Wir können uns in nur vierzehn Tagen von Depressionen befreien …

„Wir können uns in nur vierzehn Tagen von unseren Depressionen befreien, wenn wir uns nur jeden Tag überlegen, wie wir anderen helfen können.“

Alfred Adler
Wir können uns in nur vierzehn Tagen von Depressionen befreien, A. Adler - Gestaltung: privat
Gestaltung: privat

Alfred Adler (1870-1937) war ein österreichischer Arzt und Psychotherapeut. Er gilt als der Begründer der Individualpsychologie. Sie wird deshalb als Individualpsychologie bezeichnet, weil Adler zu dem Schluss kam, dass jeder Patient als Unwiederholbar-Einmaliges, als Individuum und als Ganzheit körperlich zu behandeln und psychisch zu verstehen sei.

Als Basis der Psychosomatik kann seine Erkenntnis der untrennbaren Ganzheit von Seele, Geist und Körper angesehen werden. Dies bedeutet: bei jeder Lebensäußerung des Menschen sind stets körperliche und seelische Vorgänge gemeinsam wirksam und bilden eine unteilbare Einheit (Individuum).

Eine Depression überwinden – geht das so einfach?

Kann man sich wirklich in nur vierzehn Tagen von Depressionen befreien? Auf den ersten Blick scheint dies unmöglich zu sein, denn eine Depression geht mit einer mehr oder minder stark ausgeprägten Antriebslosigkeit einher. Ist unter diesem Vorzeichen überhaupt daran zu denken, sich selbst von einer Depression heilen, sich von ihr befreien zu können?

Gemäß der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) werden unterschiedliche Grade einer Depression unterschieden: leichte, mittelgradige und schwere depressive Episoden. Generell leidet die betroffene Person unter gedrückter Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Anzahl und Schwere der Symptome bestimmen, ob eine depressive Episode als leicht, mittelgradig oder schwer einzustufen ist.

Während einer depressiven Episode sind Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen fast immer beeinträchtigt. Selbst bei der leichten Form beschäftigt sich die betroffene Person mit Schuldgefühlen oder Gedanken über die eigene Wertlosigkeit. Kein Wunder, dass Lebensqualität und Lebensfreude beeinträchtigt sind.

Während die betroffene Person bei einer leichten depressiven Episode in der Lage ist, ihre täglichen Routineaktivitäten zu bewältigen, ist dies mit zunehmendem Schweregrad immer weniger der Fall. Bei einer mittelgradigen depressiven Episode hat eine betroffene Person meist schon große Schwierigkeiten, alltägliche Aktivitäten zu bewältigen. Und bei einer schweren depressiven Episode kommen häufig auch Suizidgedanken und Suizidhandlungen vor. Nicht zuletzt können auch psychotische Symptome, wie beispielsweise Halluzinationen oder Wahnideen, vorkommen.

Wahrscheinlich hatte Adler die leichten depressiven Episoden vor Augen. In diesem Stadium ist eine professionelle Unterstützung durch psychotherapeutisches Fachpersonal nicht unbedingt erforderlich. Auch Gespräche mit Freundinnen oder Freunden können einer betroffenen Person schon dabei helfen, die depressive Episode zu überwinden.

Und die Zahlen?

Nach Zahlen der Psychotherapeutenkammer NRW sind insgesamt in einem Jahr durchschnittlich 8,3 Prozent der Bevölkerung depressiv krank. Das Risiko, einmal im Leben an einer Depression zu erkranken, liegt in Deutschland, in Europa und in den USA bei etwa 16 bis 20 Prozent.

Aus diesen Zahlen lässt sich ableiten, dass die Depression heute schon fast zu einer Volkskrankheit geworden ist. Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2015 rund 263 000 Patientinnen und Patienten aufgrund einer Depression vollstationär im Krankenhaus behandelt. Die Zahl der Behandlungsfälle hat sich damit seit der Jahrtausendwende (damals etwa 110 000 Fälle) mehr als verdoppelt. Und dabei handelt es sich um Personen, die mindestens von einer mittelgradigen depressiven Episode betroffen sind.

Depressionen gehören zu den Krankheiten, welche die Lebensqualität am stärksten beeinträchtigen. Aber so weit muss es nicht kommen! In vielen Fällen kann man etwas unternehmen, um aus einer leichten depressiven Episode nicht in eine mittelgradige oder gar schwere depressive Episode abzugleiten.

Standardrezepte zum Umgang mit einer Depression

In einer depressiven Episode tragen Ausdauersportarten wie beispielsweise Radfahren, Wandern, Joggen, Nordic Walking oder Schwimmen dazu bei, die Stimmung zu heben. Regelmäßige Bewegung in der frischen Luft und bei Tageslicht wirkt sich positiv aus, wie auch viele Studien zeigen.

Allerdings fällt es Menschen in einer depressiven Episode oft nicht leicht, sich zu motivieren und „in die Gänge zu kommen“. Dann ist es hilfreich, sich mit Freunden oder Bekannten zu verabreden. Wenn man weiß, dass man bei einer Aktivität, die einem guttut, nicht alleine ist, kann man sich leichter aufraffen.

Zu den Standardrezepten zählt auch, die Tagesstruktur beizubehalten. Die von einer Depression betroffene Person neigt dazu, den gewohnten Tagesrhythmus aufzugeben. Sie hat beispielsweise keinen Appetit und lässt deshalb Mahlzeiten ausfallen. Angehörige und Freunde spielen dabei eine wichtige Rolle, die betroffene Person dabei zu unterstützen, ihren Tag auch während einer depressiven Episode zu strukturieren. Um im Beispiel zu bleiben: Wenn die betroffene Person kaum oder keinen Hunger hat, hält sie trotzdem an den üblichen Essenszeiten fest, isst aber entsprechend (sehr) wenig.

Dass sich eine von einer Depression betroffene Person damit beschäftigen könnte, wie sie anderen Menschen helfen kann, gehört bisher nicht zum Repertoire der Behandlungsmethoden. Die betroffene Person wird als hilfebedürftig gesehen. Wie sollte sie da in der Lage sein, sich um andere Menschen zu kümmern? Aber wäre es dieser Gedanke wirklich so abwegig?

Wie wäre es mit einem Selbstversuch?

Wenn man sich in einer leichten depressiven Episode befindet, ist es im Allgemeinen noch möglich, die Alltagsaufgaben zu bewältigen. Manche der typischen Symptome einer depressiven Episode, wie beispielsweise verminderte Fähigkeit zu Freude, Appetitverlust, vermindertes Interesse, verminderte Konzentration, sind in unterschiedlicher Ausprägung wahrnehmbar. Aber man kann sich, vielleicht auch mit Unterstützung anderer Menschen, zu etwas aufraffen.

Um zu sehen, ob etwas an Adlers These dran ist, könnte man einen Selbstversuch wagen. Morgens könnte man sich beim Frühstück überlegen, wem man an diesem Tag in irgendeiner Form helfen oder auf andere Art eine Freude machen kann.

Vielleicht ist praktische Unterstützung möglich, beispielsweise bei einem Umzug. Oder man kann einem Kind etwas vorlesen, es bei den Hausaufgaben unterstützen usw. Wahrscheinlich fällt einem etwas Konkretes ein, wo man sich ganz praktisch engagieren und einer oder mehreren anderen Menschen helfen kann. Wenn nicht, können Freiwilligen- oder Ehrenamtsagenturen auf kommunaler oder Kreisebene dabei unterstützen, etwas individuell Passendes zu finden.

Wenn man jedoch nicht viel Zeit entbehren kann, könnte man sich überlegen, ob man heute jemand mit einem persönlichen Brief, einer Karte, einer E-Mail, einer WhatsApp-Nachricht oder ähnlichem eine Freude machen kann. Vielleicht würde sich jemand über einen Zuspruch freuen oder einfach nur darüber, dass man an sie, ihn oder es gedacht hat. Und wenn man die finanziellen Mittel dazu hat, könnte man vielleicht jemand einen Blumengruß mit einer netten Karte zukommen lassen.

Auch in den Begegnungen des Tages könnte man Mitmenschen kleine Aufmerksamkeiten erweisen. Wie wäre es beispielsweise, an der Supermarktkasse jemand vorzulassen, der nur wenige Artikel eingekauft hat? Oder man könnte die Kassiererin oder den Kassierer nett anlächeln. Oder …

Und was kommt dabei heraus?

Wer anderen Menschen hilft, in welcher Form auch immer, gibt etwas. Und das Wissen, etwas geben zu können, wirkt sich positiv auf die Selbstwertschätzung aus. Wer sich selbst wertschätzen kann, setzt einen Kontrapunkt gegen die für eine Depression typischen Gedanken über die eigene Wertlosigkeit. Wer etwas geben kann, ist wertvoll.

Jeder kann etwas geben. Es geht nicht um Materielles, sondern um ein Geben aus dem Schatz seiner Fähigkeiten und Kompetenzen heraus. Diese Art von Geben kostet keinen einzigen Cent.

Gibt es ein Risiko, dass man sich selbst schaden könnte, wenn man auf irgendeine Art und Weise jemandem hilft? Wohl kaum! Die Chance, für sich selbst etwas Gutes tun zu können, ist dafür riesengroß!

Wird man sich in nur vierzehn Tagen von einer Depression befreien können? Dies sei dahingestellt. Aber man ist auf jeden Fall in der richtigen Richtung und auf dem richtigen Weg unterwegs.

Zitate-Suche *

* Sie können nach Text suchen, der in Zitaten vorkommt (Beispiele: „Glück“, „hoff“)

Außerdem interessant:

Ich bin Dieter Jenz, Begleiter, Berater und Coach mit Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg habe ich einen reichen Schatz an Kompetenz und Erfahrung erworben. Meine Themen sind die "4L": Lebensaufgabe, Lebensplanung, Lebensnavigation und Lebensqualität.