Ein bisschen Freundschaft ist mir mehr wert als die …Lesezeit: 9 Min.

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„Ein bisschen Freundschaft ist mir mehr wert als die Bewunderung der ganzen Welt.“

Otto von Bismarck
Ein bisschen Freundschaft ist mir mehr wert, O. v. Bismarck - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Otto von Bismarck (1815-1898) war ein deutscher Politiker und Staatsmann. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 war er die treibende Kraft bei der Gründung des Deutschen Reiches. Von 1871 bis 1890 war er erster Reichskanzler des Deutschen Reiches. Als Kanzler bestimmte er die Politik des neu geschaffenen Reiches und wurde auch der „Eiserne Kanzler“ genannt.

Viel Erfolg, viele Freunde – logisch – oder doch nicht?

Otto von Bismarck gilt als machtbewusster und erfolgreicher Politiker, der den damaligen Kaiser Wilhelm I. zu der Klage veranlasste: „Es ist nicht leicht, unter einem solchen Kanzler Kaiser zu sein.“.

Seine vielfältigen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Erfolge, zu denen unter anderem auch die Schaffung des Sozialversicherungssystems zählte, trugen ihm große Bewunderung ein. Aber sein nahezu rastloses Wirken hatte auch eine Kehrseite: psychische und körperliche Belastungen. Es wird berichtet, dass er im Überfluss aß und trank und unter zahlreichen teilweise chronischen Erkrankungen zu leiden hatte.

Bismarck hatte in seiner Familie einen Rückhalt. Enge persönliche Beziehungen unterhielt er zu nur wenigen Menschen. Freundschaften waren ihm deshalb sehr kostbar, sogar so kostbar, dass er sie über die Bewunderung der ganzen Welt stellte.

Bewunderung ist nicht alles

Viele Menschen sehnen sich nach Bewunderung. Wer bewundert wird, wird in besonderer Weise anerkannt und geachtet. Anderen Menschen ist bekannt, was man schon an Außergewöhnlichem geleistet hat, wie man aktuell handelt, und wie man ist, zumindest insoweit dies für andere wahrnehmbar ist. Wie man sich in den eigenen vier Wänden verhält, entzieht sich schließlich der Wahrnehmbarkeit für Außenstehende.

Vielleicht ist man über das gewöhnliche soziale Umfeld hinaus bekannt. Und vielleicht wird man sogar von vielen Menschen auf der Straße erkannt. Dann kann man sich gewissermaßen die sprichwörtliche Visitenkarte sparen. Und man kann genießen, dass man bewundert wird.

Sicherlich wären viele Menschen schon damit zufrieden, bewundert zu werden. Wozu braucht man da noch einen oder mehrere Freunde?

Bewunderung ist flüchtig

Otto von Bismarck genügte die Bewunderung nicht. Ihm war bewusst, dass Bewunderung flüchtig ist. Nachdem Wilhelm II. nach dem Tod seines Vaters, Kaiser Friedrich III., Deutscher Kaiser wurde, kam es zwischen Reichskanzler und dem neuen Kaiser zu Konflikten und Auseinandersetzungen. Eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit war nicht mehr möglich. Otto von Bismarck, der als führender Staatsmann Europas fast 28 Jahre lang die Politik maßgeblich bestimmt hatte, wurde 1890 von Kaiser Wilhelm II. entlassen.

Die Bewunderung für Otto von Bismarck ging auch in der Bevölkerung zurück, nicht zuletzt wegen seiner Haltung in der Arbeiterschutzfrage, die von vielen als starrsinnig und engstirnig wahrgenommen wurde. Dennoch blieben immer noch viele, die ihn nach wie vor bewunderten.

Bewunderung allein schafft keine menschliche Nähe

Sicherlich empfand sich Bismarck oft als isoliert und einsam. Mit wem sollte er seine Gedanken teilen? Schließlich würden politische Entscheidungen die Lebensverhältnisse von Millionen Menschen im In- und Ausland beeinflussen können. Eine riesige Verantwortung lastete auf ihm.

Pläne und Vorhaben lassen sich sachlich auf politischer Ebene besprechen und in der politischen Auseinandersetzung voranbringen. Für moralische und ethische Fragen sind jedoch neben Fachleuten eher Vertraute, denen man sich menschlich nahe und verbunden fühlt, die geeignete Adresse. Vielleicht befindet man sich in einem Dilemma und muss das Für und Wider verschiedener Alternativen sorgsam abwägen. Wer könnte dabei gut unterstützen?

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Eine Depression ist wie eine Frau in schwarz, C.G. Jung - Gestaltung: privat
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Einsamkeit in Spitzenpositionen – aber nicht nur dort

In Spitzenpositionen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ist Einsamkeit beileibe kein Fremdwort. Einsamkeit mag punktuell durchaus in gewissem Rahmen auch gewollt sein, denn die damit verbundene Distanz erleichtert es, zuweilen notwendige schmerzliche Entscheidungen zu treffen. Man schafft eine gewisse emotionale Distanz. Meist jedoch trägt die Angst, sich verletzlich und angreifbar zu machen, maßgeblich zur Einsamkeit bei, die dann auch als belastend empfunden wird.

Im Umfeld gibt es kaum oder überhaupt keine Menschen, denen gegenüber man beispielweise in Dilemmasituationen Unsicherheit, Ängste, Sorgen und Zweifel zeigen und eingestehen kann. Manchmal befindet man sich in einer Situation, in der nur die Wahl zwischen „Pest und Cholera“ bleibt. Dann wäre es besonders hilfreich, eine oder mehrere vertraute Personen um sich zu haben, die aufrichtig, vertrauenswürdig und unabhängig ist bzw. sind. Solche Personen können dabei unterstützen, den Problemkomplex zu durchdenken, sowie eigene Gedanken einbringen und kritische Fragen stellen.

Im Idealfall ist die vertraute Person ein Freund. Der Freund ist aufrichtig, vertrauenswürdig und unabhängig. Er weiß, dass er offen reden und, wenn aus seiner Sicht geboten, auch eine Gegenposition einnehmen kann, ohne dass ihm dies verübelt wird.

Wenn es an Personen mangelt, zu denen schon eine bewährte Vertrauensbeziehung besteht, mag ein Business Coach eine Option sein. Business Coaches bieten Möglichkeiten zum Austausch abseits des Unternehmens, der Institution o. ä. an. Derartige Coaches können nicht nur dabei unterstützen, mögliche Lösungswege zu erarbeiten. Sie können auch bei der Bewältigung von Gefühlen der Einsamkeit hilfreich sein und einen Raum schaffen, in dem auch persönliche Angelegenheiten besprochen werden können. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass auch eine „geschäftliche“ Vertrauensbeziehung nicht über Nacht entsteht, sondern wachsen muss, und dies benötigt seine Zeit.

Freundschaft oder Zweckgemeinschaft?

Auch heute machen viele Menschen in Spitzenpositionen die Erfahrung, dass mit zunehmendem Erfolg und wachsender Anerkennung zwar die Quantität, aber nicht die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen zunimmt. Viele möchten sich gerne damit brüsten, Herrn X oder Frau Y persönlich zu kennen, gewissermaßen bei ihm bzw. ihr aus- und einzugehen. Sie sind schnell mit dem Etikett „Freundschaft“ dabei und erhoffen sich persönliche Vorteile und Ansehensgewinn.

Aber handelt es sich dann um wirkliche Freundschaft, die von Zuneigung und Vertrauen getragen wird? Oftmals ist zwar Zuneigung vorhanden, aber es fehlt schmerzlich am Vertrauen. Kann man beispielsweise sicher sein, dass der vorgebliche Freund etwas Vertrauliches auch für sich behält? Oder verwendet er es bei nächster Gelegenheit gegen einen, um selbst auf der Karriereleiter schneller voranzukommen?

Handelt es sich vielleicht im Grunde eher um eine Zweckgemeinschaft statt einer Freundschaft? Die vorgebliche Freundschaft dient, meist unausgesprochen, einem bestimmten Zweck. Vielleicht geht es im Kern darum, den „Freund“ dazu zu nutzen, besser an Aufträge heranzukommen.

Eine Zweckgemeinschaft wird aufgelöst, wenn der Zweck erreicht ist. Eine Freundschaft ist an keinen Zweck gebunden. Sie besteht, weil die Freunde sie gleichermaßen wollen, weil sie durch sie gleichermaßen bereichert werden. Deshalb hat eine wahre Freundschaft kein Enddatum.

Nicht selten haben vordergründig erfolgreiche Menschen nur wenige Menschen, wenn überhaupt, mit denen sie eine Freundschaft, die diese Bezeichnung auch wirklich verdient, verbindet. Sie haben Zeit und Energie in ihre Karriere investiert. Für den Aufbau von belastbaren Freundschaften blieb keine Zeit mehr. Somit fehlt ihnen etwas, was das Leben sehr bereichert. Kein Wunder, dass Bismarck ein bisschen Freundschaft über die Bewunderung der ganzen Welt stellt.

Weshalb ist Freundschaft so kostbar?

Echte Freundschaft kann man für kein Geld der Welt kaufen. Sie entsteht, getragen von beiderseitiger Zuneigung, aus freiem Willen und lässt sich nicht erzwingen. Ein wesentliches und unverzichtbares Merkmal einer Freundschaft ist gegenseitiges Vertrauen, das sich im Lauf der freundschaftlichen Beziehung immer wieder bewährt.

Was wäre Freundschaft ohne Vertrauen?

Man ist gegenseitig fest davon überzeugt, dass der jeweils andere unter dem Siegel der Verschwiegenheit Anvertrautes nicht preisgeben und auch nicht gegen einen verwenden wird. Dies gilt selbst dann, wenn der Freund bedeutende materielle Vorteile erwarten kann, sollte er Vertrauliches preisgeben. Ein Freund kann schweigen „wie ein Grab“.

Wenn dem Anderen in einer freundschaftlichen Beziehung Vertrauen geschenkt wird, macht man sich selbst verletzlich. Aber man bekommt auch Vertrauen zurück. Der Andere macht sich ebenfalls verletzlich. So tasten sich beide langsam voran und gewähren einander mit der Zeit immer mehr Vertrauen. Das Vertrauen wird sich in den schwierigen Zeiten des Lebens bewähren und es muss sich auch bewähren. Wie will man sonst wissen, dass das Vertrauen belastbar und gerechtfertigt ist?

Enttäuschtes Vertrauen, wenn es gebrochen wird, führt unweigerlich auch zu einem Zerbruch der Freundschaft. Wie könnte Freundschaft ohne Vertrauen bestehen? Wenn kein Vertrauen (mehr) besteht, ist der Freundschaft der Boden entzogen.

Eine Freundschaft wächst nur so schnell, wie auch das gegenseitige Vertrauen wächst. Wie lange wird man wohl brauchen, bis man einem Anderen etwas von seinem Innersten preisgibt? Am Beginn einer Freundschaft redet man sicherlich noch nicht über seine ganz persönlichen Sorgen und Nöte. Man kommt sich vielleicht über ein gemeinsames Hobby näher, kommt irgendwann zum Reden über „Gott und die Welt“ und vertieft schließlich manche Themen auf der persönlichen Ebene.

Was wäre Freundschaft ohne Offenheit und Ehrlichkeit?

Wahre Freundschaft verlangt Offenheit und Ehrlichkeit. Dies bedeutet selbstverständlich nicht, dass man alles über sich preisgeben oder über alles reden muss. Auch in Freundschaften gibt es Grenzen und Tabubereiche, beispielsweise wie Sexualität in der eigenen Partnerschaft gelebt wird. Wie die Grenzen verlaufen und welche Tabubereiche es gibt, bestimmt jeder für sich.

Eine Freundschaft verträgt keine Lüge. Jede Lüge würde das Vertrauen torpedieren und die Freundschaft dem Risiko des Zerbruchs aussetzen. Die Schauspielerin und Sängerin Hildegard Knef drückte es so aus: „Die Freundschaft, die von der Lüge lebt, stirbt an der ersten Wahrheit.“ Worüber man redet, bestimmt man selbst. Aber wenn man über etwas redet, ist Unehrlichkeit Gift für eine Freundschaft.

Im Übrigen: Welchen Grund könnte es geben, unehrlich zu sein? Schließlich nehmen Freunde einander an, so wie sie sind, mit ihren Stärken und Schwächen. Man braucht einander nichts vorzuspielen, keine Maske aufsetzen. Der Freund kennt sich schließlich auch selbst und auch seine eigenen Abgründe. Auch wenn man bei der Wahrheit bleibt, so unbequem sie auch sein mag, braucht man nicht zu befürchten, dass die Freundschaft zerbricht.

Was wäre Freundschaft ohne Annahme?

Wahre Freundschaft bedeutet, dass man nicht wegen irgendwelcher Leistungen geschätzt wird. Man wird als Person geschätzt. Und man wird vom Anderen aus freiem Willen mit seiner ganzen Persönlichkeit angenommen und geliebt, mit seinen Stärken und Schwächen, und auch mit seinen Sonnen- und Schattenseiten. Dies gilt selbst dann, wenn der Freund alles über einen weiß. Der Schriftsteller Elbert Hubbard drückte es so aus: „Der Freund ist einer, der alles von dir weiß, und der dich trotzdem liebt.“.

Gutes und Sinnvolles tun – ganz praktisch

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Freundschaft wächst langsam

Eine Freundschaft gleicht einem langsam wachsenden Baum. Bis sich das kleine Pflänzchen entwickelt und zu einer ansehnlichen Größe heranwächst dauert es Jahre. Aber was immer tiefere Wurzeln schlägt, ist auch belastbar. Ein tief verwurzelter und starker Baum, eine tief verwurzelte Freundschaft, übersteht auch schwere Stürme.

Freundschaft ist nicht flüchtig, Bewunderung schon. Otto von Bismarck war sogar mit ein bisschen Freundschaft zufrieden, und dieses Bisschen stellte er über die Bewunderung der ganzen Welt.

Anmerkung: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt. Dies ist nicht geschlechtsspezifisch gemeint.

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Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.