeit wäre, die Sicht vom Problem auf die Lösung zu verlagern, an den Bedürfnissen der Kinder orientiert. Als Folge der lösungsorientierten Sichtweise ändert sich auch der Umgang der Eltern miteinander, wenn es darum geht: Wie ließen sich die Bedenken der Eltern ausräumen, die bisher gegen Frau Schmidt als Klassenlehrerin sind? Wie ließe sich die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass alle Eltern zustimmen können, dass Frau Schmidt Klassenlehrerin bleibt? Wie könnte dies geschehen, und zwar so, dass Eltern freiwillig und gerne zustimmen können?

Vielleicht erkennt Bettina, dass das wirkliche Problem ihre bisherige Sichtweise war, und dass sie sich gewissermaßen selbst im Weg stand. Die Situation besteht immer noch, aber jetzt hat sich der Fokus auf die Lösung verlagert. Die Sichtweise machte Schwierigkeiten, nicht das Problem.

Auswirkungen auf das Stressniveau

Im Übrigen hat unsere Sicht der Dinge auch Auswirkungen auf das Stressniveau. Dieses hängt nicht in erster Linie davon ab, was einem geschieht, sondern sehr viel mehr davon, wie man darauf reagiert. Maßgeblich ist vor allem, wie man etwas bewertet und welches Gewicht man dem beimisst.

* Name geändert

Wenn Sie über neue Beiträge informiert werden möchten, können Sie hier Ihre E-Mail-Adresse und Ihren Namen angeben.

Benachrichtigung bei neuen Beiträgen:

Außerdem interessant:

Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.

Demnächst als eBook

100 inspirierende Zitate