Der Mensch ist immer mehr, als er von sich weiß …

„Der Mensch ist immer mehr, als er von sich weiß. Er ist nicht, was er ein für alle Mal ist, sondern er ist Weg.“ Karl Jaspers

Der Mensch ist immer mehr, K. Jaspers - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Karl Theodor Jaspers (1883-1969) war ein deutscher Psychiater und Philosoph. Als Arzt trug er grundlegend zur wissenschaftlichen Entwicklung der Psychiatrie bei. Sein umfangreiches philosophisches Werk gewann insbesondere in den Bereichen der Religionsphilosophie, Geschichtsphilosophie und der Interkulturellen Philosophie große Bedeutung.

Der Mensch ist Weg

Wie kann man am besten erkennen, dass man selbst Weg ist? Dies gelingt wohl am ehesten, wenn man auf seine bisherige Entwicklung zurückblickt und sie Revue passieren lässt. Wie ist die persönliche Entwicklung verlaufen? War sie geradlinig, zielorientiert, strategisch geplant? War man sich immer bewusst, in welchem Stadium des Wegs man sich gerade befand? Hatte man immer den souveränen Überblick über das große Ganze? Gab es nie Bedenken, Unsicherheit, Zweifel?

Die wenigsten Menschen werden auf einen geradlinigen Weg zurückblicken können. Bei den allermeisten verlief der Weg auf und ab, man geriet in Sackgassen und manchmal lief man sprichwörtlich im Kreis.

Und kann ein Mensch überhaupt das Ganze seines eigenen Wesens auf dem Weg überschauen? Wenn dies verneint wird, dann kann auch kein Mensch einen anderen Menschen wirklich „durchschauen“. So konstatiert auch Jaspers etwas ausführlicher: „Der Mensch ist immer mehr als er von sich weiß und wissen kann und als irgendein anderer von ihm weiß.“ Wir können immer nur Teilaspekte unseres Daseins erkennen, aber wir wissen nie, wer oder was wir letztlich im Ganzen unseres Wesens sind. Wenn man immer nur Teilaspekte sehen kann, ist in der Konsequenz über keinen Menschen ein endgültiges Gesamturteil möglich.

Wie kann man konkret mit dieser Art Ungewissheit in seinem Leben umgehen? Man kann sich selbst bewusst machen, dass man unterwegs ist. In der Bewegung werden immer wieder Wegbiegungen und Wegkreuzungen erreicht. Man weiß vielleicht nicht (sofort), wie der Weg weitergeht. Man ist unterwegs, hat (hoffentlich) ein Ziel, ist aber noch nicht am Ziel.

Zustände, und seien sie auch noch so wohltuend und schön, lassen sich nicht festhalten. Man muss den Weg weitergehen und Verantwortung für sich übernehmen. Die aktuelle Situation oder Phase, in der man sich befindet, ist nicht das Ende. Es ist nur eine Station, es sei denn der Zeitpunkt des physischen Todes wäre gekommen.

Man ist auf dem Weg und man ist selbst Weg.

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.